Das Leben ist für Linus Förster (51) zu Ende – das Leben, wie er es bislang kannte. Auf der politischen Bühne ist er tot und von der Gesellschaft geächtet. Heimliche Sexfilme und der Besitz von Kinderpornos brachten für den ehemaligen schwäbischen SPD-Chef und Landtagsabgeordneten das jähe Aus.
Noch hat kein Richter über die Schwere seiner Schuld und eine angemessene Strafe befunden. Die Gerichtsverhandlung wird im September stattfinden. Die Gesellschaft aber hat schon ihr hartes Urteil gefällt – er wird gnadenlos ausgegrenzt.
Der Vorwurf, etwas mit widerlichen Kinderpornos zu tun zu haben, ist wie ein übler Geruch, den man nicht mehr aus den Klamotten bekommt. Dabei wäre Förster in diesem Anklagepunkt mit einer Geld- oder Bewährungsstrafe davongekommen. Andere Anklagepunkte gegen ihn wiegen juristisch deutlich schwerer. Bei den Ermittlungen wurden Videos gefunden, die Förster beim Sex mit einigen seiner Geliebten zeigen – heimlich aufgenommen, während diese schliefen. Die Frauen fühlen sich hintergangen und verletzt. Das hat für Förster jetzt schwerwiegende Konsequenzen.

Linus Förster (SPD)

Linus Förster sitzt bereits seit Dezember im Gefängnis in Gablingen in Untersuchungshaft. Es geht ihm schlecht, berichtet sein Anwalt Walter Rubach. Bei den Mithäftlingen sei eine gereizte Stimmung gegen ihn deutlich spürbar. Förster hat sich bislang im Krankenbereich der Justizvollzugsanlage aufgehalten. Mit den anderen Gefangenen kam er nur gelegentlich zusammen. Dabei hat er zum Beispiel die Weihnachtsfeier musikalisch mit seiner Gitarre umrahmt. Bald wird Förster in einem speziellem Haftbereich untergebracht. Für Straftaten gegen Kinder und vor allem mit sexuellen Handlungen, haben die „harten Jungs“ im Knast keinerlei Verständnis. Das machen diese auch handfest deutlich, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Wer mit Kindersex zu tun hat, in welcher Form auch immer, wird dort zutiefst verachtet.
In Försters sozialem Umfeld ist das nicht besser. Viele seiner bisherigen Weggefährten haben sich abgewandt, aber nicht alle. Einige halten weiter zu ihm, berichtet Rubach. Der Inhaftierte bekommt regelmäßig Besuch und auch Briefe von der Familie und einem kleinen Freundeskreis. Für den bis dato erfolgreichen Politiker und Hobbymusiker, der gerne im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand, ist sein unfreiwilliger Abgang, wie ein Sturz in ein schwarzes Loch.
Gelöscht wurde er aus den Verzeichnissen seiner ehemaligen Partei und den politischen Gremien, getilgt aus sozialen Netzwerken und auch seine Homepage steht nun zum Verkauf. Die Suche im Internet nach Förster liefert jetzt hauptsächlich Hinweise auf Medienberichte über Sexskandal und Kinderpornos. Rubach weist jedoch deutlich darauf hin, dass sein Mandant keinerlei sexuelle Kontakte zu Kindern hatte und keine Kinderpornos angefertigt oder verbreitet hat.
Die Ermittlungen gegen Linus Förster wurden ausgelöst durch seinen Streit mit einer Prostituierten. Im September 2016 hat Förster die Dienste eines Erotik-Models in deren Studio in Anspruch genommen. Die sexuellen Handlungen wollte er heimlich mit einer Kamera filmen. Das hat die Frau aber bemerkt und die Speicherkarte an sich genommen. Förster wollte diese zurück. Es kam zu einer Rangelei. Dabei zog sich das Erotik-Model ein paar Kratzer zu, behielt aber die Karte. Diese brachte sie dann zur Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.
Erst nach einigen Wochen erkannte eine Polizistin im polizeiinternen Netzwerk ihren ehemaligen Geliebten auf den Bildern. Über den Verdacht auf Körperverletzung und Verstoß gegen den „Spannerparagrafen“ (§ 201a StGB) informierten die Ermittler daraufhin Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Die gab „grünes Licht“ für weitere Ermittlungen gegen den sonst gegen Strafverfolgung geschützten Abgeordneten.
Bei der Durchsuchung von Försters Büros und Wohnung in Augsburg und München wurden mehrere Datenträger beschlagnahmt und dann von IT-Spezialisten ausgewertet. Darauf wurden über 800 kinderpornografische Bilder und mehr als 500 kinderpornografische Videos gefunden. Dazu weitere Fotos und Videos, die unter anderem Förster beim Sex mit Frauen zeigt – zumindest einige davon heimlich gefilmt.
Fatal für den Hobbyfilmer: ein paar Frauen scheinen dabei nicht im Besitz ihrer geistigen Kräfte gewesen zu sein. So hatte eine Frau aus München, die mit Förster monatelang eine Beziehung hatte, selbst Schlaftabletten eingenommen. Als die Frau schlief hatte Förster mit ihr Geschlechtsverkehr und filmte dies. Für Juristen ein Fall von schwerem sexuellen Missbrauch an widerstandsunfähigen Personen. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb die Aufhebung der Immunität des Politikers und auch einen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr beantragt.
Als ehemaliger Geschäftsführer des Bukowina-Instituts hat Förster gute Kontakte nach Osteuropa. In einer psychotherapeutischen Klinik in Passau wurde er verhaftet. Er muss wohl geahnt haben, was auf ihn zukommt. Kurz vorher hat er auf Facebook eine merkwürdige Botschaft verbreitet: „Freiheit ist das, was andere nicht über dich wissen“.
Nach Abschluss der Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Förster sei unter anderem dringend verdächtig, in den Jahren 2012 und 2014 bei zwei schlafenden Frauen (heute 31 und 35 Jahre) in seiner Wohnung den Geschlechtsverkehr vollzogen und heimlich gefilmt zu haben. Heimliche Aufnahmen habe er auch beim Sex mit weiteren Frauen. Auch eine heute 21-Jährige soll er beim einvernehmlichen Fotoshooting im Freien und im Auto dann heimlich gefilmt haben.
Nach Angaben von Matthias Nikolai, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, umfasst die Anklage: schweren sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen (Haftstrafe zwei bis 15 Jahren) in zwei Fällen, versuchter schwerer sexueller Missbrauch und sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen in sechs Fällen (6 Monate bis 10 Jahre) – jeweils mit Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs mit Bildaufnahmen (ein Monat bis zwei Jahre oder Geldstrafe), dazu Körperverletzung (ein Monat bis fünf Jahre oder Geldstrafe), versuchte Nötigung und Besitz von kinderpornografischem Material (jeweils ein Monat bis drei Jahre oder Geldstrafe).
Der Prozessauftakt ist am 18. September, teilt der Pressesprecher des Landgerichtes Claus Pätzel mit. Fünf Verhandlungstage wurden angesetzt. Fälle wie dieser, in denen der Beschuldigte in Untersuchungshaft sitzt, werden stets zügig angegangen, versicherte Pätzel. Dies sei auch bei einem bekannten Politiker nicht anders. Der Grund für die Wartezeit: Die zuständige Kammer muss erst noch eine Reihe von Verfahren beenden.

 

Richter Hoesch leitet den Prozess

Der Fall Linus Förster wird am Landgericht Augsburg vor der Jugendkammer verhandelt. Die ist zuständig, da bei Förster Bildmaterial mit kinderpornografischem Inhalt gefunden wurden. Der Vorsitzende Richter ist Lenart Hoesch.
Der Jurist gilt als sehr erfahren. Er hat unter anderem den aufsehenerregenden Prozess zum Mord an der kleinen Vanessa aus Gersthofen und auch den Fall der prügelnden Erzieherinnen von der Sekte „Zwölf Stämme“ geleitet.
Erst kürzlich hat Hoesch eine hohe Haftstrafe wegen Sexualstraftaten gegen Kinder gegen buddhistischen Priester Rudolf D. aus Dinkelscherben und im vorigen Jahr gegen den Augsburger Kinderarzt Harry S. verhängt. Diese hatten sich an kleinen Buben sexuell vergangen.
Juristisch ist Hoesch übrigens auch gegen die Augsburger Gefängnischefin Zoraida Maldonado de Landauer vorgegangen. Die war seiner richterlichen Anordnung nicht nachgekommen, die Fesseln eines an das Bett fixierten Häftlings zu lösen, der im Koma lag. Dies wurde mit einer Geldbuße geahndet.

 

Von Roland Renftel

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