Schuld ist nie der Hund

Martin-Rütter

GESPRÄCH mit Hundeprofi Martin Rütter

Er ist der „einzig wahre Anwalt der Hunde.“ In seinem Live-Programm „FREISPRUCH!“ hält Martin Rütter ein bellendes Plädoyer für die Beziehung von Hasso und Herrchen und tourt im Auftrag der Hunde und zur Aufklärung ihrer Menschen durch die Lande. Am 8. März machte er Station in der Augsburger Schwabenhalle. Was wir alle längst wissen, aber kaum zu denken wagen, bringt der Hundeprofi Nummer 1 unmissverständlich auf den Punkt: SCHULD ist nie der Hund. „Aber wer dann? Und warum?“ Wie kam der Hundetrainer ins Showbiz. Wollte er immer schon ins Fernsehen und auf die große Bühne?

Martin Rütter: Angefangen hat alles mit einer Dokumentation, in der das Verhalten von Haustieren erklärt wurde. Der WDR suchte damals für das Format „Eine Couch für alle Felle“ einen passenden Protagonisten, so nahmen die Dinge ihren Lauf.

AJ: Was für eine Beziehung haben Sie zu Ihrem Hund? Sind Sie eher streng oder fällt es auch Ihnen manchmal schwer, nein zu sagen?

Rütter: Meine Hündin Emma ist natürlich auf hohem Niveau erzogen, aber letztlich ein stinknormaler Hund. Es geht ja auch nicht darum, den perfekten Hund zu haben. Was heißt überhaupt perfekt? Das Ziel ist ja nicht, ferngesteuerte Roboter neben sich zu haben, die bei jedem Signal wie totgeschossen umfallen. Schon bei meinem früheren Hund Mina hatten die Leute immer die Vorstellung, dass sich der Hund vom Rütter morgens zum Warm-Up den brennenden Reifen in den Garten schiebt und dreifache Saltos einstudiert. Das ist Quatsch. Mina durfte Hund sein und führte ein entspanntes Leben nach klaren Regeln. Und genauso halte ich es jetzt mit Emma. Und natürlich kommt es auch bei mir mal vor, dass der Hund mir ein Schnippchen schlägt.

AJ: Was sind eigentlich die häufigsten Erziehungsfehler und warum passieren diese so oft?

Rütter: Es gibt drei Kardinalfehler in der Beziehung zwischen Hund und Mensch. Die extreme Vermenschlichung, denn diese schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt, wie erwähnt, mangelnde Konsequenz. Menschen stellen Regeln auf, gehen dann aber zu lax mit diesen um. Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund und verunsichert ihn nur. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

AJ: Wie können Berufstätige den Alltag mit Hund bewältigen?

Martin Rütter: Wenn jemand acht bis zehn Stunden außer Haus ist, ist es nicht möglich, einen Hund zu halten. Das wäre dem Tier gegenüber unfair. Eine Lösung für Berufstätige ist Dog-sharing, dass der Hund zum Beispiel vormittags bei der Großmutter ist. Für Hunde ist das völlig in Ordnung. Es sollte aber möglichst immer die gleiche Person sein, die das Tier hütet.

Interview/Text: Marion Buk-Kluger (Kleo)
Bild: PM