Barfuß auf´n Berg

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OHNE SCHUHE bequem durchs Leben

Ein großer, kerniger Kerl in Lederhosen kommt mit einem Lächeln unsere Auffahrt herauf. Der Blick wandert sofort zu seinen Füßen, die, wie für ihn üblich, aber nicht in festem Schuhwerk stecken. Rainer Graf läuft nämlich seit über zwei Jahren barfuß durch Augsburg und die Welt.

Und der Metaller, wie er sich selbst bezeichnet, hat nun Großes geplant: eine siebentägige Wandertour auf dem Meraner Höhenweg Nord. 91 Kilometer, 6000 Höhenmeter und das alles ohne Schuhe. Steinige Wanderwege, Geröllfelder, Bäche überqueren und allerlei andere Hindernisse gilt es zu bewältigen. Am 20. Juli soll es losgehen und der Schwabmünchner freut sich schon sehr auf die neue Herausforderung. Denn die ist schließlich für einen guten Zweck: Für das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach will Rainer Graf mit seiner Aktion Spenden sammeln und auf die engagierte Hospizarbeit dort aufmerksam machen. „In einem Hospiz geht es nicht nur um den Tod. Es geht vielmehr um Lebensfreude und darum, Familien mit kranken Kindern eine schöne und entspannte Auszeit von ihrem Alltag zu verschaffen – ein extrem wichtiger Ort.“

Über die Homepage www.barfussherz.de und die Sozialen Medien instagram, youtube und facebook kann man seine Wanderung verfolgen und auch selbst spenden. Mit seinem Engagement für das Kinderhospiz möchte der Schwabmünchner etwas an das „Universum“ zurückgeben, wie er sagt, denn ihm geht es sehr gut und er ist im Reinen mit sich und glücklich.

Doch das war nicht immer so. Der 51-Jährige wog bis vor einigen Jahren noch 170 Kilo, kämpfte mit Bluthochdruck, Zucker und Gicht, und fühlte sich alles andere als wohl in seinem Körper. „Man redet sich den Alltag schön, doch irgendwann merkst du plötzlich, dass du nichts mehr tun kannst. Das Gewicht sperrt dich ein.“

Rainer Graf wollte nicht mehr der lustige Dicke sein. Er ging zu seinem Hausarzt, ließ sich beraten und kaufte sich das Buch „Satt essen und Abnehmen“ von Margit Hausmann und Volker Schusdziarra, einem Münchner Professor und Ernährungsmediziner. „Ich habe es zweimal gelesen, alles wird so simpel erklärt, es gibt viele Tipps und Tricks wie du dein Essverhalten unkompliziert umstellen kannst. Das Wichtigste dabei ist: du musst dir Zeit für dich selbst nehmen.“ Er stellte seine Ernährung um, ging wandern und Rad fahren, holte sich einen Crosstrainer für Zuhause, achtete auf die Qualität der Lebensmittel und nahm so in sieben Monaten 60 Kilo ab.

Und wie entwickelte sich das barfußlaufen? „In meiner Kur fing ich damit an, die Schuhe auszuziehen, weil das bequemer war. Die Füße wollen dann mit der Zeit immer mehr Freiraum und Untergründe kennenlernen, welche die Fußknochen trainieren. Es ist faszinierend, wenn man merkt wie sich die Füße und die ganze Körperstruktur durch das Barfußlaufen verändern.“

Umgeknickt ist der 51-Jährige noch nie und auch größere Verletzungen hat er noch nicht davon getragen, von der ein oder anderen Blase einmal abgesehen. Für die Fußpflege hat er sich eine eigene Creme mit Hirschtalg und Bienenwachs gemixt, ab und zu ein bisschen Hornhaut mit dem Bimsstein entfernen und fertig ist der Fuß. „Wenn die Ernährung gut ist, dann ist auch die Haut gut. Die Haut ist eine geschlossene Oberfläche, wenn sie nicht übercremt wird, passiert also nichts.“

Auch im Winter trägt Rainer Graf vorwiegend keine Schuhe – „Hauptsache die Waden sind warm“ – aber wenn seine Frau es wünscht, dann zieht er sich auch für einen schicken Anlass mal ein paar hübsche Treter an. Wer Augsburgs Kopfsteinpflaster auch mal barfuß kennenlernen möchte, hat die Möglichkeit Rainer Graf bei einer seiner Barfußtouren am Dom zu begleiten.

Im Gespräch mit AJ-Redakteurin Iris Schmidt
Am 20. Juli geht es barfuß los auf den Meraner Höhenweg

Text/Bilder: Iris Schmidt/Bouloubassis