Obermeister sucht Bäckerei

Peter_Mück_Head

Handwerk Peter Mück muss nach 25 Jahren in Lechhausen „raus“

Konjunkturdelle, Persönlichkeitskrise, Misswirtschaft – es gibt vielfältige Gründe, wenn Betriebe für immer schließen. Im Falle der Bäckerei und Konditorei von Peter Mück in Augsburg-Lechhausen liegt es anders: Weil der Hausbesitzer Eigenbedarf angemeldet hat, muss der Obermeister der Bäckerinnung das Geschäft schließen, in dem er sich vor 25 Jahren niedergelassen hat.

Nachdem er in Neusäß ein paar Jahre ein Cafe betrieben hatte, ergab sich für Mück 1993 die Chance. Die damalige Bäckerei Lutz stand zur Übernahme an – Mück griff zu und mietete den Laden mit Backstube. In den 25 Jahren im Schatten der Lechhauser St.-Elisabeth-Kirche hat sich Mück einen treuen Kundenstamm geschaffen. Viele ältere Leute aus der Nachbarschaft kommen wegen des kurzen Weges, und weil sie auch die Zeitung, Marmelade und Milch bekommen. Es kämen aber auch, so Mück, Menschen aus Königsbrunn, Göggingen oder Hochzoll zu ihm. Kunden, die von seinen Backwaren und von seiner Arbeitsweise überzeugt sind. Mück geht es nach eigenem Bekunden um kurze Wege: „Eine Semmel“, sagt er, „braucht kein Benzin zu riechen“. Und er meint damit, dass die Backwaren am besten nicht erst kilometerweit mit dem Auto in Verkaufsfilialen gefahren werden sollten. Die ersten Brezen, die er im Moment aus dem Backofen zieht, sind bereits verkauft, sind in wenigen Sekunden in der Einkaufstüte der Kundschaft.

Auch bei den Zutaten mag Mück es klassisch. Von modernen Backtreibmitteln und ähnlichem hält er nicht viel. Und wenn er auch kein Anhänger von „Bio“ ist, so ist es für ihn doch wichtig, das Mehl, das Malz, die Hefe, die Eier… und deren Herkunft zu kennen. Unbedingt müsse die Qualität stimmen. Mück ist guter Dinge, dass es für ihn und seine zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz der Kündigung der Räume weitergehen wird – am liebsten in Lechhausen. Seitdem dort vor Jahren ein Kollege geschlossen hat, sei er, so Mück, der letzte noch selbst produzierende Bäcker im Stadtteil.

Eine Kündigung, zum September 2020, aus Eigenbedarf – dagegen könne man doch möglicherweise juristisch vorgehen? Kurz habe er erwogen, noch ein paar Jahre Aufschub auszuhandeln, dann, mit 58, 59 Jahren hätte es in Rente gehen können, so der 54-Jährige. Aber das sei nicht sein Weg. Es sei zu akzeptieren, dass sich der Eigentümer des Ladens für den Ruhestand eine altersgerechte, ebenerdige Wohnung in seinem Gebäude einrichten möchte. Darüber zu streiten sei nicht gut. Der Obermeister der Bäckerinnung hat derzeit eine andere Idee. Es gebe da noch alte Pläne, in denen die Standorte der Bäckereien früherer Jahre eingetragen sind. Immerhin möglich, so Mück, dass sich da etwas für seinen künftigen Betrieb finden lässt. Und möglicherweise wisse man ja auch im städtischen Wirtschaftsreferat eine Lösung. Spricht´s und zieht das nächste Blech voller heißer Brezen aus dem Ofen …

Raus aus dem Ofen und gleich rein in die Einkaufstasche seiner Kunden – so hat es Bäcker Peter Mück am liebsten. Kommendes Jahr muss der Obermeister aus seiner Backstube in Lechhausen ausziehen.

Text: Michael Siegel