Flamingo und Flamenco

Matze Semmler musiziert gerne ungewöhnlich und erzählt dem A-YOU! von Klatschen, Klassik und dem Kampf gegen Lampenfieber

Neun Gitarren und eine Ukulele befinden sich im kleinen WG-Zimmer des Musikstudenten Matze Semmler und jede kommt zum Einsatz, denn der 25-Jährige übt täglich mehrere Stunden. Der gebürtige Augsburger studiert Elementare Musikpädagogik und klassische Gitarre am Leopold-Mozart-Zentrum in der Maxstraße. Gerade spielte das „Dein Ernst“- Bandmitglied einige Konzerte in Polen, bevor es dann Ende November für mehrere Wochen auf Musical-Tournee geht. „Wir haben insgesamt 32 Vorstellungen mit Stille Nacht in ganz Deutschland und Österreich, das wird zwar anstrengend, aber ich freue mich schon riesig“, erzählt Matze freudestrahlend.

Neben der Uni und seinen Vertretungsstunden am Downtown-Musikinstitut hat der junge Musiker gerade auch noch eine Platte mit dem Augsburger Singer/Songwriter Benni Benson aufgenommen. „Meine eigenen Songs gehen in Richtung Percussion und Fingerstyle, gepaart mit traditionellen spanischen Rhythmen – ich möchte mich selbst ausprobieren, weiterentwickeln und das Ganze mit einem Augenzwinkern, denn man sollte sich nie zu ernst nehmen.“ So kam ihm auch die Idee zu seinem Lied Flaminco. „Eine Schülerin von mir verwechselte die Bezeichnung Flamenco mit Flamingo und fragte sich, was der rosa Vogel denn mit Musik zu tun hat. Das fand ich so lustig, dass ich es unbedingt in ein Musikvideo packen wollte.“ Flaminco und andere Videos des unkonventionellen Gitarristen sind auf YouTube und seiner Internetseite zu finden (www.matzesemmler.de).

Sein BWL-Studium tauschte er nach wenigen Semestern gegen ein Musikstudium ein und erfüllte sich damit einen Traum. „Musikpädagogik ist mehr als nur mit Kindern im Takt klatschen. Man kann so viel elementar Wichtiges für sich selbst und seine Musik rausziehen.“ Falls er mal aneckt, macht er sich nichts draus. „Jeder ist anders und in dem was er tut besonders.“ Sein Motto lautet: Einfach machen! Und damit fährt Matze schon immer gut, egal ob solo oder mit seiner Band „Dein Ernst.“

Apropos: Einsamer Wolf oder Rudelauftritt, was gefällt dem Musiker besser? „Mir taugt beides. Mit der Band macht es immer Spaß, auch wenn man oft Kompromisse eingeht. Außerdem muss man immer soviel Zeug mitschleppen. Als klassischer Gitarrist brauchst du bloß deine Gitarre.“ Allerdings kann man sich als Solist auch nicht hinter einer mehrköpfigen Band verstecken. „Mit der neuen und ungewohnten Nervosität musste ich erstmal wieder klarkommen. Aber mein Dozent Dimitri Lavrentiev vom LMZ hilft mir dabei und gibt mir Tipps, wie ich mich beim Spielen entspannen und entkrampfen kann, um meine Gefühle in die Musik fließen zu lassen. Da ist das Üben manchmal sogar mehr Yoga als Musik“, erzählt Matze lachend. Gerade schreibt er an eigenen Fingerstyle-Percussion-Stücken, stellt seine Songs online, probt schon fleißig für die Musical-Tournee und arbeitet hart an seinem Musikstudium. „Es geht immer noch mehr!“ ist Matzes Einstellung. Mit „Dein Ernst“ würde er gerne mal wieder bei den Augsburger Sommernächten oder auch auf dem Modular auftreten. Na dann, einfach machen Matze!

Text: Iris Schmidt
Foto: Matze Semmler