Embrace the Wildness

Die Bluespunker von Deadline 54 lassen sich in keine Schublade stecken und erzählen dem A-YOU! von demokratischen Bandtreffen und Redegegenständen

Über verschlungene Wege und einen schweren Lastenaufzug gelangen wir in einen kleinen, aber feinen, mit roten Vorhängen abgehängten Proberaum. Hier treffen sich Nick Schweiger, Valentin Eberspächer, Alexander Reiter und Sophie von Rußdorf, besser bekannt als die Band Deadline 54, mindestens einmal pro Woche zum Musizieren oder arbeiten dort an neuen Songs. Gerade sind die jungen Studenten – alle 22 – auf dem Sprung zu einem Konzert nach München, dem SPH Bandcontest, bei dem es die selbsternannte Bluespunk-Combo bis ins Halbfinale geschafft hat.

Kennengelernt haben sich die vier vor drei Jahren in einem ganz anderen Probenraum, einem „grusligen Keller in Lechhausen.“ Nick spielt Gitarre, Vale übernimmt das Schlagzeug und Ali ist Multiinstrumentalist mit Bass, Gitarre und Tuba. Als musikalischer Neuling stieß Sophie zur Band. „Ich dachte immer, ich sei super unmusikalisch, daher wollte ich Gitarre lernen. Aber als Vale mich hörte, meinte er, dass ich besser singe als Gitarre spiele.“ Und so war die Band komplett. Nach mittlerweile knapp 40 Konzerten, Nebenjobs, und Studium freut sich die Band nun riesig, dass letzten Monat ihr erstes EP-Album – die Songs sind auch auf Spotify – „Embrace the Wildness“ erschienen ist und die Release-Party ein voller Erfolg war. Sogar einen Plattenvertrag haben die jungen Musiker bereits in der Tasche, bei dem kleinen Label Adamant Music von Yannic Roithmaier. Woher stammt denn eigentlich der Bandname Deadline 54? „Zu Beginn unserer Bandzeit wohnten wir noch nicht alle in der Stadt und mussten nach den Proben immer den letzten Zug nach Hause nehmen, und der ging um 23.54 Uhr“, erklärt Frontfrau Sophie.

In eine Schublade wollen sich die Bluespunker nicht stecken lassen. „Wir lieben die Rockbandkultur der 60er, 70er und 80er Jahre und lassen uns auch gerne von großen Musikfestivals, wie z.B. Rock im Park, immer wieder neu inspirieren“, erzählt Schlagzeuger Vale begeistert. „Wir haben uns musikalisch nie festgelegt und machen einfach, worauf wir Bock haben.“ Eine nostalgische Blues-Rock-Band mit Punk-Attitüde also. Wer in die Lieder der Deadliner aufmerksam reinhört, der erkennt auch die verschiedenen musikalischen Einflüsse, welche die Band auf einzigartige Weise miteinander verbindet. „Zurzeit arbeiten wir gerne minimalistisch und möchten so viel wie möglich aus unseren vier Instrumenten – Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimme – rausholen.“ Die Band plant langfristig und hofft auf noch größere und bessere Auftritte. „Unser Konzert beim Südufer-Festival hat super viel Spaß gemacht oder auch als wir in der Kongresshalle vor 1500 Schülern spielen durften.“

Vier Leute in einer Band, bedeutet das nicht auch oft Stress? „Wir versuchen immer demokratisch zu sein, haben keinen Bandleader und sind alle gleichberechtigt. Das führt zwar manchmal auch zu längeren Diskussionen und ist nicht immer ganz einfach, aber wir wollen diesen Weg gerne gehen. Außerdem haben wir eine Art `Redegegenstand`, nur wenn man den in der Hand hält darf man auch sprechen“, erzählt die Band lachend. Ob Klebeband, Kuscheltier oder Paprika – da war schon alles mit dabei.

Text: Iris Schmidt
Fotos: Stefan Mayr – Lighthouse Fotografie