Krimi-Disko und Dracula-Bar

Michel-Decar

Autor Michel Decar liebt das Theater wie einen „indianischen Fluch“ und macht für das Brechtfestival einen Abstecher in seine alte Heimatstadt am Lech

Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur; diverse Kunstpreise, u.a. den Kleist-Förderpreis und den Förderpreis für neue Dramatik; Stücke, die an renommierten Theatern gespielt werden, zuletzt Philipp Lahm (ja ganz richtig, das Ein-Mann-Stück bezieht sich wirklich auf den berühmten Ex-Fußballspieler) am Residenztheater in München und 2018 erschien sein erfolgreicher Debütroman Tausend deutsche Diskotheken – Michel Decar ist erst 31 Jahre alt und hat schon ziemlich viel erreicht.
Der Hörspielregisseur aus Augsburg lebt bereits seit langem in Berlin-Neukölln und kehrt nun für das diesjährige Brechtfestival wieder in seine alte Heimatstadt zurück. Am Sonntag, 24. Februar, findet nämlich ein Live-Hörspiel seines Erstlingswerks im Provinoclub statt. „Das wird bestimmt ein Hit“, freut sich der Künstler und ist schon gespannt, wie das Augsburger Publikum auf seine szenische Lesung reagieren wird.

Zum Inhalt: Wir schreiben das Jahr 1988. Gerade noch trinkt Privatdetektiv Frankie gemütlich Bacardi-Cola in seiner Stammkneipe und hört 80er Mucke, schon gerät er in einen absurden Erpressungsfall, der ihn durch ganz Westdeutschland und bis an die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit führt. Grund genug für uns, sich mit dem jungen Kunstmenschen auf ein offenes und ehrliches Gespräch zu treffen.

A-YOU!: Lieber Michel, was fasziniert dich am Theater?
Michel: Theater bedeutet für mich in erster Linie eine furchtbar nervige Angelegenheit, die man nicht wieder los wird. In etwa wie ein indianischer Fluch.

A-YOU!: Und wie sieht es aus, wenn man einen Roman schreibt?
Michel: Einen Roman zu schreiben, ist tatsächlich noch anstrengender als ein Theaterstück zu verfassen. Das liegt vor allem an der vielfachen Textmenge. Es setzt aber auch eine Energie in einem frei. Man ist im Prinzip durchgehend wütend. Vor allem auf den eigenen Text, aber natürlich auch auf den Kosmos. Man wandelt am Rande des Ausnahmezustands.

A-YOU!: Klingt ziemlich nervenzerreißend – aber trotzdem arbeitest du schon an deinem nächsten Buchprojekt.
Michel: Gerade schreibe ich an einem Roman, in dem eine polnische Diebesbande die Pferde auf dem Brandenburger Tor klauen will. Wenn alles gut läuft, kann man sich das 2020 im Buchhandel besorgen.

A-YOU!: Von Augsburg nach Berlin – wie gefällt dir das Leben in der Hauptstadt?
Michel: Berlin ist natürlich eine feine Sache, darüber brauchen wir ja nicht zu diskutieren. Und klar, ich komme auch ein paar Mal im Jahr wieder zu Besuch nach Augsburg. Dann gehe ich am liebsten in die Dracula-Bar in der Jakoberstraße.

A-YOU!: Und was gibt es (außer dir)Tolles beim Brechtfestival zu sehen?
Michel: „Unendlicher Spaß“ von Thorsten Lensing würde ich empfehlen. Aber Boss Patrick Wengenroth hat eh ein gutes Händchen für Gastspiele, da laufen sicher noch einige tolle Sachen.

Text: Iris Schmidt