Schwarzweiß oder in Farbe?

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Tibor Schrag erklärt dem A-YOU! was ihn an Porträts fasziniert und wie er die Fotografie für sich entdeckte

Ein kleiner, abgedunkelter Raum mitten in der Augsburger Altstadt. An den Wänden hängen unzählige schwarz-weiß Porträts und Fotografien. Im Hintergrund laufen die Spice Girls mit Wannabe. Ich nippe entspannt an einem leckeren Gin Tonic und tanze. Es ist zwar Samstagabend, ich befinde mich aber nicht etwa im Club auf einer angesagten 90er-Party, sondern in der Wohnung von Tibor Schrag.

Der 22-jährige Fotograf hat mich nämlich zum Porträt-Shooting eingeladen, um mir zu zeigen, wie er arbeitet. „Ich mache nur Bilder, wenn mein Fotopartner und ich uns fallen lassen können. Manchmal sind die Leute nervös wegen der Kamera, die auf sie gerichtet ist, deswegen lasse ich zur Entspannung gerne Musik im Hintergrund laufen oder rede viel während des Shootings. Ich versuche dann im Gespräch bei den richtigen Momenten auf den Auslöser zu drücken. Persönliche und spontane Emotionen einzufangen ist mir viel wichtiger als Posieren unter Druck.“

Und das funktioniert auch gut, in meinem Fall eben mit der Musik meiner Kindheit – Spice Girls und Backstreet Boys – und ein bisschen Wacholderschnaps. Tibor ist zwar noch ein Frischling als Selbstständiger, aber schon sehr erfahren in der Augsburger Kulturszene. So arbeitete der junge Augsburger nach seinem Abitur einige Jahre als Regieassistent und Projektleiter beim Theaterensemble Bluespots Productions, kümmerte sich um die Öffentlichkeitsarbeit bei Stadtraum e.V. und organisierte verschiedene Projekte für das Augsburger Friedensbüro. Nachdem er nun sein eigenes Gewerbe angemeldet hat, versucht er sich als Fotograf einen Namen zu machen. „Ich habe damit angefangen, Freunde und befreundete Bands zu fotografieren und vor allem über die sozialen Medien Werbung zu machen. So langsam werde ich auch über meine jetzigen Bilder von Leuten angeschrieben und für Projekte angefragt. Im Mai werde ich zum Beispiel eine Hochzeit fotografieren, worauf ich mich jetzt schon sehr freue. In München wurde ich bereits für ein Event auf der Baumesse engagiert und auch für das Brechtfestival wurde ich als Fotograf gebucht.“

Zusammen mit einem Freund kaufte sich Tibor vor einigen Jahren eine Kamera, doch ziemlich schnell stellte sich heraus, dass nur einer damit fotografierte. Nach und nach kamen kleine Aufträge herein, die Kameras wurden besser und teurer und so nahm alles seinen Lauf. „Außerdem mag ich keine Fotos von mir – und niemand fotografiert den Fotografen“, erklärt Tibor seine Beweggründe mit einem Augenzwinkern.

Reine Landschafts- und Passbilder findet der aufstrebende Nachwuchsfotograf langweilig und fotografiert lieber Events, die mit Menschen und Emotionen verbunden sind. Auch wenn er eine Schwäche für Schwarzweiß-Fotografien hat, freut sich der junge Künstler auch auf Porträts in Farbe, am liebsten in den Bergen, da findet er es besonders schön. Und einen ungewöhnlichen Traum hat er auch: „Ich würde sehr gerne ein Shooting in Prypjat machen. Die Geisterstadt neben Tschernobyl ist seit Jahrzehnten komplett leer. Wie hier alles verlassen und mittlerweile zugewachsen ist, finde ich sehr spannend, gerade im Hinblick auf die Geschichte.“

Wer sich für die Werke des 22-Jährigen interessiert oder ihn buchen möchte, kann sich seine Bilder auf instagram (www.instagram.com/tibor_schrag_fotografie/) anschauen.

Unsere Redakteurin Iris Schmidt zusammen mit Fotograf Tibor Schrag.

Text: Iris Schmidt
Fotos: Tibor Schrag