Buch-Haltung mal anders

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Marius Müller wartet auf den nächsten großen Augsburg Roman und erzählt von Büchern, Blogs und seiner engen Beziehung zur Fuggerstadt

Lauren Groff, Anthony Doerr, David Mitchell, Stefan Zweig, Richard Flanagan, Ben Aaronovitch – alles Autoren, von denen Marius Müller einfach nicht genug bekommen kann. Das geschriebene Wort ist nämlich die große Leidenschaft des 28-jährigen Diplombibliothekars aus Kriegshaber. Und so beschäftigt er sich nicht nur in seiner Arbeit mit Büchern: „Mit dem Bloggen habe ich während meines Studiums begonnen. Da ich schon immer relativ viel gelesen habe, war da einfach mal die Idee da und ich habe meine ersten Laufversuche in Sachen Blog unternommen. Am 23. April 2013 ging der Blog, passend zum Welttag des Buchs, online. Damals sah der Blog noch etwas anders aus, aber einige Komplettrenovierungen und sechs Jahre später gibt es ihn immer noch.“

Neben seinem Blog startete Marius zeitgleich einen Twitter-Account und Instagram (le_buchhalter), was ihm vor allem für schnelle Buchtipps sehr entgegen kommt. Aber wie genau landet ein Buch denn auf seinem Blog buch-haltung.com? „Bis ein Buch auf meinem Blog seine Besprechung bekommt, ist es ein langer Weg. Zunächst bin ich zweimal im Jahr auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt unterwegs, führe dort mit den Verlagen Gespräche, wälze Vorschauen, durchstöbere Buchhandlungen und andere Blogs. Nachdem ich meine Auswahl getroffen habe, dauert es dann nach Erhalt des Buchs auch einige Zeit, bis das Buch gelesen ist. Danach mache ich mir dann Gedanken über eine Besprechung, suche Ansatzpunkte für Lob und Kritik. Das Verfassen einer Rezension dauert dann bei mir etwa drei bis vier Stunden, bis alles passt bezüglich Inhalt, Layout, Titelbilder, etc. In der Woche gehen für dieses Hobby circa 25 bis 30 Stunden drauf, mit Lesen, Bloggen, Social Media und Kontaktarbeit.“

Ein einziges Lieblingsbuch hat Marius nicht, das zu beantworten ist für ihn genauso schwer wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Und wer sagt denn schon, dass man sich entscheiden muss? Aktuell freut sich der Bibliothekar auf das Projekt #buchpreisbloggen: „Im Oktober wird in Frankfurt wieder der Deutsche Buchpreis verliehen. Einen der 20 nominierten Titel darf ich begleiten und besprechen. Es handelt sich um „Der große Garten“ von Lola Randl. Die Berliner Filmemacherin erzählt darin von ihrem Versuch, in der Uckermark einen Garten zu bewirtschaften. Dem Buch drücke ich als stolzer Pate natürlich die Daumen und hoffe, dass es im Wettbewerb möglichst weit kommt.“ Negative Seiten des Blogger-Lebens gibt es für Marius nicht. Mit Verlagen pflegt er nette Kontakte, auf den Buchmessen macht es ihm immer Spaß von Veranstaltung zu Veranstaltung zu tingeln, und auch zu besonderen Events, wie z.B. dem Bayerischen Buchpreis, wurde er schon eingeladen.

Wenn er nicht gerade online ist, liest der Büchermensch natürlich gerne. „Im Augsburger Restaurant Färberei veranstalte ich regelmäßig die Reihe „Wein, Käse, Literatur“. Sonntags trifft man mich des Öfteren auf Orgelbänken an, außerdem arbeite ich auch bei Festivals wie dem Modular mit und mache noch vieles mehr.“ Seine Beziehung zu Augsburg ist eng, denn nach dem Studium ist er liebend gerne in der Fuggerstadt hängengeblieben und wollte nicht wieder weg. Er liebt das Staatstheater, die Wertachauen, den Hofgarten, die Moritzkirche, den Wittelsbacher Park und noch vieles mehr – ein Vollblut-Augsburger sozusagen. Nur über die Repräsentation Augsburgs in der Literatur müsste man laut Marius noch mal nachdenken. „Seit Bertolt Brecht ist leider nix Vernünftiges mehr nachgekommen, sorry an Peter Dempf und Franz Dobler. Aber der neue große Augsburger Roman, der muss erst noch geschrieben werden.“ Vielleicht ja von dem Buchblogger selbst? Man wird sehen.

Nicht nur online mit Büchern beschäftigt – Marius Müller liest auch gerne vor Publikum bei literarischen Salons.

Text: Iris Schmidt
Bilder: Marius Müller