Konjunktur nicht zerreden

WIRTSCHAFTS-TREFFEN zum Jahresanfang

Schwaben und Bayern stehen wirtschaftlich gut da. Und den Raum Augsburg könne man durchaus als Gewinnerregion bezeichnen, meint der gerade wiedergewählte IHK-Präsident Andreas Kopton (siehe auch nächste Seite) beim Neujahrsempfang der Kammer. Ähnlich war die Einschätzung beim Treffen der schwäbischen Arbeitgeber. „Es herrscht praktisch Vollbeschäftigung“, sagte dort Philipp Erwein Prinz von der Leyen als Vorstandschef der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Dennoch seien die Risiken hoch, „zumal die Wachstumsprognosen bereits nach unten korrigiert wurden.“

Kopton warnte dennoch davor, die gute Konjunktur zu zerreden. Auch wenn man nicht mehr auf der Beschleunigungsspur sei, komme man auf der Normalspur noch gut voran. Allerdings gebe es Bremser, etwa den Brexit-Lkw, den Erdogan-Geisterfahrer oder auch den quergestellten Trump-Cadillac.

Ums Auto ging es auch von der Leyen. Er forderte speziell die „Stellung als globale Leitregion des Automobils“ zu erhalten, wovon 30 Prozent der Wertschöpfung abhängen würden. Hier erfolge ein historischer Umbruch, so der vbw-Chef, der Stichworte wie autonomes Fahren, Elektromobilität oder Carsharing nannte und von einer „unsäglichen Dieseldebatte“ sprach. „Die Grenzwerte sind mehr als fragwürdig, wenn sie auf der Straße bei 40, im Büro bei 60 und in der Fabrikhalle bei 950 Mikrogramm pro Kubik liegen,“ war man sich bei beiden Wirtschaftstreffen einig. Genauso wie bei der Forderung, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Beim vbw mit rund 600 Gästen im Rathaus zeigte der Business- und Kommunikationscoach Marc Gassert auf unterhaltsame Weise, worauf es ankommt, will man diszipliniert leben und handeln. So sagte er: „Nicht das Anfangen wird belohnt, sondern das Durchhalten.“ 

Bei der IHK im Kongress am Park sprach derweil Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder vor rund 1200 Gästen. Er wolle in Bayern nicht nur München, sondern vor allem die Regionen stärken. Und er setze auf eine verlässliche Politik – auch um einer Unsicherheit unter den Menschen entgegenzuwirken, die man trotz guter Wirtschaftsdaten feststellen müsse. Unter anderem sprach sich Söder dafür aus, die Steuern maßvoll zu senken. Bei Einnahme-Überschüssen müsse man den Menschen auch wieder etwas zurückgeben.

Anstatt alle immer noch mehr zu reglementieren und einzuengen (Stichwort Grenzwerte) müsse die Devise  „Angebot statt Verbote“ lauten, so Söder, der sich zum einen für einen starken Staat aussprach, wenn es um Sicherheitsfragen geht, andererseits aber für mehr Liberalität, um Chancen besser nutzen zu können.     

Text: Bublies