Große Kunst mit Kettensäge

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Mit der Aufnahme in die ROYAL BRITISH SOCIETY OF SKULPTORS erreicht die Karriere des wahl-schwäbischen Holzbildhauers Terence Carr einen neuen Höhepunkt

Das Günzburger Gewerbegebiet beherbergt die unterschiedlichsten Branchen. Hier das Atelier eines Künstlers zu vermuten, passt jedoch überhaupt nicht in die weitläufige Kommerzlandschaft. Doch für Terence Carr ist dieser Standort ein Glücksfall. Wo früher eine Brauerei war, zeichnet, malt und sägt der Holzbildhauer ungestört in einer über 200 Quadratmeter großen Halle. Das in bunten Farben gefasste Formen- und Figurenrepertoire macht die Betonhalle zu einem Kunstpark im Stile eines barocken „Großen Welttheaters“.  Wie Carr-Freund Tillmann Damrau  treffend schreibt, hätte hier der spanische Stückeschreiber Pedro Calderon de la Barca Pategestanden sein können.

Und mitten drin der schlaksige, fast jugendlich anmutende Künstler im Malerkittel. Seine freundlich-charmante Art ist das krasse Gegenteil vom Auftreten eines „Malerfürsten“ – seine nachhaltigen Erfolge auf dem internationalen Kunstmarkt sind für ihn kein Thema.

Ein wenig Stolz lässt sich ihm wenigstens einmal entlocken, als ihm der AUGSBURG JOURNAL- Reporter zu einer jüngst verliehenen Auszeichnung gratuliert, die ihn aus England erreicht hat. Terence Carr bestand nämlich glänzend die Aufnahmekriterien als Mitglied der unter dem Patronat von Königin Elisabeth stehenden ROYAL BRITISH SOCIETY OF SCULPTORS.

Henry Moore musste sich dreimal bewerben“ bemerkt dazu strahlend der Künstler, dessen geliebte Wahlheimat seit Jahrzehnten Schwaben  ist. Hinfort darf er seine Visitenkarte mit den Society-Initialen MRMS bereichern, sowas wie ein Adelstitel für Bildhauer.

Wenn Terence Carr’s Karriere in einem Buch „Vom Krieger zum Künstler“ beschrieben wird, hat das nichts mit seinem virtuosen Umgang mit der Kreissäge zu tun. Geboren in Nairobi (Kenia) als Sohn englischer Eltern, Vater erfolgreicher Im- und Export-Kaufmann,  absolvierte Terence von 1971 bis 1975 die militärische Elite-Akademie im Sandhurst, diente bis 1978 als Offizier in der englischen Armee, um sich dann auf verschlungenen Wegen für ein Studium der Kunsterziehung an der Universität Augsburg einzuschreiben. Begrüßt von der legendären Professorin Hilde Sandner mit den Worten: „Was wollen sie hier, Sie sind doch ein Künstler“. Und es dauerte drei Jahre, wo er immer mal nebenbei als Model auf Modeschauen jobbte, bis er sich als freischaffender Maler und Bildhauer selbständig machte.

Die Liste seiner Auszeichnungen beginnt 1993 mit der Verleihung des Schwäbischen Kunstpreises und ist um einiges länger, als hier aus Platzgründen Erwähnung finden kann.

Noch wichtiger für einen Künstler ist natürlich die Kunst, Käufer zu finden. Terence Carr zählt Galerien von München bis Miami zu seinen Partnern, über Ankäufe von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung bis zu den Sammlungen Würth und Ignaz Walter in Augsburg kann er sich freuen. Und auch an seinem Arbeits-Standort in Mittelschwaben gibt es Mäzene, mit denen er meist privat befreundet ist. Wie zum Beispiel mit dem renommierten Augsburger Facharzt und Kunst-Autor Dr. Hans-Joachim Schietsch, der das Schaffen von Terence Carr in interessanten  Buchveröffentlichungen gewürdigt hat.

Auf die Frage, warum man einen „Terence Carr“ besitzen wolle, gibt Schietsch die treffende Antwort: „Weil er ein originärer Künstler ist, der aus riesigen Bäumen Lebenstürme schafft, magische Kultbilder der Schamanen, wie sie in den Hochkulturen Afrikas, im indianischen Amerika, der Südsee oder Ozeanien anzutreffen sind“.

Fotos: Perry O`Brian
Text: Walter Kurt – Schilffahrt