Alter Falter

TROPISCHE SCHMETTERLINGE faszinieren im Botanischen Garten

Mit einem großen Netzkescher fängt Bernhard Winzenhörlein einen frei fliegenden Schmetterling in dem neun Meter hohen Glashaus ein. „Es büxt immer mal wieder einer aus, aber die sind schnell wieder eingefangen“, erklärt der Fachbereichsleiter im Botanischen Garten und befördert den kleinen Flattermann wieder behutsam in den abgezäunten Bereich.

Bis 31. März gibt es im Großen Glashaus täglich von 9 bis 17 Uhr wieder eine Vielzahl an tropischen Schmetterlingen zu bewundern. Bereits seit 2004 wird die besondere Ausstellung jährlich im Frühjahr gezeigt und ist ein wahrer Publikumsmagnet. Denn die Insekten sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern setzen sich bei den großen und kleinen Besuchern auch gerne einmal auf die Nase. Dann heißt es für die vielen Fotografen, die versuchen einen der tropischen Flattermänner vor die Linse zu bekommen, schnell sein und ein schönes Bild machen.

Geliefert werden die zahlreichen Puppen von zwei unterschiedlichen Schmetterlingsfirmen. Aus Costa Rica stammen die mittel- und südamerikanischen Schmetterlinge, und aus Malaysia werden Falter aus dem südostasiatischen Raum geliefert.

Manche entpuppen sich bereits nach wenigen Tagen, manche brauchen bis zu einer Woche oder länger, um sich aus dem Kokon zu pellen und die Flügel zu spreizen. Jede Woche kommt eine weitere Lieferung hinzu, sodass am Ende bis zu 400 Schmetterlinge aus rund 40 Arten im tropischen Glashaus umherflattern. „Wir haben hauptsächlich Tagfalter und nur wenige Nachtfalter, wie den Atlasspinner, der durch seine Größe einfach toll aussieht. Mein persönlicher Lieblingsschmetterling ist der Dryas iulia, weil seine Flügel dieselbe Farbe (orange) wie meine Haare haben“, erzählt Bernhard Winzenhörlein lachend. Bei den Besuchern sehr beliebt sind außerdem der Glasflügler wegen seiner durchsichtigen Flügel und der blaue Himmelsfalter (Foto oben).

Für das leibliche Wohl der Schmetterlinge ist ebenfalls gesorgt. Neben speziellen Nektarpflanzen gibt es für die obstsaftliebenden Falter diverse Orangen-, Apfel-, oder Bananenstückchen. Außerdem ernähren sich die bunten Insekten von Salzen und Mineralien, was den Besuchern allerdings verborgen bleibt. „Wir machen in der Früh eine gewisse Luftfeuchtigkeit, um das tropische Klima zu erzeugen, dadurch werden die Bodenplatten nass, dabei lösen sich Salze, welche die Schmetterlinge dann mit ihren Rüsseln aufnehmen und die Mineralien herausziehen.“

Doch was passiert Ende März mit den geflügelten Bewohnern, wenn das Große Glashaus wieder für die Seerosenausstellung umgebaut wird? „Wir geben die Schmetterlinge dann ganz schnell nach Stuttgart in die Wilhelma weiter, die haben dort nämlich ein ganzjähriges Schmetterlingshaus.“

Die Falter werden hierbei mit einem Netz eingesammelt und einzeln in Briefkuverts verpackt. Dabei muss der Falter vorsichtig an den Flügeln zusammengedrückt werden, wodurch er in eine Starre fällt. Eine diffizile Aufgabe, die Winzenhörlein und seine Mitarbeiter von den Kollegen in München gelernt haben. „Wir haben sehr viel Respekt vor den Tieren. Uns geht es in erster Linie um die Umweltbildung. Unseren Besuchern wollen wir zeigen, wie schön Schmetterlinge sind und wie so eine Schmetterlingssaison abläuft, von der Raupe bis zum fertigen Schmetterling.“

Text: Iris Schmidt