Vom anderen Ende der Welt

KänguruAugsburg

Tiere Forstwirte entdecken ein Känguru im Wald bei Augsburg

Tausende Arten, Säuger, Vögel, Fische, Insekten, Pflanzen drohen bei uns auszusterben. Und jetzt das: In den Wäldern südlich von Augsburg entdecken Forstwirte bei der Arbeit ein Känguru. Das Tier, ein sogenanntes Wallaby, stammt ursprünglich – wie alle seine Verwandten – vom australischen Kontinent. Bereits kurz nach der Entdeckung ist klar: Das exotische Beuteltier ist von einem Hof im südlichen Landkreis Augsburg entsprungen.

Forstwirte waren Berichten zur Folge mit dem Auto im Wald unterwegs, um einen Baumbestand auf Borkenkäfer zu kontrollieren. Da plötzlich saß es am Wegesrand. Einer der Männer griff zum Handy und schoss ein „Beweisfoto“. Philipp Bahnmüller, Sprecher der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg, kann sich nicht an eine vergleichbare Entdeckung in Bayern erinnern. Gut möglich, dass das Augsburger das einzige frei lebende Känguru im weiten Umkreis ist.

Eigentlich stammt es vom Kaindlhof in Erkhausen, wo neben Lamas und Eseln neuerdings auch ein Wallaby lebte. „Knicksy“, so sein Name, sei offensichtlich durch ein Loch im Zaun geschlüpft, den ein Sturm gerissen hatte. Zwar sei der Verlust gemeldet worden, das Känguru auch schon von Jägern gesichtet worden, es sei aber nach wie vor auf freiem Fuß.

Als Haustiere sind Wallabys gar nicht so selten. Alexandra Hammer und ihre Familie halten im Ries bei Nördlingen derzeit fünf Wallabys in einem privaten Gehege. Nachdem ihr Sohn Gefallen an den Tieren gefunden hatte, hatten sie sich mit einem Züchter nicht weit weg in Verbindung gesetzt und erst eins, dann zwei Tiere besorgt. Es kam ein weiteres Weibchen dazu – und derzeit haben beide Wallaby-Mütter sogar je ein Kind im Beutel. Ihre Wallabys lebten friedlich und ohne Probleme bei ihnen, so Hammer. Hauptaufgabe sei es, täglich das Gehege zu reinigen, damit die Tiere sich nicht beschmutzen oder erkranken. Ein gewisses Wissen sei erforderlich beim Füttern der Tiere, die beispielsweise kein altes Brot oder ähnliches bekommen sollen. Geräusche (wie Bellen oder Miauen) seien so gut wie nicht zu vernehmen, wenn sie springen, sei dies so gut wie lautlos. Apropos springen: Eine Höhe von 1,80 Metern könnten Wall abys überspringen, entsprechend müsse eine Einfriedung gestaltet werden.

Wenn auch den Hammers noch keine Berichte von entlaufenen Wallabys zu Ohren gekommen sind, so halten sie es doch für nicht ausgeschlossen, dass sich die Tiere selbstständig machen, wenn es ihnen ermöglicht werde. Vor dem deutschen Wetter bräuchten sich die Wallabys nicht zu fürchten. Kälte, Eis und Schnee machten ihnen nichts aus, das kennen sie auch aus ihrer tasmanischen Heimat. Alexandra Hammer sagt, dass den Tieren Kälte gar besser zu gefallen scheint als Hitze. Wenn die Sonne herunterbrennt, dann würden sie sich gerne in den Schatten ihrer Hütte zurückziehen.

Ein frei lebendes Wallaby anzulocken, das hält die Rieserin für schwierig. Kängurus seien Fluchttiere und würden sich gleich davon machen, wenn sich ein Mensch ihnen nähert. Selbst wenn man sie mit ihren Lieblingsleckerli, Erdnüssen oder Knäcke locke, verlören sie nur gegenüber nächsten bekannten Menschen ein bisschen die natürliche Scheu.

Vom anderen Ende der Welt stammen Wallaby-Kängurus, die aber auch in Deutschland in Freiheit überleben können.

Text: Michael Siegel
Bild: Wikipedia