Das kommt mir nicht in die Tüte!

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Plastikfreies Einkaufen Wie Supermärkte den Trend unterstützen

Nur ein PR-Gag oder doch eine Maßnahme mit Wirkung? Discounter Aldi hat unter der Woche erklärt, für seine dünnen Plastiktüten pro Stück einen Cent zu verlangen. Damit werde ein weiterer Schritt im Kampf gegen den Plastikmüll getan, wobei die Deutsche Umwelthilfe in diesem Fall von einer Symbolpolitik spricht. In den Augen der Umweltschützer reiche nämlich ein Cent nicht aus, die Verbraucher zum Umdenken zu bewegen. Sie sprechen gar von Effekthascherei und fordern 22 Cent pro Tüte. So wie in Irland: Dort kostet die Tüte so viel, prompt sank der Verbrauch von 328 auf 14 Stück pro Kopf und Jahr.

Auch Michael Wollny vom gleichnamigen Edeka-Supermarkt in Friedberg sieht den Tütenpreis eher als Symbolik. Um wirklich weg von der Plastiktüte zu kommen, müsse der Preis angehoben werden. Er selbst habe in der Vergangenheit schon mal fünf Cent pro Tüte verlangt, am Benutzerverhalten habe sich aber nichts geändert. Dennoch: „Wir versuchen unnötiges Plastik in all unseren Abteilungen zu vermeiden“, sagt der Inhaber.

Seit dieser Woche gebe es neue Beutel, die in ihrer Herstellung umweltfreundlicher sind, als die 100-prozentige Plastiktüte. „Das ist ein recycling-Material, das über die gelbe Tonne entsorgt werden kann. Optisch ähnelt sie dem klassischen Beutel.“ Für Wollny zwar nur ein kleiner Schritt, aber immerhin. Denn eigentlich sei das beste Behältnis für eingekaufte Waren, das, welches von daheim mitgebracht werde. Einkaufen mit Tupperschüssel oder einem mitgebrachten Gefäß sei bei ihm kein Problem. Vorgaben seitens Edeka, wie plastikfrei er die Produkte in seinem Geschäft anbieten müsse, gibt es nicht. Hier darf er in Eigenregie wirken, wobei er stets auf die Wünsche seiner Kunden eingeht.

„Seit ein paar Jahren“, so Wollny, „ist plastikfreies Einkaufen ein Thema. Angefangen hat es mit Papier-, statt Plastiktüten, seit gut zwei Jahren bieten wir auch plastikfreie Produkte als Alternative an.“ So zum Beispiel die plastikfreie Zahnbürste. Diese ist in Pappe eingepackt und besteht aus Holz und Borsten – ohne Plastik. Außerdem gibt es unter anderem Seife ohne Zusatz von Mikroplastik, wie auch plastikfreie Wattestäbchen. Edeka selbst hat auf den Umwelttrend reagiert. Der Konzern hat in seinen PET-Getränken die Plastikdicke der Verpackung verringert.

Angepasst hat auch Rewe Reincke im Textilviertel sein Sortiment. An der so genannten Salatbar gab es früher reine Plastikbehältnisse, mittlerweile ist nur noch der Deckel aus Plastik. Die Schale ist biologisch abbaubar und darf in die braune Tonne weggeworfen werden. Außerdem haben die Kunden die Möglichkeit, ein Mehrweg-Frischenetz zu kaufen, welches als Behältnis für Obst und Gemüse gilt. Die Resonanz sei positiv. Kunden achten vermehrt darauf, auf Plastik zu verzichten.

Ähnliches kann auch Stephan Gesell vom Rewe-Supermarkt am Jakobertor bestätigen. „Wir versuchen an die Vernunft unserer Kunden zu appellieren, gerade bei Obst braucht es doch keine Plastiktüte, weil wir das Obst auch lose auf unsere Waage legen können.“ Allerdings zeigt die Erfahrung, dass alte Gewohnheiten nur schwer loszuwerden sind: „Wir haben mal versucht einen Tag ohne Plastiktüten auszukommen, schon haben sich Kunden beschwert. Ich persönlich würde gerne auf die Tüten verzichten.“ Rewe sei auf einem guten Weg, sagt Gesell, allerdings garantiere eine Plastikhülle die 100-prozentige Frische.

Schritt für Schritt soll der Kampf gegen Plastik erfolgen, Ideen gibt es auf jeden Fall genügende. „Wir starten demnächst mit einer großen Kampagne“, verspricht Gesell. Alles für den Kampf gegen Plastik.

Michael Wollny (mitte), von gleichnamigen EDEKA mit seinen Angestellten.
Auch Stephan Gesell (Rewe Gesell Jakobertor) möchte unnötigen Plastikmüll vermeiden.

Es geht auch ohne … Tipps für einen plastikfreien Alltag

Mit dem Forum plastikfreies Augsburg hat sich eine Organisation in der Fuggerstadt entwickelt, die als erste Anlaufstelle für ein Leben ohne bzw. mit möglichst wenig Plastik gilt. Regelmäßige Stammtische gelten als Austausch für plastikfreies Leben und Müllvermeidung. Hierbei werden alte Gewohnheiten hinterfragt und Lösungen gefunden. Viermal in Monat, quer in der Region verteilt, finden diese Treffen statt, weitere Infos gibt es unter www.plastikfreies-augsburg.de. Von dort stammen auch die folgenden Tipps für ein plastikfrei(er)es Leben:

Nicht jedes Plastik gleich wegschmeißen: In Plastikaufbewahrungen lässt sich nicht nur Essen gut aufbewahren, sondern auch Alltagsgüter wie Schrauben.

Vorbereitung ist das A und O: Wer zum Einkaufen geht, sollte vorher überlegen, welches Behältnis mitgenommen werden soll. Korb oder Stofftaschen sind ideal, um den Einkauf heimzubringen, wiederverwendbare Säckchen seien ideal für Obst und Gemüse.

Mutig sein: Verkäufer hinter der Theke darf man ruhig bitten, Wurst, Fleisch und Käse in ein mitgebrachtes Behältnis zu füllen. Meist darf das Mitgebrachte nicht über die Theke gehen, auf oder neben der Theke klappe der „Transfer“ aber ganz gut.

Aufmerksam einkaufen: Viele Produkte gibt es in Glas oder Papier, statt in Plastik. Milch und Joghurt sind im Pfandglas zwar etwas teurer, dafür schmecke man den Unterschied. Tiefkühlgemüse und Eis gebe es auch im Karton, eingelegtes Gemüse im Glas. Schokolade gibt es ebenfalls unverpackt in besonderen Märkten, Kekse könne man selbst backen.

Kreativ sein: Die Umstellung auf ein plastikfreies Leben muss nicht teuer sein. Einfach alte Einmach- und Marmeladengläser zur Aufbewahrung verwenden. Vieles andere lässt sich auch upcyceln: So werden aus abgelegten T-Shirts oder Vorhängen Stoffbeutel für den Gemüse- oder Broteinkauf.

Einfach machen: Wasser aus der Leitung ist besonders hier in unserer Region trinkbar – in Glas- oder Edelstahlflaschen lässt es sich einfach transportieren und überall auffüllen. Kaffee kann man in der Thermoskanne mitnehmen oder in einem wiederverwendbaren Becher unterwegs beim Lieblings-Kaffee-Dealer kaufen. Snacks, Wraps und Gemüse sind am besten in Brotzeitdosen aus Edelstahl aufgehoben.

Eine Alternative zu den Plastiktüten ist das Mehrweg – Frischenetz. Dieses kostet 99 Cent.

Text: Madeleine Habersetzer & Dennis Amedovski
Bilder: Redaktion