Bei der Mondlandung im 7. Himmel

50JahreMondlandung

Vor genau 50 Jahren, nämlich am 21. Juli 1969, betrat erstmals ein Mensch den Erdtrabanten

Heute ist es auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert her, dass erstmals ein Mensch den Mond betrat. Im Rahmen der Raumfahrtmission Apollo 11 waren am 20. Juli 1969 (also gestern vor 50 Jahren) Raumfahrer – nämlich Neil Armstrong und Buzz Aldrin – auf dem Mond gelandet. Sie mussten einige Stunden bis zum 21. Juli warten, bis sie tatsächlich (um 3.56 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) den Boden des Erdtrabanten betreten konnten. Laut der US-Raumfahrtbehörde NASA verfolgten damals rund 530 Millionen Menschen die Mondlandung. Noch heute erinnern sich – auch in Augsburg – viele an dieses historische Ereignis und verbinden damit ganz persönliche Eindrücke.

Armstrong und Aldrin waren am 16. Juli auf dem John F. Kennedy Space Center in Florida gestartet. Als Pilot der Kommandokapsel war Michael Collins dabei, der umkreiste während der ersten Mond-Exkursion den Erdtrabanten. Mit seinem historischen Satz: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“, wurde Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond weltberühmt. Es ist unvergessen. Die beiden anderen US-Astronauten kann aber kaum mehr einer benennen, geschweige denn die Raumfahrer, die bei weiteren fünf Missionen bis 1972 auf dem Mond gelandet waren.

Unvergessen bleibt die Nacht der ersten Mondlandung dem Augsburger Anwalt Thomas Kroder. Fragt man ihn allerdings nach dem legendären Satz dieses Tages, sagt er: „Yvonne, ich fühle mich mit Dir verlobt!“ So legte Kroder damals den Grundstein für sein Ehe- und Familienleben. „Wir hatten mit Freunden die Mondlandung auf einem tragbaren TV-Gerät im Wochenendhaus meiner späteren Schwiegermutter in Leitershofen angesehen. Dann brachte ich Yvonne nach Hause, und da kam es zu einem Disput, bei dem die für uns bedeutsamen Worte fielen“, erzählt der heute 79-Jährige schmunzelnd. Am nächsten Tag fragte seine vier Jahre jüngere Freundin, ob er sich noch an seinen Antrag erinnern könne. Und er bejahte. 1970 wurde geheiratet. Aus der Ehe, die nun schon fast 50 Jahre hält, sind die Kinder Axel und Simone sowie fünf Enkel hervorgegangen. Wie die Kroders sagen, wollen sie ihre goldene Hochzeit nicht im nächsten Jahr feiern, sondern jetzt die goldene Verlobung – zeitgleich zum Jubiläum der Mondlandung.

An den historischen Moment auf dem Mond erinnern sich auch viele andere Augsburger. Zum Beispiel Irmgard Schmid, die Frau des ehemaligen Regierungspräsidenten Ludwig Schmid: „Ich war damals wegen unseres ersten Kindes gerade im Mutterschutz“, erzählt die ehemalige Lehrerin. „Weil wir zuhause keinen Fernseher hatten, bin ich zur Mondlandung aber in meine Schule in Kriegshaber und habe sie dort mit meiner Klasse angeschaut.“ Da war sie 25. Gerade mal 14 war Angelika Köhler. Wie die Frau von Schulreferent Hermann Köhler erzählt, war sie damals vor 50 Jahren auf Klassenabschlussfahrt zum Schliersee und zum Spitzingsee: „Wir saßen in einer Gaststätte und schauten dort fern.“ Auch Hermann Köhler, damals 16, erinnert sich an das historische Ereignis, das er im Internat in Reimlingen bei Nördlingen mit seinen Klassenkameraden verfolgte. Alle drei sind sich einig: Das war ein Highlight, eine Sensation, etwas, das uns bewegt hat.

„Ich war damals 18“, erinnert sich auch Karin Brasseur, die Wirtin der Marktgaststätte. „Mein Onkel hatte ein Geschäft für Radio- und TV-Geräte und meine Eltern eben auch bereits einen Schwarz-weiß-Apparat, auf dem wir die Mondlandung verfolgten.“ Marketing-Experte Bernd Dornach, damals 19, erinnert sich ebenfalls noch gut: „Unsere Generation hatte ja eine wahnsinnige Aufbruchsstimmung. Für mich war das sensationell, Wahnsinn. Ich dachte, mein Gott was können wir in der Zeit, in der wir leben, noch alles machen.“

Zum Beispiel wieder zum Mond fliegen. Tatsächlich gibt es Pläne für eine weitere bemannte Landung auf dem Trabanten. Als Termin wird 2024 genannt. Und das Besondere: Diesmal soll kein Mann, sondern eine Astronautin zuerst aussteigen. Das jedenfalls sagte bei einem Augsburg-Besuch kürzlich James L. Green in einem AZ-Interview. Der heute 68-Jährige ist seit 1979 bei der NASA und leitete mehrere Missionen – u. a. die Landung des Curiosity Rovers auf dem Mars und die Entsendung von Raumsonden zum Mond. 2018 wurde er Chef-Wissenschaftler der NASA. Als Gast der Universität Augsburg hielt er hier einen Vortrag – auch weil er das hiesige Institut für Mathematik sehr schätzt, das bei der Berechnung optimaler Flugbahnen von Raumfahrzeugen Weltspitze sei.

Das Ausweichen auf andere Himmelskörper – Mond oder auch Mars – hält Green übrigens langfristig für unabdingbar – schon deshalb, weil die Erdbevölkerung stetig wächst. Ob und wann es allerdings tatsächlich möglich wird, andere Planeten zu besiedeln, das steht noch in den Sternen…

Yvonne und Thomas Kroder -vor 50 Jahren und heute- waren bei der Mondlandung 1969 sozusagen im 7. Himmel. Jedenfalls haben sie sich damals verlobt und im Jahr danach geheiratet.

Text: Wolfgang Bublies & Marion Buk-Kluger