Geld fehlt jetzt schon

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Stadtpolitik Besorgnis über Kostensteigerung beim Theaterumbau

Immer wieder kommen im Theater Märchen auf die Bühne. Ein Märchen hätte Augsburg für den Umbau seines Theaters gebraucht. Aber jetzt zeigt sich: Was bei fast allen Bauprojekten üblich ist, trifft auch hier zu: die Kosten steigen (und steigen). Vor drei Jahren haben die Stadträte einen Umbau- und Sanierungsplan mit Gesamtkosten von 186 Millionen Euro beschlossen – und gehofft, dass damit alles gut sei. Nun zeigt sich: Allgemeine Baukostensteigerungen und veränderte Bedingungen (Thema Brandschutz) machen den Theaterumbau erheblich teurer. Ob die genannten 20 Millionen Euro Mehrkosten reichen werden? Im Stadtrat wurde über die neueste Entwicklung informiert – und erste Lösungsansätze debattiert. Wir haben bei Vertretern der Parteien und Gruppierungen gefragt, wie sie die Sache bewerten – ob es für sie gar eine „Obergrenze“ in Sachen Theaterkosten gibt.

Andreas Jäckel (CSU, Berichterstatter): „Kostensteigerungen bei einem Bauprojekt, das von 2016 bis 2026 reicht, sind normal. Wenn, wie beim Theater, dann noch Neuerungen hinzukommen wie beim Brandschutz, dann müssen wir über unsere ursprüngliche Prognose neu nachdenken. Fehler müssen benannt werden, aber wir sollten nach vorne schauen, um zu einer optimalen Lösung zu finden. Hätten wir klar Puffer für die Kosten eingeplant, hätte das zum Ausdruck gebracht, dass Geld da ist und man es ausgeben kann. Das neue Theater soll kein Kompromiss aus verschiedenen Minimallösungen sein, sonst wäre das Geld verschwendet. Ich habe mich immer gegen eine Zahlendiskussion ausgesprochen. Deswegen gibt es von mir auch keine Prognose über Kosten.

Stefan Quarg (SPD, Berichterstatter): „Aus meiner Sicht sind die 186 Millionen für das Gesamtprojekt, die wir 2016 beschlossen haben, ein Limit. Bevor ich zu einer anderen Entscheidung komme, müssen wir alles auf die Tagesordnung holen. Was ist an Veränderungen vorgesehen, wo soll eingespart werden? Eine Möglichkeit sehe ich darin, dass die zweite Spielstätte herausgelöst und später verwirklicht wird, dann könnten die 186 Millionen zu halten sein. Zu berücksichtigen ist, in welchem Maße bei Veränderungen der Planung Dinge betroffen sind, die viel oder gar nicht staatlich bezuschusst sind, was maßgeblich für die Kosten der Stadt ist.

Martina Wild (Grüne): „Auch unsere Fraktion ist von den massiven Kostensteigerungen überrascht. Aus meiner Sicht ist es richtig, nun genau zu überlegen, wie durch eine Umplanung Kosten reduziert werden können. Die Grüne Fraktion will das Theater nach wie vor zukunftssicher aufstellen. Unser Ziel ist es dabei, die aus dem Beteiligungsprozess resultierenden inhaltlichen Anforderungen an ein offenes Haus mit den nötigen baulichen Parametern und selbstverständlich auch mit den finanziellen Möglichkeiten der Stadt zu verbinden. Ich erwarte nun, dass dem Stadtrat in den nächsten Monaten dargestellt wird, welche Vor- und Nachteile die neue Planungsvariante gegenüber der bisherigen hat und wie teuer ein Neubau neben dem Großen Haus nun tatsächlich ist. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll zu überprüfen, welche Chancen und Risiken es mit sich bringen würde, wenn das Kleine Haus dauerhaft am Kreativwerk verortet werden würde.

Otto Hutter (Die Linke): „Wir haben seinerzeit eine Entscheidung getroffen anhand einer Grundlage, die uns jetzt entfallen ist. Jetzt muss neu entschieden werden. Wir müssen klären, wie viel mehr uns die Theaterplanung wert ist, denn man kann das Vorhaben ja nicht beliebig reduzieren. Ich meine, wir sollten auch die Menschen fragen, die sich damals am Bürgerdialog beteiligt haben und wir sollten die mit einbeziehen, die als freie Gruppen eingebunden werden sollen.

Volker Schafitel (Freie Wähler): „Der Stadtrat muss sich mit der Kostensteigerung auseinandersetzen. Es ist klar, dass ein Kostendeckel nie ganz einzuhalten ist, man muss einen Baukostenindex und allgemeine Preissteigerungen immer im Auge haben. Dass die 186 Millionen Euro nicht für immer gelten werden, ist von Anfang an klar gewesen. Es muss offensiv kommuniziert werden, dass es mit den Baukosten nach oben geht und dass der Theaterumbau teurer wird. Am Ende muss der Stadtrat entscheiden und er muss sich darüber klar werden, wie er die Kosten aufbringen will.

Peter Grab (WSA – Wir sind Augsburg): „Es ist nicht in Ordnung, dass wir erst jetzt einen Planungsvorschlag vorgelegt bekommen mit Einsparmöglichkeiten im Umfang von rund 30 Millionen Euro, die trotzdem noch Verbesserungen für die Betroffenen bergen sollen. Warum hat man uns im Stadtrat so etwas nicht bereits vor drei Jahren gesagt, als wir den Beschluss mit den 186 Millionen Euro gefasst haben? War das damals Vorgestellte eine „Nice-to-have“-Planung? Darauf erwarte ich mir jetzt im Verlaufe des Prozesses Antworten.

Claudia Eberle (Pro Augsburg): „Der 186-Millionen-Euro-Kostendeckel ist unrealistisch. Eine Umplanung scheint mir stimmig. Ob die kleine Spielstätte jetzt noch zu schaffen ist? Man wundert sich aber, wie eine derartige Kostenmehrung im Verhältnis zur Prognose zustande kommen kann und wo das Ganze enden soll. Wir werden auch zu prüfen haben, inwieweit uns die Interimsspielstätten im Martinipark und im Gaswerk weiterhelfen können.

Noch ist gar nicht so viel passiert in Sachen Theater-um- und Neubau, aber es wird um Kostensteigerungen debattiert.

Fotos: Schmidt
Text: Michael Siegel