Radler fordern Platz

Augsburger_RadlNacht

Verkehr in Augsburg Wenn eine Stadt Fahrradstadt sein will

Offiziell nennt sich Augsburg Fahrradstadt, aber weder diejenigen, die tagtäglich durch die Stadt radeln noch diejenigen, die bekannte Fahrradstädte kennen, sind davon so recht überzeugt. Selbst ein Großevent wie die gestrige Radlnacht rückt den Eindruck nicht dauerhaft zurecht.

Nach Meinung von Arne Schäffler, einem der Vorstände des Augsburger Fahrradclubs ADFC fehlt es hier nach wie vor am echten politischen Willen, den Fahrradverkehr ernsthaft zu stärken. „Heilige Kühe“ aus dem Autoverkehr hätten bei den Stadtoberen in Augsburg Vorrang. Schäffler ist sich sicher, dass die neuen Zeiten mit Diskussionen um Klimawandel und Luftschadstoffe dem Radverkehr in die Hände spielen werden, fraglich sei, wann sich das im Alltag bemerkbar machen werde.

Sollen in Zukunft immer mehr Autofahrer aus ihrem Sitz auf den Sattel umsteigen, brauchen sie dennoch auch als Radler Platz. „Mehr Platz fürs Rad“ heißt entsprechend die aktuelle Kampagne des ADFC – und auch das, was Schäffler für Augsburgs Radler wünscht, hat immer wieder mit diesem Platz zu tun, den sich Autos, Straßenbahnen, Fußgänger, Radfahrer… teilen müssen. Und dann kommen die aus seiner Sicht beiden „heiligen Kühe“ der Augsburger Entscheider ins Spiel: Erste heilige Kuh: Die Leistungsfähigkeit von Kreuzungen und Straßen – für Autos. In sehr vielen Fällen, so Schäffler, leide darunter die Nutzbarkeit der Straßen für Radfahrer.

Selbst wenn mit großer Ankündigung eine Radler-Magistrale vom Bahnhof durch die Innenstadt (Theater, Grottenau, Pilgerhausstraße, Jakober Tor) angekündigt und geschaffen werde, könne das Ergebnis nicht befriedigen. Immer wieder komme es zu Unfällen mit Radfahrern auf dieser Strecke, die ihre Gefahren berge. Auch an anderen Strecken wie der Ulmer oder der Augsburger Straße in Pfersee sei der meiste Platz für das Auto reserviert. Radler sollen wohl solche Abschnitte meiden.

„Heilige Kuh“ Nummer 2 seien die Parkräume für Autos, über deren Reduzierung zugunsten der Radfahrer nicht zu verhandeln sei. Beispielhaft stehe hier die Debatte um Parkplätze in der Hermanstraße, wo Radwege entstehen können, dafür aber Auto-Parkplätze wegfallen müssten.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu verbessern, sei laut Schäffler, das Tempo für Autofahrer zu reduzieren. Ein weiträumiges Tempo 30 könnte viel bewirken. Auch hier nennt Schäffler die Achse Grottenau/Pilgerhaus-/Jakober oder die Pferseer Straße mit Bahnhofstunnel, wo kaum jemand versteht, warum dort Tempo 50 gefahren werden darf. Hier bedürfe es eines generellen politischen Willens, die Signale anders zu stellen. Einzelprojekten wie Radlerstreifen in der Deutschenbaurstraße können es nicht richten.

Elektroroller, die dieser Tage auch Augsburg erreichen, sieht der ADFC nicht als Hilfe für Arbeitspendler an. Die Scooter könnten eine Stadt für Touristen erschließen, seien aber bestimmt kein Problemlöser. Sie richteten sich eher an die Fußgänger, als dass sie Autofahrer von der Straße lockten.

SoPress Mitarbeiter Marco Wernthaler (rechts) nahm mit Christian Trawe (links) und Timo Mavropoulos (Timo´s Flug und Seereisen) mit besonderen Holz-Rädern an der Radlnacht teil. Sie möchten das Umweltbewusstsein stärken.
Bei der Augsburger Radlnacht waren auch allerlei besondere Fahrräder vertreten. Hier zu sehen: Zwei Teilnehmer auf Liegerädern.

E-Scooter Wie gefällt euch das neue Fahrzeug?

Patrick:

Ich bin sie schon in Augsburg, Berlin und München gefahren. Augsburg hat die geringste Dichte und die kleinste Zone, in denen man die E-Scooter dank Anbietervorgaben parken darf. Trotzdem gibt es hier das meiste Geschrei um die Fahrzeuge, die langsamer fahren und einfacher zu kontrollieren sind als Fahrräder. Ich bin ein großer Fan von den Freefloating-Mietscootern – emissionsfreie, schnelle und günstige Art, sich in der Stadt fortzubewegen. Und man muss sich nicht darum kümmern, das Ding abzuschließen.

Vanessa

Ich finde den E-Scooter einen tollen Mittelweg. Die AVV-Tickets schießen preislich immer weiter in die Höhe und die aktuelle Baustellensituation in und um Augsburg macht einem das Autofahren auch nicht gerade einfach. Deswegen möchte ich unbedingt ganz bald den E-Scooter ausprobieren, da es sicherlich viel Spaß macht, im Sommer so luftig durch die Stadt zu cruisen. Wenn ich mir vorstelle, durch die schöne Altstadt mit ihren vielen kleinen Gässchen und Italien-Flair zu rollen, dann kommt gleich Vespa-Feeling bei mir auf.

Korbinian
Ich bin schon öfter mit den neuen E-Scootern von Voi durch Augsburg „gedüst“ (maximal Tempo 20). Macht Spaß und ermöglicht schnelleres Vorankommen, wenn man gerade ohne Fahrrad unterwegs ist. Für mich als Nicht-Autofahrer eine gute Ergänzung für die Mobilität in der Stadt, die Buchung spontan per App funktioniert problemlos! Ein paar Schwachstellen: Abbiegen per Handzeichen ist kaum möglich – beide Hände braucht man am Lenker. Manchmal ist kein Scooter zu finden, obwohl sich laut App dort einer befinden sollte.

Text: Michael Siegel
Bilder: Redaktion