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Drogen-Report: erschreckende Erkenntnisse auch für Augsburg und Region

 

Erschreckend: Trotz aller Maßnahmen ist der Drogenkonsum in Deutschland weiter angestiegen, vor allem bei Cannabis. Und, es gibt wieder mehr Drogentote. Dies ist dem Drogenbericht der Bundesregierung zu entnehmen, den die Drogenbeauftragte Marlene Mortler unlängst vorgestellt hat. Verstärkt soll nun der schleichenden Verharmlosung von Haschisch und Marihuana entgegengetreten werden. Mortler warnt vor eine Legalisierung und weist darauf hin, dass der Wirkstoff heute fünfmal stärker ist als noch vor 30 Jahren. Künftig sollen auch Angehörige von Süchtigen, vor allem deren Kinder, mehr Hilfe erhalten. Mehr als drei Millionen Kinder wachsen in suchtbelasteten Familien auf.
Auch in Augsburg gibt es zuhauf Probleme durch den Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Während der Missbrauch von Medikamenten, wie Stimmungsaufheller, Schlafmittel und Wachmacher meist im Verborgenen abläuft, ist übermäßiger Alkoholkonsum oft der Grund für Polizeieinsätze im Nachtleben und in der Partyszene. Aufsehen erregte auch das Ende der sportlichen Karrieren einiger Nachwuchskicker des FCA wegen Drogenkonsums.
Nicht zu übersehen sind Alkohol- und Drogenabhängige an einigen Stellen im Stadtbild. Unter anderem haben Alkies und Junkies am Königsplatz, Wertachufer und am Oberhauser Bahnhof ihre Treffpunkte. Gerade am dortigen Helmut-Haller-Platz klagen Anwohner, Gewerbetreibende und Passanten über die Szene von Süchtigen. Sie fühlen sich von ihnen belästigt und nicht mehr sicher.
Die Polizei macht Kontrollen auf dem Bahnhofvorplatz und hat ihre Präsenz erhöht. Jetzt will die Stadt für Abhilfe sorgen. Einige 100 Meter vom Bahnhof entfernt im Wohngebiet hat Ordnungsreferent Dirk Wurm die ehemalige Gaststätte „Paparazzi“ der Brauerei Riegele im Blick. Dort soll ein Treffpunkt für Alkohol-und Drogensüchtige eingerichtet werden, die man so vom Bahnhofsvorplatz weglocken will. Der „Katholische Verband für soziale Dienste (SKM)“ und die Drogenhilfe Schwaben sollen die Einrichtung betreiben.
Die Anwohner befürchten das Schlimmste. Uwe Schmidt von der Drogenhilfe will beruhigen und stellt klar: „In dem Lokal ist ein Aufenthalts- und Beratungsangebot für Alkohol- und Drogenabhängige vorgesehen. Dort gelten strenge Hausregeln.“ Es wird kein Alkohol ausgeschenkt. Nur bis zu drei Flaschen Bier dürfen mitgebracht werden, jedoch keine „harten Sachen“. Konsum von illegalen Drogen ist verboten. Angedacht ist zudem eine ärztliche Sprechstunde. Es gibt eine warme Stube, freundliche Worte und gute Ratschläge bei Schwierigkeiten im Leben, etwa wenn es um Schulden, Wohnraum, Krankheit oder auch die Sucht geht. Die Betroffenen sollen von Anfang an mit ins Boot genommen werden, betont Schmidt und erklärt: „Es soll zumindest gefühlsmäßig ihre eigene Sache sein. Sie sollen deshalb auch beim Angebot und Öffnungszeiten mitreden dürfen.“
Die Polizei hat einen sehr genauen Blick auf die Süchtigen und sorgt mit einem proaktiven Vorgehen dafür, dass sich eine offene Drogenszene nicht wie in anderen Großstädten etablieren kann. Zahlen hierzu hat Pressesprecher Siegfried Hartmann. 2016 waren im Zuständigkeitsbereich (Stadt und Landkreis Augsburg, sowie die Kreise Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries) sieben Prozent aller Straftaten Rauschgiftdelikte. Das sind nahezu 3000 Fälle, davon mehr als die Hälfte in der Stadt Augsburg. Ein Anstieg von knapp 20 Prozent wurde verzeichnet, während die Zunahme im Jahr davor noch unter drei Prozent lag.
Sieben Frauen und 35 Männer mussten 2016 ihren Drogenkonsum mit ihrem Leben bezahlen. Seit 2012 steigt die Zahl der Todesfälle kontinuierlich und hat sich fast verdreifacht. Dieser Negativ-Trend ist auf den Konsum neuer psychoaktiver Substanzen zurückzuführen. In Augsburg ist die am weitesten verbreitete Droge mit großem Abstand Cannabis (2016: 1.103 von 2.994 Fällen). Danach folgen sogenannte „Kräutermischungen“, also synthetische Cannabinoide (438), Amphetamin (353), Heroin (133), Kokain (69) und Metamphetamin wie z. B. „Crystal“ (17).
Jeder vierte Tatverdächtige, der mit Rauschgift auffällt, hat keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Drogen kommen meist aus den Niederlanden oder norddeutschen Großstädten, wie Berlin. Oder mit der Spedition: Im September wurde Kokain im Wert von rund zehn Millionen Euro in Bananenkisten in Supermärkten (auch im Landkreis Augsburg) entdeckt.
Drogen werden auch im Eigenanbau in kleinen Plantagen in Kellern oder auf Dachböden produziert. Im August wurde sogar eine gut getarnte Plantage in den Baumwipfeln im Haunstetter Wald entdeckt.
Mit großer Sorge hat die Polizei registriert, dass die Drogenkonsumenten immer jünger werden. Sie legt daher großen Wert auf Kriminalpolizeiliche Präventionsberatung. 2016 wurden mit 127 Vorträgen 1399 Jugendliche an Schulen und Bildungseinrichtungen erreicht. Besorgnis erregend sei zudem die Entwicklung bei den sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen, die erstmals als „Spice“ im Jahr 2007 auftauchten. Die Fallzahlen stiegen stark an. Streifenbeamte sind inzwischen täglich mit einem extrem hohen Aggressionspotential, vor allem bei Jugendlichen oder Heranwachsenden konfrontiert. Verursacht wird dies durch den Konsum psychoaktiver Substanzen. Kräutermischungen und Badesalze reduzieren oft auch das Schmerzempfinden. Bei Festnahmen besteht ein besonders hohes Gefährdungsrisiko für die Polizeibeamten, da berauschte Konsumenten kaum zu bändigen sind und meist auch auf Pfefferspray keine Wirkung zeigt.
Für den Kampf gegen Drogen ist nicht allein die Polizei zuständig, sondern das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die alle angeht. Möglichkeiten gibt es hierzu sogar, wo man es zunächst gar nicht vermutet. Wer faire Preise bei Kaffee, Schokolade, Bananen und andere Lebensmittel zahlt, ermöglicht Bauern in Südamerika oder Afghanistan ein ausreichendes Einkommen. Der illegale Drogenanbau kann so reduziert werden. Derzeit ist Afghanistan der größte Drogenexporteur der Welt. Etwa 9000 Tonnen Schlafmohn zur Drogenherstellung wurden geerntet. Tendenz derzeit: weiter steigend.

Von Roland Renftel

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