Gutes Karma

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Die absolut unabhängige GASTROKRITIK

Wer zu Lebzeiten ausreichend „gutes Karma“ gesammelt hat, darf auf eine Wiedergeburt in ein schöneres Leben hoffen – wendet man diese Lehre vom „Samsara“-Kreislauf auf die Gastronomie an, dann lässt sich sicher sagen, dass der traditionsreichen ehemaligen Brasserie Odeon durch ihr gutes Wirken als neu geborene Location mit Namen „Blaue Kappe“ ein wunderschönes neues Leben eingehaucht wurde. Christoph Steinle sei Dank!

Ambiente:  4/5

Die Eckkneipe an der „Blauen Kappe“ im Georgs-/Kreuzviertel präsentiert sich mit komplett überarbeiteter, geschmackvoller Einrichtung, einem tollen Lichtkonzept sowie einer zeitgemäßen einsehbaren Küche, die aber durch verstellbare Jalousien nicht zum voyeuristischen „Aquarium“ wird.  Dezente Jazzklänge passten perfekt zur urbanen Atmosphäre – wenn es sehr voll wird, kann die Akustik schon mal etwas zu viel an Gesprächsfetzen durch den Raum tragen; aber hey – man befindet sich in einem „Viertel-Kiez“. Und das kommt augenscheinlich generationenübergreifend sehr gut an.

Essen:  4/5

Gibt´s eigentlich den Ausdruck „kreativ gut bürgerlich“? Wenn nicht, dann hat ihn die Blaue Kappe iniziiert! Unsere Vorspeisenauswahl sah wie folgt aus: Die gebeizte Stadtmarkt-Forelle mit Roter Beete, Brunnenkresse, Kräuterschmand und Kren (€ 8,20) legte geschmacklich wie handwerklich schon mal mit voller Power los. Alles (auch der gehobelte Kren) frisch und perfekt zubereitet – große Klasse! Das sehr feine Tatar vom bayerischen Rind (€ 11,80) mit Eigelb, Zwiebeln, Kapern, Dijonaise und Cornichons bescherte uns ein harmonisches und aromenreiches Gaumenerlebnis. Preis-Leistungsverhältnis wirklich top! Als Hauptgericht zeigte ein Klassiker wie das Gebackene Kotelett (€ 16,80) vom schwäbisch-hallischen Landschwein mit Kartoffel-Vogerl Salat, wie regionale Produkte und pfiffige Zubereitung für den richtigen „Twist“ sorgen. Geschmacklich ebenfalls sehr gut: das Geschmorte vom Rind „Stroganoff“ (€ 18,20) mit Champignons, Essiggurke, Rote Beete, Sauerrahm und selbst gemachten Spätzle. Obwohl die Portionen durchaus dazu angetan waren, hier unser Essenserlebnis zu beenden, waren wir natürlich noch auf den mit Apfel und Bierbrand karamellisierten Rohrnudelschmarrn mit Zwetschgenröster und Vanilleeis (€ 8,40) neugierig. Gott sei Dank, kann man da im Nachhinein nur sagen….

Trinken:  4/5

Neben den Schwarzbräu-Spezialitäten kann die kleine, aber feine Weinauswahl punkten. Auch Trends wie einen „Orange Wine“ – inzwischen hoffentlich aus der Experimentierphase herausgekommen – passen ins moderne Gesamtkonzept. Der von uns gewählte, offen ausgeschenkte Primitivo di Manduria (€ 5,60 / 0,15l) von Carlo Scala gefiel mit intensivem Duft nach Wildkirsch und Pfeffer. Auch das Cuvée (Silvaner, Müller-Thurgau, Kerner)  „1/3 Ein Wein“ (€ 5,- / 0,15l) von Juliane Eder aus Rheinhessen sorgte mit schöner Balance zwischen fruchtiger Exotik und zartem Schmelz für hohe Trinkfreude im Glas. „Spirituos“  verwöhnt wurden wir zum Abschluss mit einem im Barrique gereiften Vogelbeerbrand (€ 4,50 / 2cl) der Brennerei Salzgeber aus dem schwäbischen Babenhausen.

Service:  5/5

Von der telefonischen Reservierungsannahme bis hin zur Zuweisung eines Tisches lief schon mal alles super geschmeidig und sehr freundlich. Darüber hinaus, konnte der Service nicht nur als sehr zuvorkommend, sondern fast schon als „hellseherisch“ bezeichnet werden. Die Erfüllung von Sonderwünschen, tolle Eigeninitiative, Wissen um die Produkte und Weine – das ist uns diesmal ein echtes „überragend“ wert.