Leben in der Hütte

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Die absolut unabhängige GASTROKRITIK

Einst als „Casanova“ unter Mauro Ficotto (weilt nun lieber in Italien) eine „Szene-Ostería“, dann als „Berghütte“ mit Filip Knezovic (jetzt Küchenchef im Ofenhaus) als Patron eine solide Anlaufstelle für alle, die gute Küche in urigem Ambiente schätzten – wir waren gespannt, was aus der beliebten Location am Predigerberg denn nun eigentlich geworden ist, zumal es unserem subjektiven Empfinden nach etwas still um das kleine City-Lokal der Paulaner Brauerei geworden ist. Gut ein Jahr ist es her, dass die Münchner Gastronomen Friederike Gil und Bastian Reisinger die Berghütte übernahmen – den gut eingeführten Namen behielten sie bei.

Ambiente: 3/5
Da gibt´s nicht viel zu sagen. Uriges Holz knarzt wie eh und je; ein paar neue liebevoll inszenierte Details zeugen vom „frischem Wind“, der hier weht – man sitzt gemütlich an ein paar wenigen Tischen rund um die Bar und trifft sich von 17 Uhr bis Mitternacht generationenübergreifend in der Stadtmitte; entweder weil man danach ins Nachtleben startet oder auch, weil man darauf keinen Bock mehr hat… . Und: ja – aus der kleinen Küche riecht es bis in den Gastraum nach Essen, aber es riecht gut!

Essen: 3,5/5
Die alpenländische Küche (von Bayern bis Südtirol) gibt sicher so einiges her – folglich hat man kein Problem, in der Berghütte eine täglich wechselnde Tageskarte auf die Tafel gemalt zu bekommen. Wir testeten ein Münchner Schnitzel (€ 15,80); nicht paniert, gefüllt mit Schinken, Weißwurstsenf und Meerrettich – eine deftige, schmackhafte Kombination, zu der wunderbare Bratkartoffeln angerichtet waren. Ob der fein angemachte kleine Beilagensalat nicht besser auf einem seperaten Tellerchen gereicht werden sollte, darüber kann man freilich streiten. Das pikante Rindergeschnetzelte vom Hüftsteak (€ 18,60) mit Tomaten und Zucchini, dazu Maispolenta begeisterte uns mit einer perfekt dosierten Schärfe.

Und auch mit dem vegetarischen Gericht, einem Schmandkuchen mit Salat (€ 12,30) wurden wir glücklich. Beibehalten haben die neuen Pächter zum Glück die Tradition, immer einen Kaiserschmarrn (€ 10,50 als Hauptgericht oder € 6,70 als Nachspeise) auf der Karte zu haben – mit unterschiedlichem, hausgemachten Fruchtmus. Mussten wir natürlich probieren und wurden nicht enttäuscht! Die feine Mehlspeis´ mit Rumrosinen und Mandeln mundete ganz hervorragend.

Trinken: 3/5
Bei den Bieren muss man halt mit dem Paulaner-/Hacker-Pschorr Gerstensaft Vorlieb nehmen. Dabei gäbe es doch so pfiffige Sachen wie den untergärigen „Alpenstoff“ der Bad Reichenhaller Bürgerbräu. Oder wie wär´s mit einem trendigen Craft Beer wie dem Alpen Pale Ale vom Liechtensteiner Brauhaus? Aber vielleicht machen solchen Ideen da einfach die Vorgaben vom Verpächter einen Strich durch die Rechnung.

Auf der Weinkarte dominieren zwei österreichische Winzer; das Weingut Wimmer aus dem Weinviertel und das Weingut Heinzl, ebenfalls aus Niederösterreich. Beide bieten eine hübsche Palette frischer, freudig trinkbarer Qualitätsweine. Sowohl der Weiße Riesling 2016 (€ 5,80 / 0,2l) als auch der halbtrockene, süffige Rosé Pink Amethyst (€ 5,70 / 0,2l) gefielen bei unserer Schmankerl-Einkehr samt „Hüttengaudi“.

Service: 4/5
Eine sympathische, freundliche Stimme bei der telefonischen Reservierung – dieser erste schöne Eindruck setzte sich beim Besuch der Berghütte fort. Gerne erzählen die beiden Gastgeber auch etwas zu Speis und Trank – wir fühlten uns bei dieser „Berg-Tour“ wunderbar wohl.