Casual Fine Dining

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Die absolut unabhängige GASTROKRITIK

Vier Jahre ist es fast schon wieder her, dass wir die Färberei besucht haben. Das ehemalige „Café Linse“ und „Keims“ hatte sich ja bereits einen guten Namen erkocht. Als „Färberei“ wurde nochmal eins „draufgesetzt“ – unter Inhaberin Anja Neumaier wurde die kleine, feine Location im Färbergässchen 2017 gar vom Restaurantführer Gault&Millau ausgezeichnet. Nach Umbauarbeiten und mit Christoph Elwert als neuem Geschäftspartner sowie neuer Küchencrew geht es jetzt ebenso ambitioniert weiter – das war uns schon einen neuen Testbesuch wert…..

Ambiente 4/5
Die beim Umbau nach unten verlegte Garderobe hat dem Ambiente gut getan. Kunst an den Wänden, edle Materialien – das Design der Färberei wirkt immer noch zeitlos schön, modern und einladend. An der neu gestalteten Bartheke sitzt man gerne auch für ein Glas Wein oder einen Snack. Der Außenbereich lädt an Sommertagen zum Verweilen – mitten in der Fußgängerzone und doch abseits von hektischer Bewegung.

Essen 4/5
Als Mitglied und Unterstützer von Slowfood e.V. stehen die Produkte der Region im Fokus – und der verantwortungsvolle, bewusste Umgang bei deren Zubereitung. Auch das neue Team hat das Credo von handwerklichem Können und Kreativität verinnerlicht. Wir starteten mit zarten Kalbszungenröllchen mit marinierter Karotte und Mayonnaise (€ 12,-); auf Empfehlung des Service, da das „Vitello+Tuna“ auf der Karte leider schon aus war. Gerne wurde auch unser Wunsch aufgenommen, das Hauptgericht „Mascarpone Spargel Teigtaschen“ (€ 17,-) als Vorspeise zu wählen. Leider waren die Teigtaschen einen Tick zu bissfest. Wir entschuldigen das damit, dass nach zweiwöchiger Eröffnungsphase vielleicht noch nicht alles soooo perfekt in der Küche lief.

Dafür kamen wir dann bei den Hauptgerichten aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: Das „Zweierlei vom Lamm“ – geschmorte Keule in einer herrlichen Soßenreduktion und rosa Rücken, mit Sellerie und Zwiebel (€ 25,-) – schmeckte so hervorragend wie der ästhetisch angerichtete Teller es versprach – bravo! Das Laguiole-Messer glitt dabei durch das Fleisch, dass es die reinste Freude war. Auch „Saibling & Bohne“ – ein perfekt auf der krossen Haut gebratenes Filetstück mit zweierlei Bohnen und Dörrtomate – begeisterte mit harmonischer Aromatik wie ästhetischer Finesse. Zur allerdings etwas langen Wartezeit bei unserem abendlichen Besuch nur eine Anmerkung: Slowfood ok – aber das lässt sich noch optimieren! Aufs Dessert mussten wir dann aus Zeitgründen nämlich verzichten – schade! Deswegen gibt´s auch statt einer „überragend“ nur eine „sehr gut“ Bewertung.

Trinken 5/5
Dass die Gastgeberin selbst die deutschen und österreichischen Weine vor Ort bei den Winzern auswählt, kann man wirklich feiern! Der 2017er Win Win Rosé (Von Winning, Pfalz), die Flasche zu 35,- Euro, gefiel uns ganz außerordentlich. Weine, die´s nicht überall gibt und erstaunen – da ist man in der Färberei wirklich richtig. Gespannt waren wir auch auf die Eigenproduktionen von Christoph Elwert (der übrigens das MODULAR Festival leitet): Gemeinsam mit seinem Bruder Philipp destilliert er unter dem Label „Gebrüder Elwert“ nämlich verschiedene Edelbrände. Wir gönnten uns ein Wässerchen von der Schweizer Wasserbirne (€ 5,-) sowie einen feinen Mirabellenschnaps (ebenfalls € 5,-) – der Baum dazu steht im Bismarckviertel!

Service 4/5
Ein Team, das mit Hingabe gewissenhaft arbeitet und dabei dennoch lockeres Flair verbreitet; das gilt auch für den Service. Jung und mit Verve bei der Sache, so einfach, unkompliziert und gut kann´s sein…