Feines in der Destille

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Die absolut unabhängige GASTROKRITIK

Zum Essen ins Neubau-Industiegebiet nach Wehringen? Da war ein Teil unseres Tester-Teams erstmal skeptisch. Über die neue B17 dauerte es aber gerade mal 14 Minuten – also auch nicht unbedingt länger, als innerhalb der Stadtgrenzen von A nach B zu gelangen. Das „SinGold“ Restaurant verdankt seinen Namen der gleichnamigen Edel-Whiskydestillerie von Hans Jürgen Filp, in der sich die Gastronomie befindet. Die SinGold Spirituose wiederum erhielt ihren Namen einerseits durch den in Wehringen idyllisch vorbeirauschenden ehemaligen Fabrikkanal, einem Zweig der Wertach; andererseits ist die „goldene Sünde“ eine Anspielung auf das hochprozentige Produkt.

Ambiente: 4 / 5
Das Restaurant mit seiner zentralen offenen Küchenstation ist ein stilvoller Hingucker. Auch die holzbeplankte Terrasse mit Blick in die ländliche Umgebung – bei schönem Fönwetter sieht man sogar bis in die Alpen – ist stylish modern mit ansprechender Lichtführung. Noch ein Pluspunkt ist die Musikauswahl: dezente Barclassics statt Standard-Lounge-Gedudel – das gefällt rundum. Man merkt, dass Inhaber und Küchenchef Rudi Paula,der zuvor zahlreiche Golfclubs gastronomisch betreute, und seine Lebensgefährtin Constanze Ehrt hier sehr viel Leidenschaft eingebracht haben.

Essen: 4,5 / 5
Die wöchentlich wechselnde Karte setzt auf eine kleine, hochwertige Auswahl an feinen Speisen: Schon der „Gruß aus der Küche – Sellerie- und Karottenüree sowie eine gebeizte Garnele – ließ aufmerken. Anschließend ging´s direkt zu den Hauptgerichten. Wir wählten den Charolais-Trüffel Bürger (15,- €) kombiniert mit schwarzen Trüffel-Fritten (5,- €). Ein feines Geschmackserlebnis nicht nur wegen der herausragenden Fleischqualität, sondern auch weil Feinheiten wie die mit SinGold Whisky karamellisierten Zwiebeln die Liebe zum Detail und handwerklich Können verrieten. Schlichtweg sensationell war das – wie geordert medium rare gegarte – Kalbskotelett „French Rack“ (26,- €). Das 300-Gramm Stück aus der „Kalbskrone“ war butterzart, phantastisch saftig und harmonierte mit dem aromatischen Rotweinjus. Der dazu bestellte Kräutersalat mit Orangen-Dressing (4,50 €) von bester Qualität mundete ebenso wie die feinen Süßkartoffel-Fritten (4,50 €). Top-Qualität und ebenfalls perfekter Garpunkt auch beim Filetsteak von der Allgäuer Färse (25,- €). Das Dessert durte – trotz reichlicher Portionen – natürlich nicht fehlen: die – natürlich hausgemachte Bayerisch Crème (7,90 €) erhielt durch gebratene Pfirsichstückchen und Walnüsse einen starken Geschmacksakzent – toll!

Trinken: 4,5 / 5
Man merkt den Gastronomen ihre persönliche Leidenschaft für Winzer-Besuche an. Neben „guten Bekannten“ gefielen uns Weine, die man gewiss nicht auf jeder Karte findet – wie den fein-würzigen Côtes du Rhône Blanc Primario 2015 der Domaine des Maravilhas (29,50 € / 0,75l Flasche). Die Assemblage der Rebsorten Roussanne, Bourboulenc und Clairette bescherte uns – auch zu den kräftigen Fleischgerichten – einen ebenbürtigen Essensbegleiter. Und der ausdrucksstarke rote Canto-Bruno Lirac 2014 des selben Weinguts (10,- € / 0,2l Glas) – Cuvée aus Grenache und Mourvèdre – begeisterte durch seine fruchtige Sinnlichkeit. Sehr positiv: alle Weine auf der Karte werden auch offen angeboten – top!

Service: 4,5 / 5
Zum hervorragenden Essenserlebnis gesellte sich eine auffällig entspannte Atmosphäre – trotz konzentrierten und kompetenten Agierens im Service und in der Küche gewannen wir den Eindruck, dass hier Freude am eigenen Tun gelebt wird.