Deftig vegan

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Die absolut unabhängige GASTROKRITIK

Schon lange testen wir immer wieder auch vegane Restaurants; auch als es das in Augsburg noch gar nicht gab. Später kamen dann auch in der Fuggerstadt weitere „vegan cooking“-Locations wie z.B. das ebenfalls sehr gut aufgenommene „Mom´s Table“ dazu. Das vor kurzem nahe dem Fischertor eröffnete „Bodhi“ verfolgt einen ganz anderen Ansatz und sieht sich als „Bayerns erstes veganes Wirtshaus“. Nach dem Erfolg in der Münchner Schwanthalerhöhe gibt es „Bodhi“ jetzt also auch in der Fuggerstadt. Grund genug, gerade in der Vorweihnachtszeit mal Enten und Gänse zu schonen, und zu testen, wie bayerisch-deftig auf vegan mundet….

Ambiente:  3/5
„Kalte Welt da draußen – heiße vegane Küche hier drin!“ verkündet eine Tafel vor dem ehemaligen Lauterbacher Stüberl, in dem jetzt das tierproduktfreie Wirtshaus „Bodhi“ seine Heimat gefunden hat. Das typisch bayerische Gasthausflair geht hier eine Symbiose mit shabby Chic ein – kommt also eher fresh als bieder daher. Bei unserem Besuch lief chillig-jazziger Sound aus den Boxen – auch das passte zum Konzept des modern interpretierten klassischen Gastraumes. Hirschgeweihe an den Wänden gibt´s natürlich keine, dafür klassische Landschaftsmalerei mit Waldsee-Motiv. Persönlich hätten wir ein paar Pappmaché-Hirschköpfe (oder eher menschliche Trophäen!) noch witziger gefunden…..

Essen:  4/5
Die Aromenvielfalt veganer Küche mit asiatischen oder orientalischen Verbindungen oder die Vorzüge auch regionaler Wurzeln und Kräuter als wiederentdeckte, schmackhafte Nahrungsmittel haben wir schon oft gelobt. Aber funktioniert es auch in deftig? Bei den „Buffalo Wings“ aus Blumenkohl mit scharf-würzigem Dip (€ 3,80) schmeckt das als „Mongtratzerl“ schon mal top. Als Hauptgericht bewies uns das hervorragende Bio-Lupinen-Waldpilz Ragout mit fein gebräuntem Serviettenködel (€ 15 incl. top frischem Beilagensalat mit Sprossen), dass g´schmackige Landhausküche auch ohne Speck und Sahne geht. Ein aromatisches Essenserlebnis boten auch die Tempeh-Rouladen (€ 16,-) mit Räuchertofu-Zwiebel-Gurkerl Füllung mit Kartoffelknödel und Rosenkohl in herrlich intensiver Dunkelbiersoße. Ebendo lecker: das „Bodhi Pfanderl“ (€ 16,-) mit Tofuknuspersteak, sensationellem Apfel-Blaukraut und Kartoffelknödel in Dunkelbiersoße. Eine knappe halbe Stunde warten mussten wir auf den frisch zubereiteten Kaiserschmarrn – diese reine Backzeit abzuwarten, lohnte sich allemal: die perfekt fluffige Mehlspeise verwöhnte uns mit gerösteten Mandelaromen und tollem Geschmack – ohne Milch, Eier und Butter!

Trinken:  2,5/5
Die Auswahl an hausgemachten Limonaden und Eistees (€ 3,60 bis 4,10 für 0,4l) kann sich sehen lassen. Die Riegele Bierspezialitäten passen zur „bayerischen Wirtshauskultur“ und ein Angebot an vegan produzierten Weinen rundet das Getränkeangebot ab. Der ausgewählte rote Castillo Monjardin (Cuvée aus Merlot, Tempranillo und Cabernet), das 0,2l Glas zu € 6,50, konnte uns aber wegen subjektiv empfundener etwas flacher Struktur nicht so recht überzeugen.

Service:  4/5
Bayerisch-gastlich funktioniert auch ohne Bedienungen im Dirndl. Alltagskleidung und ein paar Dreadlocks sind ebenso akzeptabel, wenn das unaufgesetzt freundliche Lächeln und die Aufmerksamkeit dem Gast gegenüber passt. Wir fühlten uns bestens aufgehoben, fast wie zu Besuch bei Freunden mit einem Wirtshauswohnzimmer….