“Eine Mannschaft, die lebt”

FCA geht trotz Niederlage gestärkt aus dem Derby gegen die Bayern

Was die Punkteausbeute angeht, verlief beim Derby des FC Augsburg gegen die Bayern am Freitagabend alles wie erwartet. Denn bei der unglücklichen 2:3-Niederlage des FCA nahm der Rekordmeister drei Zähler mit in die Landeshauptstadt, während die Schwaben ohne Punkte dastanden. Und doch stellt sich mit Blick auf das Programm der kommenden Woche die Frage, wem dieses Spiel am Freitagabend mehr Auftrieb geben kann.

Überhaupt geben die 90 Minuten gegen die auf dem Papier schier übermächtigen Bayern durchaus berechtigten Anlass zur Hoffnung für die zuletzt auf und neben dem Platz krisengeschüttelten Schwaben. Gleich zweimal ging der FCA gegen den Favoriten in Führung, für das 1:0 brauchten die Mannen von Manuel Baum gerade einmal 13 Sekunden. Vom Anstoß weg kam der Ball über Konstantinos Stafylidis zu Max, dessen Flanke Leon Goretzka ins eigene Netz bugsierte. Es war nicht nur das schnellste Bundesliga-Tor für Augsburg, sondern gleichzeitig das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Bis auf die unverhoffte Mithilfe des Müncheners war es eine einstudierte Variante, wie Max verriet: „Wir haben das im Abschlusstraining noch probiert. Die Idee dazu hatte der Trainer. Als es dann im Spiel so klappte, musste ich doch ein bisschen schmunzeln.“

Manager Stefan Reuter sieht in der Aktion auch einen Quell des Selbstvertrauens für die Spieler: „So etwas gibt der Mannschaft natürlich Zuversicht, dass sie die Dinge so grandios umsetzen kann. Es wäre natürlich noch schöner, wenn du am Ende noch einen Punkt holst, aber trotzdem ist es etwas Besonderes, wenn ein Plan so aufgeht.“ Die Dinge grandios umsetzen – das gab es in der Tat zuletzt selten bei den Schwaben. Nach der 0:4-Niederlage in Bremen hatten manche Experten und Fans gar eine ordentliche Klatsche gegen die Bayern befürchtet.

So allerdings war es über weite Strecken sogar ein Spiel auf Augenhöhe. Dass es am Ende trotz einer erneuten Führung durch Dong-Won Ji, der in der 23. Minute zum 2:1 traf, nicht zu einem Punkt reichte, lag vor allem an der individuellen Klasse des Gegners: Zweimal glich Kingsley Coman aus, bevor David Alaba kurz nach der Pause für die Entscheidung sorgte.

Baum, der während der Partie mehrmals taktisch umstellte und dies seinen Spielern über einen Zettel mitteilte, machte seiner Mannschaft ein Kompliment: „Wir haben es Bayern heute richtig schwer gemacht. Klar haben wir nichts mitgenommen. Aber die zentrale Botschaft, die jeder mitkriegen soll, ist, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die lebt, die für den Verein kämpft und die mit den Fans zusammen alles gibt, mit dem großen Ziel, dass wir nächstes Jahr wieder Bundesliga spielen.“

In der Tat sahen die Fans eine Mannschaft, die lebt und kämpft – für den Verein, aber auch für den Trainer, wie Max betonte: „Die ganze Mannschaft hängt am Trainer und keiner spielt gegen ihn, im Gegenteil: Wir sind alle gelaufen und haben gefightet. Damit ist alles gesagt.“ Auch von anderer Seite bekam Baum Rückenwind: „Wir haben immer gesagt, dass wir das gemeinsam angehen. Von daher gibt es bei uns gar keine Trainerdiskussion“, gibt Reuter dem Trainer eine erneute Jobgarantie.

Der Manager äußerte sich auch zur Zukunft des in die Schweiz verliehenen „Skandalspielers“ Caiuby: „Das ist für alle Seiten eine gute Lösung. Ich wünsche ihm viele erfolgreiche Spiele. Eine Zukunft kann ich mir für ihn zum jetzigen Zeitpunkt bei uns allerdings nicht vorstellen.“
Ruhe abseits des Platzes und eine gute Leistung gegen die Bayern – wie viel das wirklich wert ist, wird sich gegen Freiburg zeigen. Zwar wird Daniel Baier nach Gelbsperre zurückkehren, an der Verletzten-Front gibt es jedoch nichts Erfreuliches. Ob die Angeschlagenen gegen den SC zurückkehren werden, könne man noch nicht einschätzen, so Reuter.

Text: Maximilian James
Foto: Krieger