Es wird wieder gelacht

FCA Mega – Erfolg gegen Tabellenführer nach “knackiger Woche”

Geschlafen habe er nur sehr wenig, meint Manuel Baum lächelnd. Und irgendwie sah man ihm die Spieltagsstrapazen des Freitagabend auch am Tag danach beim Reservistentraining an. Doch Ermüdungserscheinungen waren nicht die einzigen Merkmale in Baums Gesicht. Da war auch dieses schelmische Lächeln. Das Lächeln eines Siegers!

Kein Zweifel, der sensationelle 2:1-Erfolg des FCA gegen Dortmund war Balsam für die FCA-Seele. Besonders aber für die des Trainers: „Das war eine knackige Woche“, blickt Baum auf die vergangenen Tage zurück. „Natürlich bekommst du mit, was im Umfeld los war und was geschrieben wurde.“ Stellvertretend nannte Baum die Auswechslung von Daniel Baier aus dem Spiel gegen den SC Freiburg. Der Trainer definierte es als Vorsorge-Auswechslung um Baiers Rippenverletzung nicht zu verschlimmern, der Kapitän verneinte aber, gesundheitlich angeschlagen gewesen zu sein. Prompt wurde medial von einem erneuten Trainer/Spieler-Zwist berichtet „Das stimmt nicht“, stellte Baum am Samstag klar. „So etwas zu lesen, ist hart. Das geht nicht spurlos an einem vorbei.“ Auch deswegen war der Trainer nicht unter den Jubelnden nach dem 2:1-Sensationssieg. Während Co-Trainer, Spieler, Mitarbeiter und Fans unmittelbar nach Schlusspfiff die Arme hochrissen,  ging der 39-Jährige direkt in die Kabine. Um für sich zu sein. „In dem Moment war es mir wichtig, allein zu sein.“

Als einen speziellen Augenblick bezeichnet Baum anschließend das Abklatschen mit den eigenen Spielern: „Wir haben in Augsburg schon öfters schwierige Phasen gehabt, aber diese sei besonders anspruchsvoll. Weil wir eine extrem lange Durststrecke hatten.“

Rani Khedira, dessen Bruder Sami am Freitagabend live im Stadion war, sprach direkt nach der Partie von der „richtigen Reaktion“, nachdem man nach dem Freiburg-Spiel „durch den Kakao gezogen wurde. Die Mannschaft hat ihren wahren Charakter gezeigt!“

André Hahn bescheinigte der Truppe „all die Tugenden gezeigt zu haben, die wir gegen Freiburg nicht auf den Platz brachten“ und nannte Herz, Leidenschaft, Charakter und Laufstärke. Also das, was die Fans via Spruchbanner vor Anpfiff in großen Lettern gefordert hatten: „Die Tugenden unseres FCA: Bedingungsloser Einsatz, Kampfgeist, Zusammenhalt.“

Augsburg lief über elf Kilometer mehr als der BVB. Schon zur Halbzeit hatten die Augsburger 63, die Dortmunder nur 57 Kilometer zurückgelegt. Am Ende waren es 127,3 zu 116,1 Kilometern. Zwar müssen Ballbesitz-Mannschaften grundsätzlich weniger laufen (beim BVB wurden 67,5 Prozent Ballbesitz gemessen), daher ist die Anzahl an intensiven Läufen entscheidender. Und hier hatte der FCA knapp 100 mehr als Dortmund (744:658). Auch deswegen sagte Baum nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: „Die Mannschaft hat die Attribute gezeigt, die für Augsburg stehen. Vorne hatten wir mit Dong-Won Ji einen, der zwei Kisten macht und hinten mit Gregor Kobel einen, der vier, fünf Hundertprozentige hält. Und mittendrin neun andere, die rauf- und runterrannten. Riesenkompliment an die Mannschaft!“

Sogar BVB-Torhüter Roman Bürki hatte lobende Worte für Torschützen Ji. Der Koreaner verriet: „Zu meinem zweiten Tor hat mir Bürki gratuliert. Ich spüre viel Vertrauen. Über meine beiden Treffer bin ich sehr glücklich.“ So glücklich, dass sich Ji (Vertrag läuft 2019 aus) einen Verbleib in Augsburg vorstellen kann. „Hier ist meine zweite Heimat. Meine Familie ist bei mir. Ich hoffe noch lange hier zu sein.“ Manager Stefan Reuter betonte man sei in Gesprächen, könne aber nichts vermelden. Die Tendenz geht aber eher in Richtung Verbleib. Für Ji sei die Zeit der vielen Wechsel vorbei. „Ich möchte lange in einem Verein bleiben.“

Zweiter Matchwinner war Torhüter Gregor Kobel, der mehrfach stark parierte: „Es freut mich, dass ich mit einigen guten Bällen der Mannschaft helfen konnte.“ Und er sorgte dafür, dass sein Trainer auch am Tag danach ein Lächeln im Gesicht hatte.

Text: Amedovski
Foto: Krieger