Ist der Knoten geplatzt?

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Sergio Cordova Offenbar endlich in der Spur

Das Fußballfachmagazin kicker wählte nach dem 3:1-Sieg gegen Hannover Sergio Cordova zum Spieler des Spiels. Nur seine Einwechslung hinderte ihn, auch gleich in der Kicker-Elf des Tages aufzutauchen. Hätte er von Beginn an gespielt, wäre sicherlich ein Platz für den Stürmer frei gewesen.

So aber musste der 21-Jährige FCA-Starstürmer Alfred Finnbogason weichen. Seinem Einfluss auf das Spiel tat dies aber keinen Abbruch. Denn nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung zeigten sich die Stürmerinstinkte. Nach einem Eckball von Philipp Max zog André Hahn volley ab. Der Ball klatschte an den Pfosten. Genau an der Stelle, an der Cordova lauerte und nervenstark ins rechte Eck einnickte.

13 Minuten später war es erneut eine Aktion mit Cordova, die zu einem FCA-Treffer führte. Clever verhielt der Stürmer sich im Duell gegen 96-Rechtsverteidiger Oliver Sorg, provozierte so ein Handspiel des Gegners. Den fälligen Freistoß aus halblinker Position 25 Meter vor dem Tor schnibbelte Jonathan Schmid spitzbübisch in die Maschen. Weil er in dieser Situation ein Foul gesehen haben wollte, kam es auch zur verbalen Auseinandersetzung zwischen Hannover-Trainer Thomas Doll und Schiedsrichter Manuel Gräfe, infolgedessen der Coach den Unparteiischen als arrogant bezeichnete.

Cordova war‘s egal, er wollte aber anschließend keine Interviews geben. Dabei ist sein Deutsch schon sehr gut, doch wegen der Unsicherheit verweigerte er einen Kommentar. Dafür sprach Trainer Manuel Baum über seinen Schützling: „Sergio kommt sehr stark über die Physis. Er hat im Sechzehner einfach ein gutes Näschen und kann Bälle behaupten. Aber“, lenkte Baum ein, „er ist noch ein junger unerfahrener Spieler. Man darf es immer noch nicht vergessen, dass er aus einem anderen Kulturkreis kommt. Ich weiß, ich wiederhole mich da laufend, aber Bundesliga ist nicht so einfach.“

An der Stürmerhierarchie wird daher nicht gerüttelt: Der Trainer legte fest, dass Alfred Finnbogason der erfahrenste Stürmer sei. Auch, weil bei ihm die Torquote stimme. „Aber Sergio hat bewiesen, wie wichtig er für uns ist.“

Die Zahlen geben dem Trainer (noch) Recht. In der Bundesliga traf der Isländer in 5244 Minuten 32 mal. Also 163 Minuten. Cordova kommt „nur“ auf eine Tore-pro-Minute-Quote von 210 Minuten (fünf Treffer in 44 Partien).

Dennoch: „Der Sergio Cordova im Vergleich zur Hinrunde hat sich deutlich gesteigert. Ich gehe davon aus, dass da noch mehr kommt.“ Ob das mit der Leihe von Caiuby zusammenhängt? Die beiden spanisch-sprechenden Profis waren privat viel unterwegs. Der Einfluss des brasilianischen Skandalspielers ist bekannt. Jetzt, ohne Caiuby, kann sich Cordova voll auf den Sport konzentrieren. Hat denn Caiuby Cordovas Entwicklung gebremst? Baum will es nicht ausschließen, lächelt aber nur auf SoPress-Nachfrage: „Das ist hypothetisch. In der Kabine waren sie jedenfalls nicht nebeneinander gesessen.“ Viele instagram-Bilder zeigen aber sehr wohl, dass die beiden Südamerikaner viel Kontakt miteinander hatten.

Integriert jedenfalls ist Cordova, wie der Fußballlehrer bestätigt. Der Venezolaner sei regelmäßig am internen Uno-Tisch zu finden. „Sprachlich wird es auch immer besser. Wobei wir mit Johnny Schmid und Alfred Spieler haben, die spanisch mit ihm sprechen können. Aber Sergio versteht sehr, sehr viel“, erklärt Baum.

Was ebenfalls für Cordova spricht: Während Alfred Finnbogason mit Island noch am Montagabend daheim gegen Frankreich spielt, muss Cordova „nur“ zum Testspiel nach Spanien reisen. Dort duellierten sich Venezuela und Argentinien um Weltstar Lionel Messi. Der Außenseiter gewann in Madrid überraschend mit 3:1, Cordova kam aber nicht zum Einsatz. Schade eigentlich, denn aktuell deutet alles darauf hin, dass bei ihm der Knoten geplatzt ist.

Text: Dennis Amedovski
Foto: Kolbert