„Eistonne? Benötige ich nicht!“

Interview_BradyLamb

BRADY LAMB Der Verteidiger steht am längsten auf dem Eis. Dennoch geht ihm nie die Puste aus

Diese Halbfinal-Serie ist schon jetzt nach nur zwei Spielen unvergesslich. Der unglaubliche Heimsieg im Hexenkessel Curt-Frenzel-Stadion ist da die jüngste Episode. Und dann war da ja noch das Auftaktspiel. In einer historischen Schlacht lieferten sich die Panther und München über 102 Minuten ein unglaubliches Duell. Das längste Eishockeyspiel in der Klubgeschichte des AEV und außerdem das siebtlängste Spiel der DEL-Geschichte. Am meisten Eiszeit dabei hatte Brady Lamb…

SoPress: Herr Lamb, kennen Sie eigentlich das bekannte Eistonnen-Zitat von Per Mertesacker?
Lamb: Nein, wieso?

SoPress: Mertesacker hat bei der Fußball-WM 2014 nach dem Achtelfinal-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Algerien in einem TV-Interview gesagt, er würde sich jetzt erst einmal drei Tage in die Eistonne legen. Das hätten Sie nach Spiel 1 gegen München auch gut gebrauchen können, oder?
Lamb (lacht): Das wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, aber wir hatten ja nicht einmal drei Tage Zeit. Aber im Ernst: Manche der Jungs springen schon gerne nach dem Spiel oder nach dem Training in die Eistonne. Sie schwören darauf. Aber für mich ist das nicht das Richtige, da hat eben jeder seine eigene Routine.

SoPress: Wie sah dann Ihr Regenerations-Programm nach dem Marathon-Match vom Mittwoch aus?
Lamb: Eigentlich gar nicht so anders als nach jedem gewöhnlichen Spiel. Guter Schlaf ist wichtig und das richtige Essen, um die Akkus wieder aufzuladen. Ansonsten war ich auf dem Fahrrad, um die Beine auszulockern und ein bisschen anzuschwitzen. Auf dem Eis waren wir nach dem Spiel allerdings nicht.

SoPress: Die Partie war mit 102 Minuten das siebtlängste Spiel der DEL-Geschichte, Sie persönlich hatten mit 43 Minuten und 17 Sekunden die längste Eiszeit von allen. Kann man sich auf so ein Spiel überhaupt vorbereiten?
Lamb: Es ist natürlich schwierig, sich auf ein Spiel mit sechs Dritteln vorzubereiten. Das ist schon eine außergewöhnliche Situation und nicht das, was wir gewohnt sind. Um ehrlich zu sein: Man kann das nicht trainieren, aber man muss einen Weg finden, die Beine in Bewegung zu halten und sich durchzubeißen. Dafür braucht man natürlich ausreichend Essen und Trinken, genug Energie eben.

SoPress: Können Sie sich daran erinnern, so etwas in Ihrer Karriere schon einmal erlebt zu haben?
Lamb: Nein. Also ich hatte schon öfter lange Spiele mit viel Eiszeit, aber das war auch für mich nochmal ein ganz anderes Level.

SoPress: Bei Heimspielen erhebt Ihr Athletik-Coach Sven Herzog Daten bezüglich der individuellen körperlichen Belastung für die Spieler. Für das Auswärtsspiel lässt sich das nur schätzen, aber wie war Ihr Gefühl? Wieviel über dem normalen Durchschnitt lagen Sie da?
Lamb: Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, es war fast das Doppelte. Ich meine, es war wie zwei Spiele auf einmal, also lag mein Belastungsniveau ungefähr bei 140 Prozent. Aber damit war ich auch nicht allein, viele Jungs hatten eine wahnsinnig hohe Eiszeit. Vor allem in der Defensive, aber auch einige unserer Stürmer haben über 35 Minuten gespielt. Wenn man in diese Sphären kommt, dann ist das immer hart für den Körper.

SoPress: Wie groß war die Enttäuschung, diese Eishockey-Schlacht am Ende verloren zu haben und wie wichtig war es, gerade nach so einem Spiel mit einem Sieg zurückzukommen?
Lamb: Klar waren wir nach so einem Fight enttäuscht, aber das Gute ist, dass man in den Playoffs gar nicht so lange Zeit hat, darüber zu grübeln. Der Sieg zuhause war natürlich enorm wichtig und war genau das, was wir wollten und brauchten. Wir wussten, dass wir im zweiten Spiel unsere Akzente setzen und unser Spiel durchziehen wollten. Das haben wir geschafft und dass wir nach so einem kräftezehrenden Spiel mit einem Sieg zurückgekommen sind, zeigt die Energie unserer Mannschaft und auch unsere mentale Stärke.

SoPress: Auch bei Spiel 2 haben nur wenige Sekunden bis zur Overtime gefehlt. Müssen Sie sich in dieser Serie gegen München darauf einstellen, dass es noch öfter in die Verlängerung geht?
Lamb: Das ist gut möglich. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass auch die verbleibenden Spiele sehr eng werden. Das ist das Halbfinale, München ist ein gutes Team und auch wir haben unsere Stärken gezeigt. Die Serie wird also bis zum Ende spannend bleiben. Wenn es dabei nochmal in die Verlängerung geht, sind wir bereit. Wir haben gezeigt, dass wir das körperlich packen!

Interview: Maximilian James
Foto: Kolbert