Peinliche Pleite zum Abschied

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1:8 – Niederlage Trainer Schmidt: „Muss mich entschuldigen“

Eigentlich ist FCA-Trainer Martin Schmidt immer für einen guten Spruch zu haben. Selten verschlägt es ihm die Worte. Doch nach der 1:8-Niederlage beim VfL Wolfsburg musste auch der Schweizer zunächst schlucken. „Schreibt auf: Der Trainer war sprachlos“, diktierte er in die Notizblöcke der Journalisten.

Natürlich aber fand der 52-Jährige eine Erklärung für das Debakel und die dürfte den Spielern nicht gefallen: „Wahrscheinlich waren einige mit ihrem Kopf im Urlaub oder bei ihrem neuen Verein. So etwas ist nicht akzeptabel. Die Augsburger Mentalität war nicht zu sehen. Gefühlt haben wir ein Viertel der Zweikämpfe gewonnen. Ich muss mich dafür entschuldigen.“

Doch komplett den schwarzen Peter wollte Schmidt den Spielern nicht zuschieben. Zu einem Teil nehme er die Niederlage auch auf seine Kappe: „Vielleicht habe ich im Training einige Spieler besser gesehen. Und es waren auch Spieler auf dem Platz, die über keine Bundesliga-Fitness verfügten, aber es war das letzte Aufgebot.“

Tatsächlich musste der Schweizer ohne viele wichtige Stützen auskommen: Philipp Max fehlte wegen einer Gehirnerschütterung, Kostas Stafylidis musste wegen Oberschenkel-Problemen raus, Rani Khedira bekommt schon länger eine schöpferische Pause, auch Ja-Cheol Koo stand nicht zur Verfügung und die Langzeitverletzten wie Alfred Finnbogason, Sergio Cordova, Felix Götze, Raphael Framberger oder Fredrik Jensen tun ihr Übriges, damit der Trainer zur Personalsituation sagt: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die, die beim 1:8 auf dem Platz standen, waren ebenfalls sprachlos: „Das hatte nichts mit Fußball zu tun“, schimpfte Julian Schieber. „Wir haben keine Reaktion gezeigt, unsere Körpersprache ist immer mehr nach unten gegangen. Am liebsten hätten wir nach 50, 60 Minuten aufgehört“, so der Stürmer der sich angesichts der hohen Niederlage nicht über seinen Premierentreffer freuen wollte. Sein Tor zum 1:6 war der einzige Lichtblick eines trostlosen Abends.

Neben der eigenen fragwürdigen Verfassung kam aber auch hinzu, dass der VfL jedes Tor benötige, um noch irgendwie auf Rang 5 zu klettern. Immer wieder trieb Bruno Labaddia in seinem letzten Spiel als Wolfsburg-Trainer, seine Jungs an, Gas zu geben. So zwang sich Martin Schmidt, den VfL-Kapitän Robin Knoche mal zur Seite zu nehmen und zu fragen, warum immer noch mit voller Power gespielt werde.

Doch statt den Gang beim Stand von 5:0 rauszunehmen, blieben die Wölfe torhungrig, wobei es ihnen der FCA sehr leicht machte. Torhüter Gregor Kobel frustriert: „Das war ein Totalausfall. Irgendwann war der Punkt, dass ich mich geschämt habe. Da kann man nichts schön reden.“

Auch Kapitän Daniel Baier ging hart ins Gericht: „Bis wir gecheckt haben, dass Wolfsburg Tore wollte, haben wir schon fünf, sechs, sieben Dinger kassiert.“ Ausgerechnet in seinem Geburtstagsspiel bei seinem Ex-Verein kassierte der Mr. FCA die Rekordpleite: „Auf diese Marke hätte ich gerne verzichtet.“ Mit Blick auf die neue Saison warnt der nun 35-Jährige: „Wir müssen mehr machen. Solche Klatschen hatten wir früher selten. Es ist etwas Besonderes, Samstagnachmittag Bundesliga zu spielen. Diese Wertschätzung haben wir nicht gezeigt. Das müssen wir dringend ändern, sonst stehen wir nächste Saison nicht mehr hier und freuen uns über den Klassenerhalt. Was gibt es denn geiles als jede Woche Bundesliga zu spielen?“

Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter pflichtet dem Kapitän bei: „Es waren einige Spieler auf dem Platz, die mich sehr enttäuscht haben. Da haben Einstellung und Fokussierung nicht gepasst. Das hatte mit erster Liga nichts zu tun. Vielleicht wollte der eine sich nicht mehr verletzten oder der andere war mit seinen Gedanken schon im Urlaub oder bei seinem neuen Verein. Solch ein Auftritt tut sehr weh.“
Gleichzeitig zeigte es aber auch, wo Reuter, Schmidt & Co. künftig ansetzen müssen: „Wir müssen ein ganz anderes Gesicht zeigen. Wir wollen wieder den FCA als kompakte Einheit mit Leidenschaft und Gier sehen. Dafür müssen wir sehr viel tun.“

Am letzten Sonntag, dem Tag nach dem Debakel, stehen aber viele Gespräche und medizinische Tests an. Erst ab Montag haben die Spieler Urlaub, wobei ein Teil auch hier bleibt. Verletzte oder angeschlagene Spieler werden durchgehend behandelt, einige Akteure halten sich bereit für Einsätze bei Nationalteams. Doch egal ob nun am Pool, auf der Behandlungsbank oder im Flieger, diese Niederlage wird noch lange wirken.

Entsetzen auf der Ersatz- und Trainerbank

Text: Dennis Amedovski
Bilder: Kolbert