Nichts im Griff – Augsburg letzter

FCA-gegen-BVB

Auftaktniederlage FCA geht nach starkem Beginn beim BVB mit 1:5 unter

Martin Schmidt und Stefan Reuter standen nach Spielende eng zusammen und unterhielten sich. Was wohl das Thema war? Vielleicht, warum der FCA gerade eben mit 1:5 gegen Borussia Dortmund untergegangen ist? Wo man den Kader noch verstärken könnte? Oder welchen Spieler man noch abgeben würde? Jedenfalls fingen die Kameras den Trainer und den Sport-Geschäftsführer bei deren auffälligem Gespräch kurz nach Spielende ein.

Zu dem Zeitpunkt stand auch schon Kapitän Daniel Baier bei den Kollegen von sky zum Interview bereit. Dort ließ der Spielmacher seinem Frust freien Lauf: „Wir haben richtig auf die Fresse bekommen. In der zweiten Hälfte sind wir nicht mehr in die Zweikämpfe gegangen, Dortmund hat mit uns Katz und Maus gespielt und wir haben uns nicht gewehrt. Zur Not muss man da einfach jemandem weh tun. Nicht im Sinne von verletzen, sondern den Gegner spüren lassen, dass wir da sind. Bei uns war das Begleitschutz. Das war fahrlässig.“

Dabei begann die Partie mit einem Traumstart. Schon nach 31 Sekunden lag der Ball im vom ehemaligen Augsburger Marwin Hitz gehüteten Kasten im Tor. Vorausgegangen war eine sehenswerte Kombination über die Augsburger linke Seite. Carlos Gruezo spielte einen cleveren Ball auf Mads Pedersen, dessen Flanke fand in der Mitte mit Florian Niederlechner den perfekten Abnehmer. Nach 31 Sekunden war der FCA sogar Tabellenführer!

Dann aber drehte Dortmund auf, auch weil die Augsburger den Titelfavoriten machen ließen. Dass dann der Ausgleich nur zwei Minuten später durch Paco Alcacer kassiert wurde, bezeichnete Rani Khedira als bitter. „Nach der Pause konnten wir das Spiel nicht mehr halten. Man muss aber auch bedenken, dass der Gegner eine richtig gute Partie gespielt hat.“

Welche Niveaus die selbst ernannten Meisterschafts-Kandidaten aus Dortmund haben, wurde in den zweiten 45 Minuten zur Schau gestellt. Fehlte bei der Borussia in der ersten Hälfte noch die Konsequenz, waren sie nach dem Seitenwechsel enorm spielstark. Auch weil beim FCA, wie Trainer Martin Schmidt anmerkte, die Körperlichkeit fehlte: „Wir haben viele Bälle zu schnell verloren und keine Entlastung mehr bekommen. Wir haben es nicht geschafft, das Tempo des Gegners auf den Außenbahnen zu verteidigen. Vor uns liegt noch viel Arbeit.“

Auch für Torhüter Tomas Koubek. Der 7,5-Millionen-Euro-Mann erlebte einen wenig erfreulichen Nachmittag. Zwar zeichnete sich der Tscheche mit einigen guten Paraden nach Distanzschüssen aus, insgesamt aber war er an mindestens drei Toren Schuld – wenn auch unglücklich. Vor dem ersten Gegentor wehrte er den Ball mit dem Fuß ab, allerdings genau in die Richtung des spanischen Stürmers. Nicht nur sky-Experte Dietmar Hamann kritisierte, dass das unnötig war.

Beim zweiten Tor durch Jadon Sancho (51.) rutschte ihm der Ball durch seinen Fünfmeterraum, anschließend flog er in die falsche Ecke. Den Triple-Patzer machte Koubek sechs Minuten später perfekt, als er eine Flanke von Sancho nach vorne abklatschen ließ. Alcacer reagierte blitzschnell, spielte zu Marco Reus, der ins leere Tor traf. Trainer Schmidt nahm Koubek dennoch in Schutz: „Tore bekommt man immer im Verbund. Er hat erfahren müssen, wie schnell es gehen kann, wenn die Abstimmung zwischen Defensivverbund und Torwart nicht stimmt. Es ist daher unfair, einen rauszunehmen. Seine Leistung war korrekt. Sicher, bei ein, zwei Toren hatte er die Hand dran, aber die fünf Tore hat nicht er kassiert, sondern wir als Team.“

Schwacher Trost: Bei den weiteren Toren von Alcacer (59.) und Julian Brandt (82.) war Koubek chancenlos. Sicherlich werden Schmidt und Reuter auch darüber gesprochen haben.

Keinen Zugriff: Carlos Gruezo (rechts) gegen Nico Schulz.
Gegen die schwarz-gelbe Dominanz konnte auch Daniel Baier nichts machen.

Text: Dennis Amedovski
Fotos: Roland Renftel