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Der längste Sommer aller Zeiten

Die beste Nachricht für alle, denen Eishockey in Augsburg wichtig ist, kam im Spätherbst des Jahres: „Die Existenz der Panther ist unter den aktuellen Bedingungen auch über die Saison 2020/21 hinaus gesichert“, so der geschäftsführende Gesellschafter Lothar Sigl in einer Mitteilung im November.

Dass eine solche Mitteilung überhaupt so großen Nachrichtenwert hat, ist das eigentlich Verrückte. Aber was war schon normal im Krisenjahr? Für den Eishockeysport so gut wie gar nichts!
Und so standen auch Selbstverständlichkeiten auf dem Spiel. Dass Sigl gegen Jahresende überhaupt ausnahmsweise auch einmal positive Nachrichten verkünden konnte, hatte vor allem einen Grund: Es konnten mit zahlreichen Werbepartnern die Verträge bereits verlängert oder in die Saison 2021/22 übertragen und damit das finanzielle Überleben der vom Hauptverein AEV unabhängigen Profiabteilung der Panther gesichert werden. Sigl und seine Mitstreiter wissen diese Solidarität zu schätzen, denn: „Nicht zuletzt aufgrund des erneuten Zuschauer-Verbots ist klar, dass wir einen sehr großen Teil unserer Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern nicht erfüllen können.“

Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. In einer sportlich sehr durchwachsenen Saison konnten sich die Panther in den ersten Monaten des Jahres 2020 nach langem Kampf doch noch über dem Strich in der Tabelle platzieren und somit als Zehnter gerade noch für die Playoffs qualifizieren. Doch die Freude darüber währte nur kurz, extrem kurz sogar. Denn gerade einmal zwei Tage nach dem 4:1-Heimsieg gegen die Kölner Haie am letzten Hauptrundenspieltag beschloss die DEL die Absage der K.O.-Runde. Ausschlaggebend war die dringende Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, Großveranstaltungen abzusagen. Erstmals in der 26-jährigen Ligageschichte ging so eine Saison ohne einen Meister zu Ende.

Was da noch keiner ahnen konnte: Es sollte der Start in die längste eishockeyfreie Zeit seit Ende des zweiten Weltkriegs sein. Nach der ersten Corona-Welle nahmen DEL und Vereine mehrere Anläufe für einen Start in die neue Saison. Immer wieder musste nach hinten verschoben werden, lange schien keine Lösung in Sicht, an eine reguläre Saison mit 52 Spieltagen und Playoffs glaubte zu diesem Zeitpunkt ohnehin keiner mehr.

Die Gretchenfrage dabei war die nach dem Publikum. Anders als beispielsweise die Fußball-Liga sind die DEL-Klubs auf die Zuschauereinnahmen finanziell angewiesen. Bei einer zu geringen Stadionauslastung droht ein wirtschaftliches Desaster mit existenzbedrohenden Folgen: „Wir können die Saison nur durchziehen, wenn dadurch das wirtschaftliche Überleben auch über die Saison hinaus nicht gefährdet wird“, erklärte Panther-Prokurist Leonardo Conti die heikle Situation.

Geisterspiele wie beim Fußball waren für die Panther zunächst also kein Thema – wirtschaftlich quasi nicht umsetzbar. So verlagerte sich die Hoffnung auf den Sommer, als die Politik auch für Sportveranstaltungen weitere Lockerungen in Aussicht stellte.

Die kamen zwar tatsächlich, doch statt des erhofften Befreiungsschlags fühlten sich die getroffenen Regelungen für die Panther an wie ein weiterer heftiger Bandencheck: „Wir waren geschockt, als wir gehört haben, dass nur eine Stadionauslastung von 20 Prozent erlaubt ist. Auf 30 bis 40 Prozent hätten wir im Hinblick auf weitere Lockerungen im Saisonverlauf aufbauen können“, so Conti im September.

Von der Politik hätte sich der Panther-Funktionär damals vor allem eine deutlichere Kommunikation gewünscht: „Wenn ich auf März, April zurückblicke, kann man da keinen Vorwurf machen. Aber wir sind seitdem im Blindflug in dichtem Nebel. Mittlerweile fehlt komplett die Perspektive.“

Neben der wirtschaftlichen Situation war das Jahr 2020 natürlich auch für die Spieler eine enorme Herausforderung. Seit dem Saisonabbruch im März befanden sich die Kufen-Cracks in Kurzarbeit. Wenig bis keine Eiszeit, kein Training mit der Mannschaft und überhaupt kein Spielrhythmus – was zunächst wie eine ganz normale Sommerpause begann, zog sich über Monate. Eine Situation, die dem langjährigen Spieler und heutigen Sportmanager Duanne Moeser große Sorgen machte: „Es ist der längste Sommer aller Zeiten. Mental ist das für jeden Spieler die Hölle, gerade in Verbindung mit der Unsicherheit. Als Profisportler musst du sehr diszipliniert sein. Man muss auf vieles verzichten und unglaublich viel investieren, um auf absolut höchstem Niveau performen zu können. Dafür muss man aber ein Ziel vor Augen haben.“

Durch Kurzarbeit zur Arbeitslosigkeit verdammt, mieteten sich einige Spieler privat und unabhängig vom Verein Eiszeiten, um wenigstens sporadisch auf das ansonsten so gewohnte glatte Terrain zurückzukehren. Als im November der zweite Lockdown kam, war auch das nicht mehr möglich. Erst gegen Jahresende keimte neben der Sponsoren-Meldung auch sportlich etwas Hoffnung auf: Der Deutschland Cup wurde ohne Zuschauer ausgetragen, ebenso wie ein von DEL und Telekom ausgetragenes Vorbereitungsturnier. Ein Lichtblick, aber: Die Panther waren nicht dabei. Anders als für die acht teilnehmenden Teams, wäre für den Augsburger Klub mit geringem Etat das wirtschaftliche Risiko zu groß.

Schließlich doch eine Entscheidung: Die Saison soll Mitte Dezember starten, zunächst aufgeteilt in eine Nord- und eine Südgruppe und weniger Spiele gegen die Teams aus dem jeweils anderen „Lager“. Ob und wie sich dann eine Meister ermitteln lässt, wird sich 2021 zeigen. Die Panther jedenfalls sind in der neuen Sonder-Saison dabei. Doch das Wichtigste: Die Panther bleiben auch über die Krisensaison hinaus bestehen und Augsburg bleibt Eishockeystadt!

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