Never change a winning Team, unter diesem Motto wählte Enrico Maaßen gegen die Bayern die gleiche Aufstellung wie beim Sieg gegen Bremen aus der Woche zuvor – mit vier nominellen Stürmern. Ein Risiko, das sich auszahlen sollte.

Der FCA begann mutig, störte die Gäste früh in ihrem Aufbauspiel und kam so zu einigen aussichtsreichen Ballgewinnen und somit auch Chance. Die erste vergab Florian Niederlechner in der 12. Minute aus aussichtsreicher Position frei vor Manuel Neuer, seinem Aufsetzer fehlte es an Wucht. Aber das Spiel der Augsburger offenbarte auch Schwächen, war die erste Pressinglinie mal überspielt. Dann rannten die Münchner des Öfteren mit viel Tempo und Platz auf den Kasten von Rafal Gikiewicz zu, der die Chancen von Sadio Mané (13.) und Leroy Sané (17.) aber kompromisslos zunichte machte. Es entwickelte sich ein sehr ansehnliches Spiel, indem beide Mannschaften mit offenem Visier spielten. Aussichtsreiche Chancen gab es hüben wie drüben, einzig der Ball wollte nicht ins Tor. Maximilian Bauer scheiterte gleich zweimal frei vor Manuel Neuer (26. und 38.) und auch Jamal Musialas Versuche, wie zum Beispiel in Minute 33, als der Youngster links im Strafraum vor Gikiewicz auftauchte, fanden nicht den Weg in die Maschen. So ging es fast schon kurioserweise torlos in die Pause.

Berisha erlöst den FCA und ballert Bayern in die Krise

In der zweiten Hälfte übernahm der Rekordmeister dann mehr und mehr die Kontrolle, nutzte den Raum im Rücken der Augsburger deutlich besser und kam direkt zu weiteren guten Gelegenheiten. Dennoch behielten die Augsburger einen kühlen Kopf und erzielte mitten in die Drangphase der Bayern das 1:0 (59.). Ein Freistoß aus der eigenen Hälfte trat Kapitän Jeffrey Gouweleeuw gekonnt in den gegnerischen Strafraum zu Iago, der in die Mitte legte, wo Mergim Berisha sträflich frei gelassen wurde und mit einem platzierten Schuss das Stadion in Ekstase versetzte. Die Bayern versuchten von nun an alles, den nächsten drohenden Punktverlust in der Liga zu vermeiden, doch der FCA kämpfte weiter aufopferungsvoll und schenkte den Gästen nichts. Vor allem Rafal Gikiewicz wuchs – mal wieder – über sich hinaus und hielt alles, was auf sein Tor kam. So auch am Ende der Nachspielzeit, als er sogar nach einer Ecke einen Kopfball von Neuer mit einem Wahnsinnsreflex herausfischte. Und dann war Schluss, das Stadion stand kopf, die Augsburger Mannschaft ließ sich ausgiebig von den Fans in der Kurve feiern.

Reuter: „Noch nie so viele Chancen gegen die Bayern wie heute“

Viel zu lachen hatte nach Spielschluss dann natürlich auch Sportgeschäftsführer Stefan Reuter, der für die Leistung der Augsburger Mannschaft nur lobende Worte übrig hatte: „Großes Kompliment an die Mannschaft, mit welcher Leidenschaft sie aufgetreten sind.“ Der Maaßensche Offensivfußball hatte es ihm sichtlich angetan, so sagte er weiter: „Wir hatten gegen Bayern noch nie so viel Chancen wie heute.“ Das überraschte auch FCA-Keeper Gikiewicz, der nach dem Spiel seinen Trainer und den offensiven Ansatz lobte. „Enno hat wirklich dicke Eier. Er hat uns vor dem Spiel gesagt: Entweder verlieren wir 5:0 oder gewinnen.“

Am Ende war es der knappe Sieg, der dem FCA nicht nur mental, sondern auch in der Tabelle ordentlich Auftrieb gibt. Mit neun Punkten aus sieben Spielen ist man voll im Soll und startet maximal entspannt in die Länderspielpause, ganz anders als die Bayern, die zumindest vorerst den Anschluss an die Tabellenspitze verloren haben und nur noch drei Punkte Abstand zum FCA haben.