Was der FCA-Sprecher zum Rauswurf sagt

Fußball-Debatte: Bremen entlässt Mann am Mikro

Fehlleistungen bei Spielen gegen den FC Augsburg – eine riskant Sache. Nicht weniger als sieben Bundesliga-Trainer haben ihren Job verloren, nachdem ihr Team gegen den FCA schwächelte. Nun hat es einen Stadionsprecher erwischt. Werder Bremen feuerte Christian Stoll – nach dem 0:1 der Weserstädter (am 9. September) gegen den FC Augsburg. „Ich darf parteiisch sein“, sagt dazu Augsburgs Stadionsprecher Rolf Störmann, „muss aber meinen Grenze kennen“. Störmann war 2007 auch schon einmal als Sprecher an einem Streit beteiligt. Dazu später mehr.
Was Bremen-Sprecher Stoll gesagt hat – er bestreitet es nicht und hat sich inzwischen dafür entschuldigt – war im Stadion nicht zu hören. Zunächst soll er Schiedsrichter Martin Pedersen nach Abpfiff am Spielfeldrand derart beleidigt haben, dass er empfahl, Petersen möge „lieber Kreisliga pfeifen“. Und dann hatte der Stadionsprecher noch gegenüber FCA-Manager Stefan Reuter die Bewertung parat, er, Reuter, habe eine Truppe von Unsympathen am Start. Mehrere Vertreter beider Vereine und das Schiedsrichter-Team sind Ohrenzeugen der Aussagen geworden. „Nach mehreren Gesprächen in den letzten Wochen wurde die Entscheidung getroffen, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden“, verkündete der norddeutsche Bundesligist.
Stoll selbst zeigte sich überzeugt davon, dass seine Aussagen vom 9. September nicht die eigentliche Ursache für die Trennung gewesen seien. Vielmehr habe es im Vorfeld mehrmals Meinungsverschiedenheiten ergeben, etwa bezüglich der Ansichten Stolls über Geisterspiele oder den Kölner Keller (wo die Video-Schiedsrichter sitzen).
Knatsch in Sachen Stadionsprecher – das kann Augsburg aber auch. Bei manchen Fans in Erinnerung ist ein Vorfall aus Zeiten der zweiten Bundesliga, als der FCA 2007 zum Saisonauftakt 2:6 gegen die Münchner Löwen verlor. Das 0:1 war eine Art Wembley-Tor, Latte dann Linie, als Tor gegeben. Und dann war im Fernsehen zu sehen gewesen, dass der Ball nicht mit ganzem Umfang im Tor war, also eigentlich kein Treffer. „Das müssen wir klarstellen“, hatte der damalige Augsburger Manager Andreas Rettig einem Mitarbeiter im Stadion gesagt, der wiederum einen Zettel schrieb, der bei Stadionsprecher Rolf Störmann landete. Und der verlas in der Halbzeitpause jene Notiz, dass es sich beim 1:0 der Sechziger um ein irreguläres Tor gehandelt habe. Es folgten wütende Proteste der FCA-Fans.
„Das ist ein absolutes Novum in der Bundesligageschichte“, sagte damals Manfred Amerell, vormaliger Augsburger Bundesliga-Schiedsrichter. Als „verantwortungslos“ bezeichnete er das Verhalten des Sprechers. Amerell und andere hatten damals beschlossen, die Halbzeitpause um zehn Minuten zu verlängern, um die Sache zu entspannen. Am Ende habe zuvorderst das deutliche Ergebnis von 6:2 für 1860 München zur Beruhigung beigetragen. Rettig nahm die Schuld auf sich, der FCA zahlte 3000 Euro Strafe.
Augsburg-Sprecher Störmann, im Hauptberuf Moderator bei Radio rt.1, ist als Stadionsprecher Mitarbeiter des FCA, dessen Fan er ist. Was man ihm als Sprecher – ähnlich wie seinen übrigen Kollegen – auch anmerken dürfe. Dass der Stadionsprecher für Stimmung sorge und die Fans bei Laune halte, sei gängige Praxis. Vieles, was er durchsage, Torschützen etwa, beobachte er selbst, andere Angaben bekomme er vom Schiedsrichter-Team. Eine Leitlinie für Stadionsprecher erwarte von ihm unter anderem, im Falle des Falles deeskalierend zu wirken. Manches, so Störmann, dürfe er als FCA-Fan am Stadion-Mikrofon zwar denken, aber eben nicht aussprechen.