Die Wertach in Augsburg gleicht in diesen Wochen einem Rinnsal. Der Wasserstand im Fluss wird momentan als „sehr niedrig“ eingestuft. Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) ist die gesamte Region Augsburg von einer Niedrigwassersituation betroffen. Entwarnung geben die Stadtwerke noch für das Grundwasser und Trinkwasser.
Bei weiter ausbleibenden Niederschlägen rechnen Experten mit einer Verschärfung der Situation und zunehmenden Belastungen für die Gewässerökologie. Weniger Wasser bedeutet weniger Lebensraum für Tiere und Pflanzen in Flüssen und Bächen. Wasserpflanzen, Fische und andere Wasserorganismen können den veränderten Bedingungen nicht ausweichen. Durch das Austrocknen von Gewässerabschnitten sind einzelne Arten oder sogar ganze Lebensgemeinschaften vom Verschwinden bedroht.
Da flache Gewässer sich im Sommer schneller erwärmen, steigt der Energieverbrauch vieler Gewässerlebewesen und gleichzeitig sinkt der Sauerstoffgehalt. Weniger Wasser bedeutet eine geringere Verdünnung von Stoffen, die in die Gewässer gelangen oder durch biologische und chemische Prozesse entstehen. Höhere Nährstoffkonzentrationen fördern das Algenwachstum. Beim Abbau der Algen wird Sauerstoff verbraucht, wodurch sich die Lebensbedingungen für viele Wasserorganismen verschlechtern.
Die Abflüsse des Lechs werden dagegen bislang als „niedrig“ eingestuft. Der Fluss führt zwar für die Jahreszeit deutlich weniger Wasser als üblich, ist aber noch weit von historischen Extremniedrigwasserständen entfernt.
Augsburger Trinkwasser: Augsburgs Lage im Lechfeld
Augsburgs Lage im Lechfeld bezeichnet der Pressesprecher der Stadtwerke Augsburg (swa), Jürgen Fergg, als „eine sehr begnadete Position“ für die Wasserversorgung. „Hier kommt mit dem Lech von den Alpen her ein sehr ergiebiger Grundwasserstrom von Süden auf uns zu. Auch bei länger anhaltender Trockenheit und Hitzeperioden schwankt der Grundwasserpegel nur wenig, und der Strom ist so mächtig, dass wir auch bei Mehrbedarf und anhaltender Trockenheit genügend Wasser zur Verfügung haben. Es handelt sich um einen Grundwasserstrom, der stets nachfließt und sich erneuert. Das ist der Kern unserer nachhaltigen Trinkwasserversorgung in Augsburg und der Region“, betont Fergg.
Trotz der sicheren Versorgung werben die Stadtwerke für einen bewussten Umgang mit Trinkwasser. In Augsburg handelt es sich nicht um einen tief liegenden Grundwasserspeicher, sondern um einen kontinuierlich nachfließenden Grundwasserstrom. Wassersparen kann diesen nicht für spätere Hitzeperioden „auffüllen“, jedoch sollte Trinkwasser nicht verschwendet werden.
Die Hochbehälter der Stadtwerke dienen auch nicht als langfristige Wasserspeicher, sie gleichen die unterschiedlichen Wasserverbräuche im Tagesverlauf aus. Wie Fergg erklärt, wird nachts überschüssiges Wasser zwischengespeichert und morgens sowie abends, wenn der Verbrauch besonders hoch ist, zusätzlich in das Augsburger Leitungsnetz eingespeist.
Die zunehmenden Starkregenereignisse
Nach Einschätzung der Stadtwerke stellt nicht die verfügbare Wassermenge die größte Herausforderung des Klimawandels dar, sondern die zunehmenden Starkregenereignisse. Große Niederschlagsmengen versickern innerhalb kurzer Zeit im Boden, so lässt seine natürliche Filterwirkung nach.
Die Stadtwerke bauen verstärkt sogenannte Horizontalfilterbrunnen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Brunnen, die nur sechs bis sieben Meter tief sind, reichen diese bis in etwa zwanzig Meter Tiefe und sorgen für eine zusätzliche natürliche Filterung des Grundwassers. So kann das Augsburger Trinkwasser auch in Zukunft naturbelassen, ohne künstliche Aufbereitung direkt aus dem Wasserhahn getrunken werden.
In diesem Sommer leidet ganz Europa unter extremer Hitze und ihren Folgen. Die leichte Abkühlung und der minimale Regen der letzten Tage waren im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach Angaben des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus erleben wir derzeit den zweitheißesten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
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