Ein riesiges Finanzloch bei mehreren städtischen Beteiligungen zwingt Augsburg zum Sparen. Oberbürgermeister Florian Freund spricht von bis zu 700.000 Euro nicht gedeckten Ausgaben – das lässt weitere Einschnitte befürchten.
Augsburg bleibt im Oktober dunkel. Die Light Nights, die Jahr für Jahr Zehntausende Menschen in die Innenstadt lockten, sind für 2026 abgesagt. Was zunächst wie das Aus für eine einzelne Veranstaltung klingt, könnte nur der erste Dominostein in einer Reihe von schmerzlichen Einsparungen sein.
Offiziell begründet Augsburg Marketing die Absage mit der „aktuell angespannten städtischen Haushalts- und Finanzlage“. Die notwendige Finanzierung habe nicht sichergestellt werden können.
Florian Freund: „Das Geld müssen wir erst finden.“
Doch hinter dieser nüchternen Formulierung verbirgt sich offenbar ein grundsätzliches und zudem viel größeres Problem: Wie der REPORTER erfuhr, führen die Wirtschaftspläne mehrerer städtischer Beteiligungen zu massivem Kopfzerbrechen. OB Freund nennt auf Nachfrage des REPORTER erstmals eine konkrete Größenordnung. „Wir müssen erleben, dass unsere wirtschaftsnahen Beteiligungen Wirtschaftspläne aufgestellt haben, die im Haushalt nicht abgebildet waren“, erklärt Freund. „In diesen Wirtschaftsplänen stecken 600.000 bis 700.000 Euro Mehrausgaben, die nicht durch den Haushalt abgedeckt sind. Dieses Geld müssen wir erst einmal finden. Das wird nicht ohne Einschnitte gehen. Wir mussten jetzt die Light Nights absagen, weil wir das Geld im Moment nicht haben“, erklärt Freund. „Die Wirtschaftspläne mehrerer Beteiligungen sind schlicht gnadenlos unterdeckt. An solchen Stellen müssen wir ehrlich sein.“
Seit 2022 verwandelten Projektionen und Lichtinstallationen die Augsburger Innenstadt für mehrere Abende in ein kostenloses Freiluftkunstwerk. Noch 2025 wurden unter anderem der Rathausplatz, der Königsplatz, die Altstadt, der Stadtmarkt und der Martin-Luther-Platz bespielt. Verbunden waren die Light Nights mit einer langen Einkaufsnacht – und damit auch mit der Hoffnung auf zusätzliche Kundschaft für Handel und Gastronomie.
Florian Freund: Die Absage ist mehr als der Verlust eines schönen Herbstwochenendes
Gerade deshalb ist die Absage mehr als der Verlust eines schönen Herbstwochenendes. Sie trifft ausgerechnet ein Veranstaltungsformat, das für eine lebendige Innenstadt werben und wirtschaftliche Impulse setzen sollte. Welche Beteiligungen neben Augsburg Marketing betroffen sind und welche weiteren Projekte auf der Kippe stehen, ist bislang nicht öffentlich benannt. Eine konkrete Streichliste gibt es ebenfalls noch nicht. Klar ist nach Freunds Worten aber: Mit der Absage der Light Nights allein dürfte das Finanzloch nicht geschlossen sein.
Auch die Zukunft dieser Veranstaltung ist offen. Ob Augsburg 2027 wieder leuchten kann, hängt damit nicht nur von Sponsoren und Partnern ab, sondern auch davon, wie die Stadt ihre Beteiligungen künftig finanziert und welche Veranstaltungen sich die neue Rathausmehrheit noch leisten will. Zudem wird derzeit das gesamte städtische Festivalprogramm überprüft. Freund will in Sachen Einsparungen mit offenen Karten spielen: „Da führt kein Weg daran vorbei. Wir müssen es den Leuten klar sagen.“ Und er macht deutlich, wo er in Zeiten knapper Kassen seine Prioritäten setzt: „Ich bin jemand, der Geld lieber in Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Entwicklung investiert.“
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