-0.3 C
Augsburg
Sonntag, 01. Februar 2026

Zehn Jahre Bahnhof-Umbau, und unsere Volksvertreter schauen tatenlos zu

Must read

Nicht alle Jubiläen geben Anlass zum Feiern. Bestes Beispiel: Die Sanierung des Augsburger Hauptbahnhofs. Genau vor zehn Jahren begannen die Umbauarbeiten und bis jetzt ist gerade einmal die Hälfte der Planung realisiert. Und das bei einer Kosten-Explosion auf 251 Millionen Euro, davon allein 46,8 Millionen Euro Planungskosten.

Als nächsten Schritt sperrt die Bahn „auf längere Zeit“ die Parkplätze auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Zugang zu Treppen und Aufzug im Posttunnel am nördlichen Bahnsteigende wird geschlossen. Kaum ist das von den Stadtwerken während der Tunnelarbeiten errichtete Container-Quartier verschwunden, werden an gleicher Stelle neue Container als Unterkünfte für Bahnhofsmission und Kundenzentrum der Regio-Bahn aufgestellt. Am Gleis 1 beginnt man mit der Erneuerung der Bahnsteig-Dächer. Zu einem Termin für die Fertigstellung der Arbeiten gibt die Bahn keine Auskunft.

Corona, Fachkräftemangel, steigende Energiepreise – alles nachvollziehbare Argumente für Bauverzögerungen. Aber wie stiefmütterlich Augsburg von der Bahn nicht allein mit der Projektlaufzeit behandelt wird, ist im Vergleich zu anderen Großprojekten des bundeseigenen Unternehmens ein Skandal.

Die Baustelle am Bahnhof wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen

Aber leider fühlen sich unsere Volksvertreter nur als unbeteiligte Zuschauer. Ursache dafür ist wohl auch das gespaltene Verhältnis von Stadtregierung und Landkreischef. Von Oberbürgermeisterin Eva Weber und Martin Sailer, der auch noch als Bezirkstagspräsident fungiert, wäre längst eine lautstarke gemeinsame Protestaktion fällig gewesen. Und natürlich sind hier auch die Abgeordneten, IHK und Handelskammer in der Pflicht. Kaum zu glauben: Täglich 44.000 Fahrgäste, 900 Personenzüge und über Jahre hinweg ist nach Meinung von Experten nur die Hälfte der geplanten Bahnhof-Kapazität verfügbar.

Da lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf den „Bahnhof des Jahres 2009“ in Erfurt. Dort dauerte die optimale Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes von 1893 acht Jahre, kostete 260 Millionen Euro und funktioniert heute perfekt als ICE-Drehkreuz.

Das Vorzeige-Projekt einer „Unterirdischen Mobilitätsdrehscheibe“, als zukunftsorientierte Verknüpfung von Bahn und Tram 2007 angekündigt, wird noch viele Millionen kosten. Und es wird noch lange keine Klinikum-Linie 5 den Millionen-Tunnel durchqueren können. Auch ob man ab 2030 vor dem Bahnhof wieder parken kann, steht in den Sternen. Ein Dauer-Fall für das jährliche Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes.

Lesen Sie auch: Bis zum Klo-Papier: Die teure Selbstdarstellung der Stadt

KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN

Erfahren Sie als Erster, wenn unser neues Magazin veröffentlicht wird – exklusiv vor allen Anderen!

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article