Jetzt wird der Augsburger Rathauswahlkampf vielleicht noch spannender als erwartet. Es zählt dabei zwar natürlich, wer den ersten Platz im OB-Rennen macht. Entscheidend ist, welche parteipolitische Zusammensetzung uns das Wahlergebnis am 8. März bescheren wird. Noch nie bewarben sich so viele Parteien mit insgesamt rund 600 Kandidaten.
Spannend zum Beispiel dürfte sein, wie die Grünen nach sechs Jahren Mit-Regierung im Rathaus vom Wahlvolk beurteilt werden? 2019, als die Grünen bundesweit im Höhenflug waren, verfügte Augsburgs Innenstadt über reichlich kostenfreie Parkplätze, der Einzelhandel freute sich über seine Stammkunden, die mit dem Auto aus dem Umland kamen. Heute ist vieles nicht mehr so. Fast hat man sich an den Schwund unternehmergeführter Fachgeschäfte und die Laden-Leerstände in der City gewöhnt.
Dies allein den Grünen anzulasten, wäre unfair. Aber sie waren halt (mit großem Einfluss auf den Partner CSU) in der Verantwortung. Für die nächsten Wochen ist es vorbei mit der schwarzgrünen Gemeinsamkeit. OB Eva Weber und Bürgermeisterin Martina Wild touren als Rivalinnen um das höchste Amt durch die Stadtteile.
Noch nie wollten so viele Parteien in den Augsburger Stadtrat – insgesamt stehen rund 600 Kandidaten zur Wahl.
Die SPD, in der Nachkriegszeit mehrfach an der Spitze der Stadtregierung, hat nach ersten Wahrnehmungen die Chancen einer Trendwende erkannt. OB-Kandidat Dr. Florian Freund thematisiert couragiert die kommunalen Baustellen und bringt Lösungsmöglichkeiten in die Diskussion. Auch den „Erneuerern“ der Freien Wähler darf nach überstandenen Querelen einiges zugetraut werden. Mit Jürgen Marks haben sie immerhin einen bekannten Medienexperten und stellvertretenden Sprecher der bayerischen Staatsregierung in ihrem Team. Auch kein unbeschriebenes (Kultur-)Blatt ist die FDP-OB-Kandidatin Iris Steiner. Mit anspruchsvollen Plänen geht sie ins Rennen, wie übrigens auch einige Neue, bisher nicht im Rathaus vertretene Gruppierungen. Aktuell dazugekommen sind Volt, Werteunion und BSW.
Als Zünglein an der Waage sehen sich die (im politischen Geschehen der Stadt weitgehend unbekannten) Kandidaten der AfD. Bei der letzten Landtagswahl erreichten sie hinter der CSU und knapp vor den Grünen überraschend den zweiten (!) Platz.
Dass man auch ohne große Plakatwelle zum Stadtgespräch werden kann, zeigt der Ortsverband Stadtmitte der CSU. Gegen die Entscheidung von Bauausschuss und ohne Hilfe vom Parteivorsitzenden Dr. Volker Ullrich wollen sie den gordischen Knoten am Kongresshaus durchschlagen. Unterirdisches Parkhaus und 300 geförderte Seniorenwohnungen sollen die Lösung sein. Ob jetzt, ausgerechnet vor der Wahl, Augsburgs Alleinstellungsmerkmal, ein Kongresszentrum ohne einen einzigen Parkplatz zu betreiben, aus der Welt geschafft werden kann? Manchmal folgen auf Zeichen auch Wunder.
Ihr Walter Kurt Schilffarth
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