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Donnerstag, 12. Februar 2026

Martina Wild: Harmonische Klänge statt Lautsprecher

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Augsburg Journal: Frau Wild, Sie gelten als ruhig, sachlich und lösungsorientiert. Augsburg beweist aber auch immer wieder, dass sie eine Stadt der Emotionen, der Aufreger und der harten Kritik sein kann. Wo haben Sie zuletzt gerade noch die Fassung bewahrt – und wo sagen Sie ganz klar: Bis hierhin und nicht weiter?

Martina Wild: Vielen Dank zuerst für das Kompliment. Bei der Beschreibung kann ich gut mitgehen. Populismus ist leider immer mehr im Mainstream angekommen. Wer sich in den sozialen Medien bewegt, weiß, wie schnell Debatten dort laut und unsachlich werden. Ich habe Politik aber immer anders verstanden – nämlich als Arbeit an Lösungen. Augsburg ist eine vielfältige Stadt, geprägt von sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen, Wünschen und Denkweisen. Ich bin überzeugt, dass es uns nicht weiterbringt, wenn der Fokus darauf liegt, wer am lautesten ist. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam überlegen, wie wir diese Stadt voranbringen.

Was mich umtreibt, sind die massiven Attacken und die Hetze von rechten Akteuren gegen unsere Demokratie, gegen unsere Freiheit und Weltoffenheit. Hinzu kommen selbst ernannten „Spinner“ in den sozialen Netzwerken – wenn man dort in bestimmten Algorithmen landet, ist das stellenweise kaum auszuhalten. Hier ziehe ich für mich persönlich ganz klare Grenzen.

Martina Wild: „Wir setzen Konsequent auf eigene Themen“

AJ: Viele Augsburger erleben Sie und die CSU-Oberbürgermeisterin Eva Weber als eingespieltes Duo. Wie wollen Sie im Wahlkampf deutlich machen, wofür grüne Politik in der Fuggerstadt steht? Wie setzen Sie sich thematisch bewusst von der CSU ab? Und ganz konkret gefragt: Wäre Grün-Schwarz auch nach einem Wahlsieg für Sie weiterhin die bevorzugte Konstellation im Rathaus?

Wild: Ich setze – wie schon bei der letzten Wahl – konsequent auf meine eigenen Themen. Es ist, glaube ich, sehr deutlich geworden, dass mich insbesondere die sozialen Fragen umtreiben. Ob Schulbau, der Ausbau von Kitas, die angespannte Wohnraumsituation, echte Beteiligung von Jugendlichen oder das Thema Migration: Das sind Felder, in denen ich klare Schwerpunkte setze. Der Leitsatz „Stadt der 300.000 Chancen“ zieht sich nicht ohne Grund durch meine gesamte politische Arbeit.

Gleichzeitig stehen wir als Stadt – wie viele andere Kommunen auch – vor der großen Aufgabe, eine marode Infrastruktur zu sanieren und zukunftsfest zu machen. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe aller demokratischen Kräfte.

Ich habe für meine politische Arbeit und meine Themen einen sehr klaren Kompass. Mit welchen Partnern wir Grünen diese Themen am besten umsetzen können – und dazu gehört ganz zentral auch der Klimaschutz – entscheidet sich nach der Wahl.

Martina Wild: „Stolz bin ich auf die vielen Schulsanierungen“

AJ: Wenn Sie heute durch Augsburg gehen – was sehen Sie, dass Sie stolz macht, und wo denken Sie: Genau hier hätte ich mir mehr Mut, mehr Tempo oder mehr Streit gewünscht?

Wild: Stolz bin ich auf die vielen Schulsanierungen, die wir trotz extrem schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht haben. Besonders die Johann-Strauß-Grundschule, die zum neuen Schuljahr eröffnet, trägt klar meine Handschrift. Auch stolz bin ich darauf, wie wir in den letzten sechs Jahre Krisen gemanagt haben – egal ob Corona oder das Ankommen ukrainischer Geflüchteter. Gemeinsam mit unserer Stadtgesellschaft haben wir hier viel Tatkraft und viel Kreativität bewiesen.

Wo mir insgesamt – und das betrifft nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft – der Mut gefehlt hat, ist die Maximilianstraße. Hier sind wir leider nicht so weit gekommen, wie ich es mir erhofft hatte.

Mehr Tempo wünsche ich mir ganz klar beim öffentlichen Nahverkehr. Dass sich der Takt der Straßenbahnen verschlechtert hat, ärgert mich sehr. Der ÖPNV muss wieder verlässlich in einen Fünf-Minuten-Takt zurück.

„Wer Martina Wild wählt, bekommt keine laute Stimme um jeden Preis, sondern eine engagierte Oberbürgermeisterin, die sich konsequent für die beste Lösung einsetzt. Und zwar nachhaltig“

AJ: Sie sind keine klassische Lautsprecherin. Drehen Sie dennoch für den OB-Wahlkampf noch einmal auf? Werden wir Martina Wild in den nächsten Wochen kantiger, direkter und unbequemer erleben?

Wild: Wenn Sie mein Team, meine Referentenkollegen oder die Amtsleitungen fragen würden, bekämen Sie vermutlich die Antwort, dass ich sehr direkt und auch unbequem sein kann. Vor allem dann, wenn es um die besten Lösungen geht, bin ich maximal klar und hart in der Sache.

Was ich überhaupt nicht mag, ist das Zurücklehnen nach dem Motto: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Unsere Zeit ist derzeit von sehr vielen Lautsprechern geprägt. Ich glaube aber, wir müssen den Mut haben, den Sound insgesamt etwas herunterzufahren – und stattdessen gemeinsam an einer guten Melodie zu arbeiten.

Wer Martina Wild wählt, bekommt keine laute Stimme um jeden Preis, sondern eine engagierte Oberbürgermeisterin, die sich konsequent für die beste Lösung einsetzt. Und zwar nachhaltig. Ich würde schon sagen, dass ich bewiesen habe, dass ich langfristig an Themen dranbleibe und auch in die Steuerung gehe.

Martina Wild: „Thema Wohnen ganz nach vorne ziehen“

AJ: Stellen wir uns vor, Sie gewinnen die Wahl: Welches Projekt würden Sie ganz bewusst in den ersten 100 Tagen angehen, um zu zeigen, dass jetzt tatsächlich eine neue Handschrift im Rathaus spürbar ist?

Wild: Ich würde das Thema Wohnen ganz nach vorne ziehen: die Aktivierung von Wohnraumleerstand ebenso wie die Schaffung neuen, vor allem bezahlbaren Wohnraums. Deshalb: Mit mir gibt es die Zweckentfremdungssatzung. Denn wir brauchen in Augsburg dringend mehr Wohnungen – und mehr Wohnungen, die sich die Menschen auch leisten können. Das ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit.

Gleichzeitig ist es mir dabei wichtig, die Steuerung bedeutender Themen – neben Wohnen beispielsweise auch Mobilität und größere Projekte unserer maroden kommunalen Infrastruktur zur echten Chefinnensache zu machen. Genau hier würden die ersten 100 Tage zeigen: Diese neue Handschrift im Rathaus ist spürbar, verbindlich und sozial orientiert.

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