Team Eva Weber gegen Team Florian Freund. Es ist ordentlich Feuer drin im Augsburger Wahlkampf.
Team Eva Weber gegen Team Florian Freund. Es ist ordentlich Feuer drin im Augsburger Wahlkampf.

Der Wahlkampf-Endspurt in Augsburg entwickelt sich gerade zum Grabenkrieg auf den Online-Plattformen. Mit schweren Geschützen feuern die Grünen jetzt auf die SPD und ihren OB-Kandidaten Florian Freund. Grünen-Chef Peter Rauscher fragt in einem Video provokant: „Was geht eigentlich gerade bei der SPD?“. Früher habe diese Partei für ihn zu „den Guten“ gehört, jetzt würden sie nur noch über Ordnung und Sicherheit reden und das populistische Narrativ bedienen, dass Augsburg quasi kurz vor dem Untergang stehe.

Doch damit lässt es Peter Rauscher noch nicht bewenden. Das „Krasseste“ nach seinen Worten sei, dass „jemand, der sich offen bei Facebook für die AfD ausspricht“ – gemeint ist die Vorsitzende von „Wir sind Augsburg“ (WSA) Anita Ponzio – Florian Freund unterstütze. „Wer klare Haltung gegen Rechts einfordert, darf politische Nähe zu rechten Strömungen nicht zur strategischen Option machen“, heißt es in einer Mitteilung der Grünen.

Florian Freund zeigt sich verwundert von Angriffen im Wahlkampf-Endspurt

Florian Freund, der das Video ausgerechnet zuerst an seinem Geburtstag sehen durfte, zeigt sich auf REPORTER-Anfrage noch immer verwundert: „Ich finde es äußerst erstaunlich, welchen Reflex die Themen Ordnung, Sicherheit und Zukunft bei unseren Kolleginnen und Kollegen von den Grünen auslösen.“ Der Angriff füge sich jedoch perfekt ins Bild ein und passe zur „Weiter-so-Kampagne“ der CSU und ihrer Oberbürgermeisterin Eva Weber. Offensichtlich werde hinter den Kulissen bereits eine Fortsetzung von Schwarz-Grün vorbereitet.

Doch was sagt eigentlich die WSA-Chefin, die in etlichen Kommentaren immer wieder namentlich genannt wird und der eine „Nähe zur AfD“ unterstellt wird? Wir haben sie gefragt. Die Vorwürfe sieht Ponzio als „unterste Schublade“. Sie in eine rechtsextreme, gar ausländerfeindliche Ecke zu stellen, wäre geradezu lächerlich: „Ich bin seit 40 Jahren mit einem ‚Ausländer‘ verheiratet, bei Familienfeiern sitzen bei uns acht Nationen am Tisch.“

Anita Ponzio hat nie selbst mit der AfD zusammengearbeitet

Zur gemeinsamen Geschichte ihrer Partei mit der AfD betont sie Folgendes: „Ich bin 2016 in die WSA eingetreten, da gab es die Ausschussgemeinschaft mit der AfD bereits. Als ich im Februar 2017 in den Vorstand der WSA gewählt wurde, war diese Kooperation bereits Geschichte.“ Sie habe also nie selbst mit der AfD zusammengearbeitet oder sei an Entscheidungen beteiligt gewesen, die mit der gesichert rechtsextremen Partei im Zusammenhang gestanden hätten. Außerdem sei dies alles zehn Jahre her. Auch andere Darstellungen, sie sei eine Corona-Leugnerin, seien an den Haaren herbeigezogen: „Ich hatte selbst Corona, habe meine ganze Familie angesteckt und ich habe mit meinem Bestattungsunternehmen an vorderster Front in dieser Pandemie gekämpft“. Hart kritisiert hätte sie auf Social Media lediglich etliche „völlig hirnrissige Corona-Maßnahmen“.

Warum sich nun die Grünen auf sie einschießen, liegt für Ponzio auf der Hand: „Die Grünen sehen ihre Felle davon schwimmen und haben Angst um ihre Pöstchen“. Auch für sie ist diese Online-Offensive ein klares Zeichen dafür, dass Schwarz-Grün 2.0 bereits in den Startlöchern stehe.

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