Er dreht mit Stars wie Leon Goretzka und berät die Bundesliga – doch sein Büro ist oft ein Tisch im „Grill’n Chill“. Wie Fabian Pecher mit 15 Stunden Bildschirmzeit und ohne Exklusiv-Verträge zu einem der gefragtesten Fußball-Influencer Deutschlands wurde.
Er flachst mit Thomas Müller, spielt Challenges gegen Serge Gnabry, fachsimpelt mit Nico Rosberg und steht beim Champions-League-Finale auf dem Rasen. Doch wenn Fabian Pecher Feierabend macht, ist es meist schon 3 Uhr morgens. Ein Gespräch mit einem Augsburger, den fast eine Million Menschen im Netz verfolgen, über 15-Stunden-Screentime, eine schmerzhafte TV-Panne und warum er als BVB-Fan mittlerweile auch Post vom FCA bekommt.
Es begann 2011 auf einem Bolzplatz in der Region. Fabian Pecher und zwei Kumpels wollten Freistöße schießen wie Cristiano Ronaldo. Um die Technik zu analysieren, luden sie die Videos auf YouTube hoch. „Damals gab es das Wort Influencer noch gar nicht“, lacht Pecher heute. Was als Hobby startete, ist längst ein hartes Business. Adidas schickte irgendwann die ersten Schuhe, heute ist Pecher Content Creator, Moderator für Sky und zweiter Stadionsprecher bei Red Bull München.
Vieles dreht sich im Leben Fabian Pechers um Fußballschuhe. Diese nehmen in seinen Videos viel Raum ein und sind ein Grund für den Erfolg des Augsburgers, der ihn nicht nur auf Veranstaltungen Stars wie hier Nationalspielerin Linda Dallmann näher bringt.
Wer glaubt, das Leben eines „Content Creators“ bestünde nur aus Geschenke-Auspacken und ein paar Selfies in der Sonne, den holt Pecher schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Sein Wecker klingelt zwar erst spät am Vormittag, doch sein Arbeitstag beginnt gegen 13 Uhr und endet selten vor 3 Uhr nachts. „Ich bin ein ziemlicher Nachtmensch, ich arbeite lieber bis spät in die Nacht, als früh aufzustehen“, erzählt er. Seine Bildschirmzeit, verteilt auf seine zwei Smartphones, liegt im Schnitt bei erschreckenden 15 Stunden am Tag. Doch er scrollt nicht nur durch seinen eigenen Feed. Pecher ist längst eine Ein-Mann-Agentur geworden.
Was viele seiner Follower nicht wissen: Pecher füttert nicht nur seine eigenen Kanäle. Er ist der Kopf hinter den Social-Media-Auftritten von Sport-Giganten. „Red Bull München hat mich geholt, um deren TikTok-Account aufzubauen“, erklärt er seine Arbeit. Auch für den DFB, den DEB oder die Bundesliga produziert er Content. „Manche Kunden geben mir die ganzen Accounts ab und sagen: ‚Fabi, mach, weil wir wissen nicht, wie es funktioniert‘.“ Wenn Pecher also mit dem Laptop in seinem Stammlokal „Grill’n Chill“ sitzt, dann nicht zur Entspannung, sondern um hochformatige Videos für Millionen von Fans zu schneiden für seine eigenen Kanäle und die der Kunden.
Fabian Pecher leistet sich einen Luxus: Unabhängigkeit
Trotz seiner Reichweite leistet sich der 29-Jährige einen Luxus, den viele Kollegen nicht haben: Unabhängigkeit. Er bekommt zwar Schuhe von den großen Marken wie Nike, Adidas oder Puma zugeschickt, auf lukrative Exklusivverträge verzichtet er allerdings, eine bewusste Entscheidung. „Die großen Marken haben mir das immer mal wieder angeboten“, verrät er. „Aber das kann ich eigentlich nicht machen, weil ich dann meinen Followern nicht mehr alles präsentieren kann.“ Er will an einem Tag den neuesten Nike-Schuh testen und am nächsten Tag auch den von Adidas. Genau so ist es bei den Trikots. „Wenn die deutsche Nationalmannschaft bald das Trikot von Nike bekommt und ich hätte einen Exklusiv-Deal mit Adidas, könnte ich das nicht bei mir vorstellen, das wäre schade.”
Aktuell hat Pecher kombiniert über TikTok und Instagram mehr Follower als der FC Augsburg, für den er vor Saisonbeginn das Römertrikot unboxen durfte.
Dass Authentizität manchmal wehtun kann, wissen auch die lokalen Fans: Pecher ist Fan von Borussia Dortmund. „Mein Vater hat mich so aufgezogen: Alles außer Bayern“, schmunzelt er. Und der FC Augsburg? Lange Zeit fremdelte der Bundesligist mit dem digitalen Star vor der eigenen Haustür. Auf frühere Anfragen reagierte der Verein zögerlich, man wolle sich die Plattform TikTok „erstmal anschauen“. Eine vertane Chance, findet Pecher. Doch das Eis bricht langsam. Zuletzt erhielt Pecher, wie viele andere Influencer, eine limitierte Box zum Unboxing des „Römer-Trikots“. „Jetzt kam zumindest so ein bisschen was zustande“, freut er sich. Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn das Potenzial zwischen dem Verein und dem Creator mit über 600.000 TikTok-Abonnenten noch lange nicht ausgeschöpft scheint. Insgesamt folgen dem 29-Jährigen mehr Menschen auf Social Media, als dem FCA.
Sein Job auch körperlich riskant sein kann
Sein Job bringt ihn hautnah an die Stars heran, doch die Arbeit ist mit jedem unterschiedlich. In der Regel wird Pecher aber nicht nervös, nur wenn er Legenden seiner eigenen Kindheit begegnet: „Vor Leuten wie Miroslav Klose oder Lukas Podolski habe ich immer noch Respekt“, gesteht er. „Wenn man mit so jemandem drehen darf, denkt man sich schon: Krass, was die erreicht haben.“ Beeindruckt hat ihn aber auch ein ganz anderer: Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. „Der ist extrem professionell und nutzt jede freie Sekunde beim Dreh, um am Handy seine Unternehmen oder Aktienkurse zu checken. Da wird keine Zeit verschwendet.“
Dass der Job auch körperlich riskant sein kann, beweist eine Anekdote, die Pecher fast beiläufig erzählt. Für eine ZDF-Doku über den Skiclub Oberstdorf musste er Skispringen. „Es war eigentlich nur eine Kinder-Schanze“, sagt er und zeigt ein Video. Beim ersten Versuch ging noch alles gut, doch der Sender wollte eine zweite Aufnahme drehen. Auch dort klappte die Landung – zunächst. Wenige Momente später lag der Augsburger im Schnee und dann im Krankenhaus. Noch immer plagt ihn ein Labrum-Abriss in der Hüfte. „Ich laufe eigentlich mit einer kaputten Hüfte rum und müsste operiert werden.“ Aber für eine Pause ist im Terminkalender zwischen Bundesliga-Spielen, TV-Moderationen, Social-Media-Vorträgen und Content-Produktion gerade einfach keine Zeit, die Verletzung zudem nicht wirklich beeinträchtigend im Alltag. „Ich kann normal laufen, nur tief in die Hocke gehen zieht.“
Familienessen können nur unter der Woche stattfinden
Trotz der Schmerzen und der wenigen Freizeit – sogar Familienessen können nur unter der Woche stattfinden – liebt Pecher, was er tut. Er wohnt bewusst lieber nahe dem Klinikum in Neusäß und nicht in München. Augsburg ist seine „Homebase“, und soll dies auch bleiben. Und wohin soll die Reise noch gehen? „Früher wollte ich immer die Sportschau oder das Sportstudio moderieren“, sagt Pecher. Mit seinen Moderations-Jobs für Sky, Funk und Red Bull München ist er auf dem besten Weg dahin – vielleicht sogar auf einem, der moderner ist als das klassische Fernsehen.
Sein Beruf bringt Fabian Pecher mit Stars wie Leon Goretzka (Bild links) oder Loris Karius (Bild rechts) zusammen. Aber auch beim Eishockey ist er als zweiter Stadionsprecher von Red Bull München aktiv (Bild links unten)
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