16.7 C
Augsburg
Donnerstag, 16. April 2026

Bei den Museumsratten – Die neue Ausstellung im Puppentheatermuseum „die Kiste“

Must read

Ein Museum ist nicht da, für Witze und tralalala!“ – mit diesem augenzwinkernden Song-Zitat vom Direktor des Naturkundemuseums, Prof. Dr. Dr. Zwengelmann, aus der „Urmel“-Serie empfängt die neue Sonderausstellung im Augsburger Puppentheatermuseum „die Kiste“ ihre Besucher. Doch wer die Jubiläumsschau zum 25-Jährigen betritt, merkt schnell: Ganz so ernst nimmt man es hier nicht. Im Gegenteil.

„Museum ist jeden Tag ein Abenteuer, weil es einfach vielseitig ist, weil es so viele Möglichkeiten gibt – und weil wir Freude an der Arbeit haben“, sagt Museumsleiterin Michaela Dempf. Auch ihre Kollegin Nadya Khan ergänzt: „Ein Abenteuer ist es auch, weil bei uns viele verschiedene Leute zusammenarbeiten. Das Team ist schon Abenteuer genug.“

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens zeigt „die Kiste“ 70 Marionetten aus dem Fundus der Augsburger Puppenkiste. Neue Figuren wurden eigens nicht gebaut, wohl aber einige der neuesten Stücke integriert. Im Mittelpunkt steht weniger das Spektakel als vielmehr die Geschichte des Museums selbst – erzählt durch Objekte, Erinnerungen und persönliche Einblicke. Immer dabei: Die Museumsratten aus der gleichnamigen TV-Serie, die durch die Ausstellung leiten.

Zu den Highlights gehört der „Dachboden der Erinnerung“

Zu den Highlights gehört der „Dachboden der Erinnerung“, eine liebevoll inszenierte Sammlung von Fundstücken aus 25 Jahren Museumsarbeit. „Das sind Dinge aus unserem eigenen Fundus, extra für diese Ausstellung zusammengestellt“, erklärt Dempf. Die Installation wirkt wie ein nostalgischer Speicher: Alte Videoaufnahmen flimmern über Bildschirme, darunter ein Baustellenrundgang aus dem Jahr 2001. Interviews mit Museums-Gründungsdirektor Erik Raskopf oder Puppenkistenchef Klaus Marschall lassen die Vergangenheit lebendig werden.

Manche Figuren haben für die Ausstellung „umgeschult“. So wurde eine bestehende Puppe umgebaut: Die heutige Restauratorin war ursprünglich die Nichte von Prof. Dr. Dr. Zwengelmann aus der „Urmel“-Welt. Man entdeckt immer wieder kleine Überraschungen. „Ja, das ist so ein bisschen ein Museum im Museum“, sagt Khan über einen Bereich, den viele Besucher zunächst übersehen. Dort finden sich unter anderem nachgebildete Museums-Kästen und sogar die Eingangstür der „Kiste“. In einer anderen Szene taucht plötzlich ein Einhorn im Freilichtmuseum auf.

1. Das Büro der Direktorin und Kuratorin ist auch Teil der Museumsausstellung: „Unser kreatives Chaos“, sagen Michaela Dempf und Nadya Khan. Ungefähr so schaue es bei ihnen im Büro auch aus. 2. In der Ausstellung in der „Kiste“ bekommt so mancher Promi die Chance auf einen Berufs-wechsel: So führt Bertolt Brecht in der Vitrine zum Thema „Vermittlung“ neuerdings Schneewittchen und die sieben Zwerge durchs Naturkundemuseum, 3. und in der Vitrine „Präparator“ hat sich Gregor Gysi, dessen Marionette im Puppenkisten-Kabarett aktuell nicht mehr gebraucht wird, einen neuen Beruf als (Tier-)Präparator gesucht. Auch die Schrumpfköpfe aus dem Kabarett leisten ihm hier noch Gesellschaft. 4. Eigentlich entstehen in der Werkstatt der Puppenkiste Marionetten. Zum Jubiläum darf es auch mal eine 25 aus Holz sein.

die Kiste: Die Sonderausstellung ist der Auftakt für ein ganzes Jubiläumsjahr

Ein kleines Flugzeug? „Das ist ein Hinweis auf eine unserer nächsten Sonderausstellungen zum Thema Fliegen“, verrät Dempf. Im Mittelpunkt stehen die Museumsmitarbeiter: Es werden typische Museumsberufe vorgestellt – von Kuratorinnen über Restauratoren bis hin zum Registrar, der den Leihverkehr organisiert. „Berufe wie den Registrar machen wir hier oft in Personalunion“, erklärt Dempf. Auch weniger sichtbare Aufgaben bekommen Raum: „Die Reinigung ist auch sehr wichtig – die arbeiten im Hintergrund“, betont Khan. Eine Wand stellt zudem das gesamte Team der „Kiste“ vor, vom Büro über den Fundus bis zum Besucherservice.

Die Sonderausstellung ist der Auftakt für ein ganzes Jubiläumsjahr. „Wir planen weitere Highlights, wie zusätzliche interaktive Stationen und natürlich eine große Geburtstagsfeier im Oktober“, kündigt Dempf an. Außerdem wird es eine Chronik zur 25-jährigen Geschichte des Museums geben. „Wir haben Familienführungen mit den Museumsratten, eine Museumswerkstatt für Kinder und öffentliche Führungen mit uns als Kuratorinnen“, sagt Khan. Und vielleicht schaut sogar prominenter Besuch vorbei: Das Jubiläum steht unter der Schirmherrschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Die Marionette aus dem Kabarett ist schonmal vorausgereist.

1. Auf der Tour durch die Ausstellung nimmt uns Johann Wolfgang, Onkel der Museumsratten, mit. Unter anderem zum Beruf des Bibliothekars, der sich zwischen den Regalen versteckt. „Da haben die Kollegen in der Werkstatt stundenlang die Buchrücken aus Styropor gebaut“, verrät Michaela Dempf. 2. An der Mitmach-Station dürfen kleine und große Besucher auf Zetteln festhalten, was ein Museum für sie ist. 3. Johann Wolfgang schaut für uns dem Direktor des Naturkundemuseums, Prof. Dr. Dr. Zwengelmann, aus der „Urmel“-Serie der Augsburger Puppenkiste, über die Schulter, 4. untersucht im Museumslabor Naturmaterialien genauer 5. sowie die Inventarkarte in der Bastelecke. Die jungen Forscher können ihre selbstgebastelten Museumsobjekte hier ausstellen.

Lesen Sie auch: Die Geister, die die Puppenkiste rief: Neue Ausstellung mit Gruselfaktor

KEINE AUSGABE MEHR VERPASSEN

Erfahren Sie als Erster, wenn unser neues Magazin veröffentlicht wird – exklusiv vor allen Anderen!

- Advertisement -spot_img

More articles

- Advertisement -spot_img

Latest article