Die gesamte Baustelle befindet sich entsprechend der Bauablauf-Planung im Vollbetrieb“, erklärt Leitender Baudirektor Norbert Reinfuss, Gesamtprojektleiter Generalsanierung und Neubau des Staatstheater Augsburg. Damit tritt er Vermutungen entgegen, dass auf der Baustelle am Kennedyplatz „seit längerem nichts passiert“. Eine Beobachtung, die an die Redaktion unserer Zeitung herangetragen wurde, zusammen mit der Besorgnis, die Fertigstellung des (laut Prognose von 2023) 340-Millionen-Euro-Projektes könnte sich verzögern. Über den zeitlichen Stand der Bauarbeiten – ob das „Große Haus“ 2027 und die zweite Spielstätte Ende 2028 eröffnet werden können – darüber wolle man, so Reinfuss, in einer Sitzung zunächst den Stadtrat informieren, bevor man an die Öffentlichkeit gehe.

Bei den Planungsarbeiten hatte es zweimal ungeplante Verzögerungen gegeben. Vor diesem Hintergrund scheint es verschmerzbar, dass sich auch die künstlerische Leitung des Staatstheater Augsburg noch in der Abstimmung darüber befindet, welche Aufführung denn zu den Eröffnungen gegeben werden könnte.

Konkret liefen derzeit am „Bauteil (BT) 1“, dem „Großen Haus“, Rohbauarbeiten in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Bestandsgebäudes. Dazu gehörten auch Abbrüche von Wand- und Deckenkonstruktionen, der Einbau von Technik-Kanälen im Bereich der unterfangenen Kellerbereiche und umfangreiche neue Betonkonstruktionen im Bereich der Unter- und Hinterbühne. Parallel liefen die Abbrucharbeiten der bestehenden Dachkonstruktion des Bühnenturms zur Vorbereitung der neuen Stahlträgerkonstruktion des Daches mit aufgesetzter Technikzentrale.

Bereits abgeschlossen wurde laut Reinfuss die statische Ertüchtigung und komplette Erneuerung des Daches über dem Zuschauerraum, der Einbau von durchgehenden Treppenhäusern zur Verbesserung der Fluchtwegesituation und die Neuerrichtung von Betonkonstruktionen beidseitig neben der Hauptbühne. Fertig im Rohbau ist der Neubau des unterirdischen Bauwerks der Trafostation zur zukünftigen Stromversorgung des Gesamtkomplexes an der Theaterstraße.

Staatstheater Augsburg nicht vor 2030 fertig?

Für die umfangreiche Technikversorgung des Großen Hauses (Heizung / Lüftung / Sanitärinstallation / Klimatechnik und Strom) entstehe in einer bis zu elf Meter tiefen Baugrube derzeit der zweigeschossige Rohbau aus Stahlbeton an der Volkhartstraße. „Dem vorausgegangen waren die sehr komplexen Arbeiten zur Errichtung der Baugrube mit etwa 200 Bohrpfählen und mehreren Ankerlagen zur Rückverankerung“, erklärt der Ingenieur.

Während auf der Baustelle des Bauteils BT 2 „Neubauten für das Betriebsgebäude und das Kleine Haus“ die Archäologen noch in Teilbereichen der Fläche Grabungen durchführen, fänden bereits die Vorarbeiten für die Erstellung der großen, bis zu 16 Meter tiefen Baugrube für die Errichtung des neuen Betriebsgebäudes statt, das nördlich an das Große Haus an der Kasernstraße angrenzt. Mit den Bohrpfahlarbeiten wird im April begonnen. Als Vorabmaßnahmen werden derzeit Schadstoffsanierung und Rückbauarbeiten am ehemaligen Magazingebäude am Ottmarsgäßchen und am ehemaligen Kulissenhaus an der Kasernstraße durchgeführt. „Die denkmalgeschützten Fassaden der beiden Gebäudeteile werden in den Neubau des Betriebsgebäudes integriert“, so Reinfuss.

Im Bauteil BT 2, „Neubauten Betriebsgebäude und Kleines Haus“, finden derzeit die Vorbereitungen für die Herstellung der großen Baugrube im Anschluss an die Brücke zum „Großen Haus“ statt. Ab April werde dort mit der Bohrpfahlgründung mit Großgerät begonnen. Mit dabei dann wie bei so vielen Baustellen im Augsburger Stadtgebiet: Eine „Begleitung der Kampfmittel-Sondierung“ – Erinnerung an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Ebenfalls wieder mit dabei: Die Archäologie – Reminiszenz an die über 2000-jährige Geschichte der Stadt. Parallel dazu werden bereits Abbrucharbeiten im Bereich des ehemaligen Magazingebäudes und die Vorbereitungen für die Fassadenstützung sowie Teilabbruch des ehemaligen Kulissenhauses durchgeführt.

Reinfuss erklärt, dass an der Großbaustelle nicht immer alles exakt nach Plan verlaufen sei: „Zu Verzögerungen im Bauablauf geführt haben ein erforderlicher Austausch eines Fachplaners mit Neuausschreibung der Planungsleistungen, die Insolvenz eines Planungsbüros sowie im Planungsverlauf erforderliche Planungsänderungen und Wiederholungen mit Varianten zur möglichen Kostenreduzierung und Einsparungen, insbesondere in der Planung der Neubauten.“

Welche Auswirkungen das auf die Fertigstellung des Projekts habe? Der Rahmenterminplan „Bauabwicklung für das Gesamtprojekt“ aus dem Jahr 2022 gemäß Beschlusslage, benenne die Fertigstellung des BT 1 „Großes Haus“ mit Technikkeller für Ende 2027. Die Neubauten für das Betriebsgebäude und das „Kleine Haus“ (auf dem Technikkeller an der Volkhartstraße) sollen Ende 2028 baulich fertiggestellt werden. Dann folge die Übergabe an die Nutzerin, in letzter Konsequenz also das Staatstheater. Der Terminplan werde derzeit überprüft und fortgeschrieben. „Hier müssen die nächsten Quartale abgewartet werden, um verlässliche Daten zu sammeln und die Prognosen entsprechend belastbar stellen zu können“, so Reinfuss. „Geplant ist zunächst eine Information im Stadtrat, der nicht vorgegriffen werden soll.“
Der Eindruck für Passanten, dass auf der Baustelle nichts passiere, ist für Reinfuss nicht nachvollziehbar. „Im gesamten Bereich der Baustelle, sowohl im „Großen Haus“ wie auch auf dem Gesamtareal, finden umfangreiche Bautätigkeiten statt.“ Von „außen“ seien die zwei Großkräne für die tätige Rohbaufirma deutlich wahrzunehmen, wie auch die permanente Andienung der Baustelle mit Baumaterial und die eng getaktete Anlieferung von Frischbeton. Lediglich im Bereich der Volkhartstraße befinde sich ein geschlossener Bauzaun, in allen anderen Bereichen sei Einsicht auf das Areal und die dortigen Tätigkeiten möglich. Derzeit fänden umfangreiche Erdarbeiten und Abbrucharbeiten statt, die entsprechend große Haufwerke zur Beprobung auf der Fläche an der Heilig-Kreuz-Straße zur Folge haben. Durch die beengte Lage der Groß-Baustelle im Herzen der Stadt stelle die Baulogistik eine besondere Herausforderung dar.

Nach Reinfuss‘ Worten seien derzeit rund 200 Beschäftigte verschiedener Firmen auf der Baustelle „Generalsanierung und Neubau Staatstheater Augsburg“ tätig, insbesondere für die Ausführung der Rohbauarbeiten, Abbrucharbeiten, Schadstoffsanierungen und Stahlbauarbeiten. Daneben liefen die archäologischen Grabungen der Stadtarchäologie in noch zu bearbeitenden Teilbereichen im Vorgriff der Baugrubenerstellung für das neue Betriebsgebäude auf dem Gelände weiter.

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