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Mittwoch, 18. März 2026

Eva Weber und Florian Freund im Parallel-Interview: 5 Tage bis zur Stichwahl – 5 Fragen, 5 Sätze als Antwort

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Fünf Tage vor der Stichwahl wird es ernst: Augsburg entscheidet, wer künftig im Rathaus das Sagen hat. Für die beiden Kandidaten Eva Weber (CSU) und Florian Freund (SPD) geht der Wahlkampf damit in die letzte, besonders intensive Phase. Der AJ Reporter hat beiden deshalb kurz vor der Entscheidung noch einmal fünf Fragen gestellt – mit einer klaren Vorgabe: fünf Tage vor der Stichwahl, fünf Fragen, jeweils fünf Sätze. Wie sie ihren bisherigen Wahlkampf bewerten, worauf es jetzt ankommt und warum sich Unentschlossene am Sonntag gerade für sie entscheiden sollten, lesen Sie hier.

Eineinhalb Wochen Stichwahlkampf liegen hinter Ihnen. Was haben Sie in dieser Zeit konkret getan, um die Augsburgerinnen & Augsburger von sich zu überzeugen?

Weber: Ich habe vor allem eines getan: zugehört. In den letzten Tagen habe ich über 1.000 Augsburgerinnen und Augsburger persönlich zuhause besucht und viele Gespräche in der Stadt geführt. Dabei höre ich immer wieder: Die Menschen leben gerne in Augsburg und sie wollen, dass sich unsere Stadt weiter gut und sicher entwickelt. Natürlich gibt es Herausforderungen, etwa den Sanierungsstau bei Schulen oder Infrastruktur. Aber viele wissen auch: Das sind Themen, die wir in ganz Deutschland sehen. Entscheidend ist jetzt, sie konsequent anzupacken. Und genau dafür trete ich an.

Freund: In den letzten anderthalb Wochen war ich viel draußen unterwegs und habe bewusst das Gespräch gesucht – gerade auch dort, wo ich bisher vielleicht noch nicht überzeugen konnte. Bei meinem öffentlichen Townhall-Meeting am vergangenen Freitag habe ich deutlich gespürt: Wir alle sind bereit für einen echten Neustart. Ich möchte ein Oberbürgermeister sein, der zuhört und sich nicht wegduckt, wenn der Gegenwind mal rauer wird.

Es sind noch fünf Tage bis zur Entscheidung. Was ist jetzt am wichtigsten?

Freund: Fünf Tage vor der Entscheidung zählen für mich keine Wahlkampfslogans mehr. Mir geht es jetzt um Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit und Vertrauen. Die Augsburgerinnen und Augsburger sollen spüren, dass ich nicht einfach nur eine Wahl gewinnen will, sondern wirklich bereit und fest entschlossen bin, unsere Stadt zu führen und endlich wieder voranzubringen.

Weber: Jetzt geht es darum, möglichst viele Menschen zur Wahl zu motivieren. Viele sagen mir: Sie liegen doch klar mit 34% zum SPD Kandidaten mit 19,9% vorne. Aber in einer Stichwahl beginnt alles wieder bei Null. Deshalb zählt am Sonntag wirklich jede Stimme. Augsburg braucht Stabilität und Verlässlichkeit. Und dafür braucht es eine Oberbürgermeisterin mit einer starken Fraktion im Stadtrat an ihrer Seite.

Weber vs. Freund: Die Stadtratswahl ist bereits entschieden. Wie bewerten Sie das Abschneiden Ihrer Partei?

Weber: Die CSU bleibt klar stärkste Kraft im Augsburger Stadtrat, darauf können wir aufbauen. Gleichzeitig haben wir Stimmen verloren, das nehmen wir sehr ernst. Jetzt geht es vor allem darum, dass Augsburg handlungsfähig bleibt. Der SPD-Kandidat ist mit seiner Partei nur auf Platz vier gelandet und hat keine Hausmacht im Stadtrat. Er möchte sich für jedes Thema neue Partner suchen. In der Praxis bedeutet das: ständig wechselnde Mehrheiten und lange Verhandlungen zwischen sehr unterschiedlichen politischen Gruppen. Wir brauchen in diesen Zeiten Handlungsfähigkeit. Ich habe im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten. Daraus leiten wir einen klaren Gestaltungsauftrag ab, Augsburg stabil und verlässlich zu führen.

Freund: Das Ergebnis nehme ich als Ansporn – es ist kein Grund, sich auszuruhen, aber erst recht keiner, den Kopf hängenzulassen. Ich freue mich und bin dankbar, dass sich viele Parteien um mich und die SPD versammelt haben, um gemeinsam für diesen Wechsel einzustehen. Ich bin kein Taktiker, sondern jemand, der unterschiedlichste Menschen und Interessen zusammenbringen möchte, ohne mich dabei selbst zu verbiegen.

Weber vs. Freund: Angenommen, Sie gewinnen die Stichwahl: Was ist das Erste, was Sie tun?

Freund: Wenn ich die Wahl gewinne, werde ich als Erstes im wörtlichen wie im politischen Sinn die Fenster aufreißen. Ich möchte frische Luft, mehr Klarheit und mehr Tempo in unsere Arbeit bringen – mit vollem Fokus auf die echten Probleme und weniger auf die reine Selbstdarstellung. Dann heißt es für mich: Ärmel hochkrempeln, alle Demokratinnen und Demokraten an einen Tisch holen und gemeinsam loslegen. Auf diesen echten demokratischen Austausch freue ich mich riesig.

Weber: Eine Stadt ist die Gleichzeitigkeit von Aufgaben. Aber natürlich geht es jetzt darum, unsere großen Bauprojekte konsequent zu Ende zu bringen. Sie sind stabilisiert, aber neue Grundsatzdebatten dürfen nicht wieder zu Verzögerungen führen. Gleichzeitig treiben wir die Schulsanierungen mit maximalem Tempo voran. Wir haben in den letzten sechs Jahren bereits 323 Millionen Euro investiert – mehr als je zuvor. Und wir wissen: Das reicht noch nicht. Deshalb machen wir mit maximalem Tempo weiter und investieren künftig jedes Jahr weitere 50 Millionen Euro in unsere Schulen.

Hand aufs Herz, warum sollten sich unentschlossene Augsburger am Sonntag gerade für Sie entscheiden?

Weber: Weil Augsburg in diesen unruhigen Zeiten Stabilität und Erfahrung braucht und eine handlungsfähige Stadtregierung. Wir haben große Aufgaben vor uns: die Sanierung unserer Schulen, die Zukunft des Staatstheaters, die Umsetzung der Linie 5, die Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts und eine solide Haushaltsführung. Gerade in einem vielfältig zusammengesetzten Stadtrat braucht Augsburg Erfahrung, Verlässlichkeit und eine verbindende Führung. Als Oberbürgermeisterin habe ich gezeigt, dass ich über Fraktionsgrenzen hinweg zusammenarbeiten und breite Unterstützung für wichtige Entscheidungen gewinnen kann. Die großen Aufgaben unserer Stadt brauchen jetzt genau diese Stabilität, damit wir sie konsequent weiter voranbringen.

Freund: Ich verkaufe Politik niemandem als makelloses Hochglanzprodukt und mache keine leeren „Ich regle das schon“-Versprechen. Stattdessen lade ich Augsburgerinnen und Augsburger ein: Schaut genau hin. Ich bin immer ansprechbar, halte auch Kritik aus und scheue keine Debatte. Ich werde mich nicht durch Krisen mogeln, sondern mich mit ganzer Kraft für Augsburg reinknien. Wenn sich die Bürger genau das wünschen, freue ich mich am Sonntag von Herzen über ihre Stimmen.

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