Weltbild-CEO Christian Sailer eröffnete die neue Firmenzentrale gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Eva Weber. Foto: Weltbild

Der Augsburger Weltbild-Chef Christian Sailer hat aus dem ehemals katholisch-römischen Versandhaus Weltbild ein modernes eCommerce-Unternehmen gemacht. Mitte Juni bezogen 400 der 1500 Mitarbeiter der Weltbild D2C Group moderne Büroräume in den Augsburg Offices der Eichleitnerstraße im Süden Augsburgs.

Christian Sailer kam 2016 als Finanzchef zu Weltbild. Da waren die Turbulenzen um das traditionsreiche Kirchen-Unternehmen erst zwei Jahre vorbei. Denn im Januar 2014 hatte das Verlagshaus, das den zwölf deutschen Diözesen gehörte, mit mehr als 600 Mitarbeitern nach Umsatzrückgängen Insolvenz anmelden müssen.

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Die Bischöfe wollten bei Weltbild keine erotische Literatur

Die katholischen deutschen Bistümer hatten sich nicht auf eine weitere Finanzierung einigen können. Weltbild war bei den Bischöfen in Ungnade gefallen, nachdem bekannt wurde, dass auch erotische Literatur verkauft wurde.

Nach der Insolvenz lag Weltbild mit dem Firmensitz in Augsburg-Lechhausen in Scherben. Der damalige Geschäftsführer Carel Halff musste gehen. Am Ende war Weltbild auch an Amazon gescheitert. Die Amerikaner verkörperten früh den modernen Online-Handel, von dem Weltbild noch weit entfernt war.

Im Sommer 2014 stieg das Düsseldorfer Finanzunternehmen Droege International Group ein und übernahm erst 60 Prozent, später 100 Prozent der Anteile. Droege ist bekannt dafür, Firmen, die in Schieflage geraten sind, zu übernehmen und zu sanieren.

Mit Christian Sailer gelang dies. Denn der Finanzchef stieg 2018 zum CEO der Weltbild D2C Group auf und formte aus dem traditionellen und verstaubten Buchhändler ein modernes eCommerce-Unternehmen.

Change-Manager Christian Sailer war zuvor bei Bahlsen

Sailer ist ein klassischer Change-Manager. Zuvor wirkte er bei Unternehmen wie Bahlsen oder A.T.U. Auto-Teile-Unger. Mit dem Verlagsgeschäft hatte er wenig Berührungspunkte. Der 50-Jährige Familienvater hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Regensburg studiert, spielt in seiner Freizeit Klavier und liest gerne Bücher.

Bei Weltbild krempelte er die Arme hoch und setzte voll auf das Online-Geschäft. „Die Weltbild D2C Group ist vom traditionellen Versandhaus zu einem modernen E-Commerce-Anbieter geworden, der über 90 Prozent des Umsatzes über seine Onlineaktivitäten erwirtschaftet“, sagte Christian Sailer bei der Eröffnung der neuen Büroräume. Jedes zweite Produkt werde bereits über das Smartphone bestellt. Nach einer Umfrage gehört der Online-Shop zu den besten in Deutschland.

Die neue Zentrale sei ein sichtbares Bekenntnis zum Standort Augsburg. Mit einem Zehn-Jahres-Mietvertrag bekennt sich die Weltbild D2C Group langfristig zu Augsburg und investiert zudem derzeit einen hohen Millionenbetrag in ein neues Logistikzentrum.

New Work bei Weltbild: Christian Sailer setzt auf Home-Office

Transparenz, Modernität, Offenheit, das verkörpert die neue Zentrale. In lichtdurchfluteten Großraumbüros und auf modernen Co-Working-Flächen mit bis zu 4 Metern Raumhöhe arbeiten in Augsburg rund 400 der insgesamt 1500 Mitarbeiter der Gruppe. Mit dem Umzug setzt Weltbild neue Zeichen der Unternehmenskultur. „Vom ich zum wir, diesen Change im Denken wollen wir weiter unterstützen“, sagte Sailer.

Die neue Weltbild-Zentrale liegt an der Augsburger Eichleitnerstraße. Foto: Weltbild

Den Wandel der Unternehmenskultur treibt das Unternehmen mit dem neuen Arbeitsumfeld voran. „New Work“ heißt das Stichwort. Künftig lebt man in der Gruppe eine Verbindung aus Arbeiten im Büro und Homeoffice mit so genanntem Desksharing. Rund 70 Prozent der Mitarbeiter*innen nutzen das Angebot, dauerhaft einen Teil der Arbeit aus dem Homeoffice zu erledigen. Christian Sailer begrüßt dieses Modell: „Wir haben in der Pandemie-Zeit gesehen, dass das gut und sehr zuverlässig funktioniert.“

Die Weltbild D2C Group mit ihren Marken Weltbild, Jokers, bücher.de, Kinderwelt tausendkind, Gärtner Pötschke, Orbisana, Papagei und reCommerce ist einer der größten Multikanal-Händler im Bereich von Media- und Non-Media-Produkten im deutschsprachigen Raum. Manche sagen, Weltbild sei wieder die Nummer zwei nach Amazon. Noch einmal werden sich die Augsburger nicht von den Amerikanern aus dem Markt drängen lassen.

Auch Michael Proeller ist ein optimistischer Unternehmer.

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