Sommer, Sonne, Urlaub – auch das Staatstheater macht sechs Wochen Ferien bis zum Beginn der neuen Spielzeit. Aber was macht ein Intendant eigentlich in dieser Zeit? Wir haben uns mit Staatsintendant André Bücker unterhalten: über Freiheiten, Urlaubsgenüsse und Vorfreude auf die neue Spielzeit.
Alle sind ausgeflogen – „André allein zu Haus“? Bücker lacht: „Im Moment sind tatsächlich alle weg. Der gesamte künstlerische Betrieb ist halt nicht mehr da. Verwaltung, Technik und Haustechnik arbeiten noch. Aber es ist sehr, sehr still hier.“ Im Moment werden nur noch die Kulissen von „Evita“ von der Freilichtbühne verräumt.
Warum André Bücker in der Sommerpause nicht durch die Kostümabteilung schleicht
Dass es gerade so still sei, sei für ihn aber gar nicht so schlimm, erzählt er dem Augsburg Journal bei einem entspannten Gespräch in seinem Büro im Martini-Park. „Man kann in Ruhe Dinge abarbeiten. Zum Beispiel kann ich jetzt mit Regisseuren oder Komponisten telefonieren und plane jetzt schon für die übernächste Spielzeit.“ Und er arbeite den Sommer über noch ein bisschen an der Konzeption für „L’incoronazione di Poppea (Die Krönung der Poppea)“. Die von ihm inszenierte Monteverdi-Oper feiert am 28. März Premiere.
Wenn die Mäuse aus dem Haus sind, könnte man sich denken… probiert er sich jetzt heimlich durch die Kostümabteilung durch? Bücker lacht: „Ich schleiche mich nicht durch die Kostümabteilung. Viel spannender ist es, wenn Leute da sind und ich unangemeldet vorbeikomme.“
Bis wirklich alle wieder da sind, muss er sich noch bis zum 27. September gedulden. Bücker eröffnet dann selbst mit einer großen Neu-Inszenierung von Georg Büchners „Leonce und Lena“ die Theatersaison im Martini-Park: „Wir haben das schon in der letzten Spielzeit vorbereitet, auch schon geprobt mit Bühnenbild und Kostüm hier auf der Bühne. Nach dem Urlaub kommt dann der Feinschliff.“
Geprobt wird während der Pause nicht – das habe aber auch seine Vorteile, meint der Staatsintendant: „Die Schauspieler müssen das dann sicher auffrischen. Aber die Erfahrung zeigt, dass eine Pause gut sein kann. Das Material sackt tiefer.“
Bücker: Kann nicht sicher sein, dass die Freilichtbühne hält
Neben „Leonce und Lena“ im Schauspiel freut sich der Staatsintendant auf weitere Highlights der kommenden Theatersaison: Wie „Carmen“ im Musiktheater unter Regie von Aileen Schneider, die „Dreigroschenoper“ zum Brechtfestival, das „Mozart-Requiem“ im Ballett oder die Ballettinszenierung „Frida“, die man dank vr-theater@home nun auch bequem zuhause sehen kann. Auf der Freilichtbühne feiert die Oper „Turandot“ ein Comeback, das Monty Python-Musical „Spamalot“ kommt neu dazu.
Apropos Freilichtbühne: Bücker hätte mit seinem Team bereits einen Ausweichort gefunden, weil die Stadt sie ursprünglich 2027 sanieren wollte. „Wir hatten eine konkrete Idee: das Gaswerk. Aber es wäre ein ganz anderes Konzept geworden. Keine Imitation der Freilichtbühne.“ Jetzt wurde die Sanierung auf 2029 verschoben. Wie kann man sich denn da sicher sein, dass die Freilichtbühne nächstes Jahr hält? „Kann man gar nicht“, sagt Bücker frei heraus. „Und ich hoffe jetzt, dass uns nicht dasselbe passiert wie beim Großen Haus. Da wusste man auch, dass der Sanierungsbedarf Fakt ist, hat es ewig rausgezögert und dann wurde das Haus von einem Tag auf den anderen geschlossen. Ich hoffe, dass uns das bei der Freilichtbühne nicht passiert, aber sicher sein kann ich da überhaupt nicht.“ Mit einem mulmigen Gefühl gehe er aber nicht auf die Bühne, vertraue den Begehungen und statischen Prüfungen.
Fährt ein Theater-Intendant in den Urlaub…
Und wie zufrieden ist er mit der anderen Baustelle, dem Staatstheater am Kennedy-Platz? „Ich bin im Moment ganz optimistisch gestimmt“, sagt Bücker. „Mit dem neuen Architekturbüro geht es gut voran. Die machen das mit großer Energie.“ Und ergänzt: „Ich finde den Entwurf für das neue Kleine Haus toll. Es wird nichts neu erfunden, aber optimiert.“
Baustellen hin – Inszenierungsvorbereitung her: Auch wenn er etwas früher wieder da ist als alle anderen, macht auch ein Intendant mal Urlaub. Er fährt mit der Familie zum Beispiel nach Schottland. „Aber das ist so eine halbe Arbeit, weil ich dann zum Edinburgh International Festival fahre und dort auch Inszenierungen angucke und so. Aber ich kann das sowieso nicht so ganz trennen.“ Dafür heißt es in Ligurien (Italien) mit der Familie wirklich „La Dolce Vita“ am Meer mit dem perfekten Essen: „Ich liebe gute frische Meeresfrüchte, Fisch und solche Dinge, in allen Variationen“, freut sich André Bücker.
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