Neue Position, selbe Person: Sophie Walz, 42, ist am Staatstheater Augsburg zur neuen Operndirektorin aufgestiegen. Im Gespräch mit dem AJ verriet sie, warum sie nie selbst auf der Bühne stehen wollte – und was ihr Lieblingsort in Augsburg ist.

Seit 2017 ist Walz Teil des Staatstheaters Augsburg – zunächst als Leitende Dramaturgin für Musiktheater und Ballett, nun als Operndirektorin. In den vergangenen Jahren hat sie Aufbauarbeit geleistet, künstlerische Prozesse gestaltet und auch infrastrukturelle Herausforderungen mitgetragen – etwa den Aufbau des Interimsspielorts im Martini-Park. „Wir haben ständig nachgebessert, ausprobiert, optimiert“, erinnert sie sich an die Anfangsjahre, die ebenso von Neugier wie von Improvisation geprägt waren. Die Erfahrungen aus dieser Zeit haben sie geprägt – insbesondere in der Fähigkeit, mit Gelassenheit und Weitsicht zu agieren. „Man muss nicht überall sofort eingreifen“, sagt sie heute.

Die Rolle der Operndirektorin sei eine Weiterentwicklung ihrer bisherigen Arbeit, keine Zäsur. Doch sie setze auch neue Akzente. Vor allem zwei Anliegen treiben sie um: transparente, verbindliche Kommunikation sowie die Etablierung einer gelebten Feedbackkultur. Probenprozesse sollen Raum für ehrlichen Austausch bieten – zwischen Regie, Sängern, Chorvertretungen und musikalischer Leitung. „Gerade in einem hierarchisch geprägten System müssen wir Räume schaffen, in denen offenes Gespräch möglich ist“, so Walz.

Walz übernimmt als neue Operndirektorin das Ensemble ihres Vorgängers Daniel Herzog

Dass sie mit Verantwortung sorgsam umgeht, zeigt sich auch in ihrem Respekt vor Besetzungsentscheidungen. „Man trifft Entscheidungen über Menschen – das ist eine große Verantwortung.“ Fehlgriffe seien nie auszuschließen, aber der Anspruch müsse immer sein, klug und umsichtig zu entscheiden.

Walz übernimmt das Ensemble ihres Vorgängers Daniel Herzog – „mit tiefster Überzeugung“. Sie schätzt dessen strukturiertes Arbeiten und den Fokus auf Ensemblepflege. Die künstlerische Linie will sie weiterführen, ebenso wie die Aufmerksamkeit für das organisatorische Detail: Belastbare Dispositionen, gerechte Probenpläne – all das ist für sie Teil einer verantwortungsvollen Leitung.

Geboren in Ulm, war ihr Weg ins Theater nicht vorgezeichnet, aber inspiriert. Durch ihre Eltern, beide Lehrer, lernte sie Oper, Theater, Museen von klein auf kennen. Besonders beeindruckte sie der damalige Ulmer Operndirektor Klaus Rak. Auf die Bühne zog es sie nie. Zwar spielte sie lange Klavier, stand auch auf der Bühne, doch die Lust am Darstellen blieb aus. Stattdessen entwickelte sie ein ausgeprägtes Gespür für Strukturen, Zusammenhänge, Dramaturgie.

Sophie Walz findet Ausgleich am Lech

An der Theaterakademie August Everding in München studierte Walz Musiktheaterdramaturgie, arbeitete an der Oper Köln und bei den Schwetzinger Festspielen. Besonders prägend waren ihre Jahre in Dessau und Zwickau. Theaterarbeit im Osten bedeutete für sie tägliches Ringen mit prekären Mitteln. Sie erlebte Ablehnung, aber ebenso tiefe Verbundenheit mit dem Theater – bei Kollegen und Publikum. Diese Erfahrung hat ihr Verständnis von Theater als gesellschaftlichen Ort geschärft.

In Augsburg ist sie angekommen. Sie lebt in Lechhausen, findet Ausgleich am Lech – „meinem Lieblingsort“, wie sie sagt. Dass sie hier mehr als irgendwo sonst zur Ruhe gekommen ist, spricht für die Stadt – und für die Aufgabe, die sie hier gefunden hat. Ihr künstlerisches Interesse gilt neben Alter Musik der zeitgenössischen Oper. Werke der finnischen Komponistin Kaija Saariaho stehen auf ihrer Wunschliste, ebenso vergessene Spielopern oder Mozarts Da-Ponte-Open wie „Die Hochzeit des Figaro“ oder „Don Giovanni“. Als Staatsintendant André Bücker sie 2017 anrief, überlegte Walz nicht lange, nach Augsburg zu gehen. Nähe zur Familie, eine vertraute Arbeitsbeziehung – und ein gemeinsames Ziel: das Musiktheater in Augsburg weiterzuentwickeln. Darauf lässt sich auch als neue Operndirektorin aufbauen.

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