Peter Chus Arrangements auf der Bühne sind Gemälde: Hinten singt der Chor von „ewiger Ruhe“, vorn wälzen sich Tänzer über den Bühnenboden, in abgestimmtem, uniformem Tanz. Dazwischen steht Sopranistin Jihyun Cecilia Lee in eine Toga gehüllt. Das „Mozart-Requiem“ ist die dritte Augsburger Inszenierung des preisgekrönten Tänzers und Choreografen. Das AJ hat den gebürtigen New Yorker und Absolventen der Juillard School zum Interview bei der Premiere getroffen.

Er sei dankbar, dass ihn Ballettdirektor Ricardo Fernando damals nach Augsburg gebracht habe. Chu ist nicht nur ein Fan der – im Vergleich zu Las Vegas und Florida, wo er lebt – sehr kleinen Stadt („I love the city, it’s so charming to me“). Sondern auch vom „collaborative spirit“. Theater und Stadt seien offen, jede Art von Kunst sei willkommen. Auch das Publikum trägt dazu bei: Das sei sehr engagiert, neugierig, und offen für verschiedene Perspektiven.

Peter Chu: Mehr als stolz auf die gesamte Crew, die in Augsburg im Einsatz war

„Very relieved“, also sehr erleichtert, fühle er sich nach der bestandenen Premiere – was zum Stück passe, in dem es auch um die Anspannung und das Loslassen gehe. Er sei mehr als stolz auf die gesamte Crew. Vor Ort waren Chus Assistenten Roger Van der Poel und Demis Moretti im Einsatz. Im Mozart-Requiem sind fast alle Augsburger Gewerke vertreten: Ballett, Opernchor, Solisten, Philharmoniker. Chu ist überzeugt: „The one thing that brings us all together is art.“

Damit hat er verschiedene Erfahrungen, war etwa für die neunte und zehnte Staffel „So You Think You Can Dance“ im US-TV engagiert. Das sei ganz anders als die Arbeit fürs Theater. Bei allem lasse er sich inspirieren, möchte aber den verschiedenen Tanzstilen treu bleiben, die ihre eigene Strenge und Schönheit besäßen.

Peter Chu tanzte schon in Christina Perri‘s Musikvideo zu „Jar of Hearts“ und Celine Dions Show „A New Day“ in Las Vegas. Bei der „Mozart-Requiem“-Premiere feierte er mit der Augsburger Staatstheater-Prominenz André Bücker (links), Ricardo Fernando und Carla Silva. Foto: Greif

Das Requiem ist auf Latein. Das spreche er zwar nicht, habe aber die Worte übersetzt. Wichtig war ihm, dass sich der Abend nicht um einzelne Worte drehe. Stattdessen ließ er sich von der Bedeutung der Texte zu einem lebendigen Bild und der emotionalen Landschaft auf der Bühne inspirieren, sagt Chu. Mozart starb, bevor er das Requiem vollenden konnte. Da Chu das Werk das gesamte vergangene Jahr hörte, fühlte er eine Verbindung zum Komponisten. Die „Dringlichkeit“ im Requiem habe seine Interpretation beeinflusst.

New Yorker Choreograf verbindet auch im „Mozart-Requiem“ Qigong mit Tanz

Chu ist bekannt dafür, Prinzipien aus Qigong und Tai Chi in seinen kreativen Prozess einfließen zu lassen. Er erklärt es so, dass er in seinen Tanzklassen kontrolliertes Atmen, Körper- und Raumkomposition, Körper-Geist-Bewusstsein betont. Damit sollen, sagt er, die Tänzer etwa ihren Bewegungsansatz und Emotionsregulation verbessern. „Kranich-Qigong und die Symbolik des Kranichs im Qigong haben dieses Stück bedeutend inspiriert. Sie erinnern uns daran, nach Balance und Harmonie zu suchen, während sie uns in Zeiten von Trauer, Traurigkeit oder sogar bei Unwohlsein dazu ermutigen, die Brust und die Arme zu öffnen.“

Nach „yourFACE“ und „Moving“ ist Peter Chu mit dem Tanztheater „Mozart-Requiem“ zum dritten Mal in Augsburg zu Gast. Mit zeitgenössischem Bewegungsvokabular, das auf die emotional vielfältige Klangwelt des Werkes reagiert: „Wie Mozart hier Licht und Dunkel miteinander verflechtet, reflektiert für mich das Leben in all seinen Nuancen.“ Foto: Jan-Pieter Fuhr

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