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Ein Fass ohne Boden?

Posse – Drama – Improvisationstheater?

 

Sanieren oder Nichtsanieren – das ist hier (frei nach Shakespeare) die Frage. Soll man rund 300 Millionen Euro, womöglich noch viel mehr Geld, in die Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters stecken? Oder soll man riskieren, dass die traditionelle Kunst mit Musiktheater, Schauspiel und Ballett in der Fuggerstadt hinten angestellt wird, um einer auf Jahrzehnte belastenden, immensen Verschuldung zu entgehen?

Geschlagene vier Stunden wurden solche Fragen kontrovers im Stadtrat diskutiert – weil zuletzt eine enorme Kostensteigerung bekannt wurde, die vor allem viele Stadträt*innen aus den Oppositionsreihen so nicht mittragen  wollten. Das hatte sie schon im Vorfeld klar gemacht. Im Stadtrat verlangten sie ein Moratorium, also eine Denkpause.

Die Regierungsparteien CSU und Grüne schmetterten das ab. Mit 38 zu 22 Stimmen wurde beschlossen, Sanierung sowie die Planung für Erweiterungsbauten neben und hinter dem Großen Haus trotz erneut rund 30 Millionen Euro Mehrkosten weiterzuführen.

Um welche Art von Theaterstück es sich hier handelt und wie es endet, weiß noch keiner, zumal inzwischen wieder ein Bürgerbegehren gegen die teure Sanierung gestartet wurde. Ob es tatsächlich ein Happy End gibt, oder ob die Sanierungsfrage zur Posse, zum Drama oder gar zur Tragödie wird, vielleicht gar zur Improvisationskunst, ist offen. In der breiten Bevölkerung jedenfalls scheint das Mammutprojekt wegen der  unüberschaubaren Kosten auf wenig Gegenliebe zu stoßen, zumal viele weitere Kostensteigerungen fürchten.

Und die kann und will auch keiner im Rathaus ausschließen, weil sich die Kosten erst exakt benennen lassen, wenn Aufträge vergeben werden, was schrittweise erfolgt. Dennoch meint die neue OB Eva Weber, dass die Planungen soweit fortgeschritten seien, dass die Kosten relativ verlässlich sind. Allerdings ist noch nicht endgültig klar, inwieweit der Freistaat  Mehrkosten mitträgt. Für zuschussfähige Bauteile wurde zwar (zuletzt auch mit Blick auf Mehrkosten) versprochen, 75 Prozent der Ausgaben zu übernehmen. Nur: Welche Maßnahmen betrifft das genau? Man geht davon aus, dass es unterm Strich eine Förderung von 50 bis 55 Prozent gibt.

Welche Kosten auf die Stadt zukommen, rechnete schließlich der neue Finanzreferent Roland Barth vor, der von einer „erheblichen Herausforderung“ sprach.  So werden die jährlichen Kosten für Kredite und Tilgung von bislang rund 3,85 auf 6,5 Millionen Euro steigen, die wohl mindestens 20 Jahre lang anfallen. Eine erhebliche Belastung, die allerdings angesichts des Gesamthaushaltes, der im Jahr bei bis zu 1,2 Milliarden Euro liegt, darstellbar sei.

Für die Gegner einer schnellen Entscheidung zu viel. „Inwiefern können wir dann wichtige andere Projekte noch finanzieren?“, führten etwa Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) und Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) an. Sie und weitere Redner*innen beklagten auch, dass man bislang mit irreführenden Zahlen „hinters Licht geführt wurde“ und „im Dunklen tappe“.

Intendant André Bücker appellierte derweil eindringlich, jetzt das „Zukunftsprojekt für die nächsten 100 Jahre anzupacken“.

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