„Viele der Figuren wären sonst im Theaterfundus verschwunden“, sagt Christoph Mayer, Vorsitzender des Vereins Freunde des Augsburger Puppenspiels e.V.. „Hier haben sie ein dauerhaftes Zuhause gefunden.“ Er sei dankbar und stolz. Dass das Jubiläum unter der Schirmherrschaft von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder steht, sei eine große Ehre. Und doch richtet Mayer den Blick vor allem zurück – auf den Oktober 2001, als das Museum eröffnet wurde, und auf das, was daraus entstanden ist: 42 Sonderausstellungen, fast 1,4 Millionen Besucherinnen und Besucher, das erfolgreichste Puppentheatermuseum Europas.

Ein Zuhause – dieses Wort zieht sich durch den Abend. Der erste Museumsdirektor Erik Raskopf erinnert sich daran, wie nah alles beieinander lag: „Mein erstes Büro an der Eserwand war gleichzeitig meine Wohnung.“ Die Figuren, sagt Raskopf, trügen Erinnerungen in sich. Zwischen den Kistendeckeln entstehe eine geschlossene Welt, in der Ordnung herrsche, in der es ein Happy End gebe – etwas, das besonders Kindern Halt gebe. „Mut zur Langsamkeit“ sei eine der wichtigsten Botschaften der Puppenkiste.

Eva Weber: die Puppenkiste ist ein prägendes Label für Augsburg

Auch Oberbürgermeisterin Eva Weber kann Anekdoten aus der „Kiste“ beisteuern. Vor Kurzem sei sie mit ihrem Neffen (9) und ihrer Nichte (4) im Museum gewesen. „Beide waren völlig fasziniert“, erzählt sie. Obwohl im Museum eigentlich „Anfassen verboten“ gilt, schaffe es die Kiste, die Puppen wieder lebendig werden zu lassen. Für Weber ist das Museum weit mehr als ein kultureller Ort: Es sei ein prägendes Label für Augsburg, ein Stück Identität – dabei spiele die Puppenkiste bei der nationalen Wahrnehmung in derselben Liga wie der FCA. Und zugleich sei sie ein Ort kultureller Bildung, der Lebensqualität schafft.

Klaus Marschall: „Mussten unserer Mutter den Wunsch nach einem Museum einreden“

Dass all das nicht selbstverständlich ist, macht Klaus Marschall deutlich. (Lesen Sie hier unseren Artikel zur „Next Generation“) Den Wunsch seiner Mutter Hannelore, ein Museum für ihr Lebenswerk zu schaffen, hätten er und sein Bruder ihr zunächst „einreden müssen“. Geldmangel, Denkmalschutz, Widerstände – vieles sprach am Anfang dagegen. Der Wendepunkt kam Ende der 1990er-Jahre mit der dringend notwendigen Sanierung des Heilig-Geist-Spitals. „Wir wussten nicht, wie Museum geht“, sagt Marschall. „Wir haben es einfach gemacht.“ Dass daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, sei dem Zusammenspiel vieler Menschen zu verdanken – Fachleuten, Idealisten, Unterstützern. „Ein Museum besteht nicht aus Vitrinen“, betont er. „Es besteht aus Menschen.“

Beschwingte Töne lieferte Fred Brunner mit Keyboard und Melodica. Foto: Julia Greif

Heute steht an der Spitze des Hauses ein engagiertes Team um Museumsleiterin Michaela Dempf. Und auch wenn die Zukunft finanzielle Herausforderungen bereithält – steigende Kosten, wegfallende Sponsoren –, überwiegt an diesem Abend die Zuversicht. „Die Kiste“ hat in den vergangenen 25 Jahren bewiesen, dass sie mehr ist als ein Museum: Sie ist ein Ort der Erinnerung, des Staunens und der Träume. Und ein Zuhause – für Marionetten und für Menschen. Deshalb gab es auch im Anschluss die schon traditionellen Hot Dogs für den menschlichen Hunger.

Aktuell zeigt die „Kiste“ zu ihrem Jubiläum eine Sonderausstellung.

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