Es gibt Geigenbauer, die ihren Namen unsterblich gemacht haben: Antonio Stradivari. Giuseppe Guarneri del Gesù. Und Nicolò Amati. Eine solche legendäre Violine, eine Nicolò Amati von 1662, bringt die Geigerin Adriana Gabrian am 21. März um 19 Uhr zum Klingen. Gemeinsam mit Pianist Philipp Lynov spielt sie im Konzert „Senza Tempo“ Werke von Ludwig van Beethoven und Richard Strauss im Rokokosaal der Regierung von Schwaben. Im Vorfeld sprach das Augsburg Journal mit der Musikerin, die am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg unter der Leitung von Prof. Petru Munteanu und Baiba Skride studierte und Mitglied der Augsburger Philharmoniker war, über ihr außergewöhnliches Instrument.
„Ja, natürlich ist sie mein Arbeitswerkzeug“, stellt Gabrian gleich klar. Die Amati nutzt sie sowohl zum Üben als auch für Konzerte – aktuell auch bei ihrem Engagement am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Dort sei die Geige von den Kollegen sofort erkannt worden, erzählt die 29-Jährige lachend: am charakteristischen, leuchtend gold-orangen Lack, feinen schwarzen Gebrauchsspuren, alten Reparaturen.
Angst, das kostbare Instrument zu beschädigen, habe sie nicht. „Man kann heute unglaublich viel reparieren. Es ist faszinierend, was Geigenbauer leisten können“, sagt sie. Behandelt werde die Amati wie jede andere Geige auch: regelmäßige Kontrollen, Polieren, Pflege von Klang und Lack. Alte Instrumente seien zwar empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Trockenheit, ein Feuchtigkeitsmesser im Kasten reiche jedoch aus.
Adriana Gabrian: „Diese Geschichte kann man nicht faken“
Auf der Suche nach einer Geige probierte sie bewusst neue und alte Modelle aus. Dass sie alte Instrumente modernen vorzieht, erklärt Gabrian mit einem Bild: „Eine moderne Violine ist wie ein Kind ohne Erfahrung – sie macht alles mit. Alte Instrumente dagegen sind wie ein Partner. Sie sagen dir, wie du spielen sollst.“ Es gehe um Kommunikation, ums Zuhören. Akustisch eröffne sich eine ganz andere Welt an Farben, dazu komme eine psychologische Komponente: „Diese Geschichte kann man nicht faken. Man spürt eine andere Energie, wenn ein Instrument seit Jahrhunderten existiert. Für mich ist es vor allem ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit, Inspiration und Hoffnung.“ Und sie meint: „the older the instrument, the better it gets. Und je mehr Leute auf dem Instrument gespielt haben, desto besser.“
Weltweit existieren nur noch rund 20 Amati-Geigen. Sie sind seltener als Stradivaris, weil Nicolò Amati deutlich weniger Instrumente baute. Als Lehrer unter anderem Antonio Stradivaris prägte er dennoch die gesamte Cremoneser Geigenbautradition. Die Familie begründete das „Goldene Zeitalter“ des Geigenbaus. Zu sehr wolle sie sich darüber aber nicht den Kopf zerbrechen, sagt Gabrian: „Man kann sich leicht in der Geschichte verlieren. Am Ende geht es darum, das Beste aus dem Instrument herauszuholen.“
Adriana Gabrian: Geschichte auf der Schulter
Die Provenienz der Geige ist lückenlos dokumentiert: Sie befand sich unter anderem in bedeutenden Sammlungen wie W.E. Hill & Sons und wird heute vom Segelman Trust bewahrt. Während sie 1945 noch für wenige Hundert Pfund verkauft wurde, erzielen manche Amati-Geigen heute Preise im sechsstelligen Bereich. Vergessen oder liegen gelassen habe sie das Instrument noch nie, sagt Gabrian lachend: „Auf keinen Fall! Ich habe sie immer bei mir – mit Code und Tracking. Und die Leute wissen ja nicht, was man da eigentlich herumträgt.“
Auf die Amati stieß Gabrian über die Maggini Stiftung in Basel, die hochwertige Instrumente erhält und an professionelle (Nachwuchs-)Musiker vergibt. Dort konnte sie mehrere historische Geigen in kurzer Zeit blind ausprobieren – bewusst ohne Preiswissen. „Bei der Amati hatte ich sofort das Gefühl, dass da etwas Besonderes passiert“, sagt sie. Der Klang sei akustisch dichter. „Und die Verbindung, die zwischen den Noten passiert: Das ist magisch bei alten Instrumenten. Diese Vibrationen kommen zusammen. Und man fühlt sie, du hast keine Begrenzungen mehr. Es ist nur die Frage, wie weit du gehen willst.“ Sie sagt: „Es fühlt sich an wie ein Ferrari: Es gibt keine Limits. Man kann viel mehr ausprobieren.“ Die Geige eigne sich besonders für Barockmusik und Beethoven – „aber volle Power geht auch“.
Zunächst erhielt sie das Instrument für ein Jahr, später durfte sie verlängern. Die Leihgebühr für die ersten beiden Monate sorgte privat für Diskussionen. Ihr Mann Tobias Kastenhuber, selbst kein Musiker, habe skeptisch gefragt, ob sich das lohne. Gabrian spielte ihm im Konzertsaal vor. „Da hat er sofort gemerkt: Es lohnt sich“, sagt sie lachend. Heute fürchte er nur, dass sie ihre andere Geige, die sie gerade noch neu anfertigen lässt, am Ende nicht mehr mögen könnte.
Zuvor spielte Gabrian seit 2019 eine „Louise Piqué – Paris 1820“, eine Leihgabe der Thomas J.C. und Angelika Matzen Stiftung aus Hamburg. Und auch ihre erste Geige hat die gebürtige Bukaresterin noch im Schrank: Ihre Eltern hatten über drei Jahre für das 2000 Euro teure Instrument gespart. Auf der Rückseite ist „G. A.“ eingraviert. „Die kann man nicht einfach verkaufen.“
Wir verlosen dreimal zwei Karten für das Konzert. Schreiben Sie bis 13. März eine Mail an verlosung@augsburgjournal.de.
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