Nach exakt 372 Tagen steht Cheyenne „Pepper“ Hanson endlich wieder im Ring. Die Augsburger Boxerin mit den pinken Haaren blickt beim Gespräch mit dem Augsburg Journal auf ein mental forderndes Jahr zurück aber auch voraus auf ihr lang ersehntes Comeback und große Ziele.
Ein Jahr war sie raus, fast auf den Tag genau. Bei ihrem letzten Kampf am 29. November 2024 in Bukarest brach sie sich bereits in der ersten Runde den Mittelhandknochen der rechten Hand. Ihrer Leistung tat es keinen Abbruch, nach zehn Runden stand sie als Siegerin gegen die Thailänderin Phannaluk Kongsang fest und durfte den WM-Gürtel des WBF-Verbands in die Höhe recken. Es folgte eine erste Zwangspause von ein paar Monaten, danach stieg sie wieder ins Training ein. Doch dann kam der Schock. Beim Sparring brach die selbe Stelle im Mittelhandknochen erneut. “Es war der genau gleiche Schlag wie beim Kampf damals”, erzählt die 27-Jährige. „Beim ersten Mal dachte ich noch: Okay, ich hab den Titel geholt, ich kann das verkraften. Beim zweiten Mal war es nur noch ein Hirnfick.“ Statt Training und Kampfvorbereitung hieß es weiter geduldig bleiben: wieder eine Schiene am Arm, wieder das lange Warten auf die vollständige Heilung. Anstelle von Kämpfen im Ring konzentrierte sie sich auf ihr Studium der Fitnessökonomie und ihr Privatleben, für das sie in den vergangenen Jahren wenig Platz hatte. „Ich bin sonst nie jemand, der sich Pausen gönnt. Aber irgendwann musste ich es akzeptieren und habe das Beste daraus gemacht.“
Hanson hat in dieser Zeit gelernt, was Geduld bedeutet. Regelmäßig fuhr sie nach Ulm zu einem Spezialisten, der auch die Basketballer des Bundesliga-Clubs Ratiopharm Ulm betreut. Monat für Monat ließ sie ihre Hand kontrollieren. Kein Risiko, kein Frühstart. „Ich habe noch mehr als zuvor auf mich geachtet, das Training umgestellt. Erst habe ich am Boxsack nur mit links gearbeitet, viel Beine trainiert und Cardio gemacht.” Das Sparring folgte erst später – die richtige Entscheidung. Mittlerweile ist die Halb-US-Amerikanerin wieder voll im Training, mitten in der Vorbereitung auf ihren Comeback-Fight.
Der kommende Kampf ist bewusst klein angesetzt: sechs Runden, keine Titelverteidigung und eine neue Gewichtsklasse. „Bis zum Kampf muss ich noch etwa drei Kilogramm abnehmen, ich habe durch die Zwangspause viel Krafttraining gemacht und Muskeln aufgebaut“, sagt Hanson. „Den Titel habe ich bei 53,5 Kilo gewonnen, aktuell bin ich bei 61.“ Der bevorstehende Fight gegen Soledad Macedo (Uruguay) soll hauptsächlich als Vorbereitungskampf für einen WM-Kampf dienen. „Ich stehe aktuell auf Platz 8 in der Weltrangliste, aber wenn man ein Jahr nicht boxt, fällt man raus, deshalb ist es wichtig wieder im Ring zu stehen.“ Der nächste große Kampf soll idealerweise Anfang 2026 stattfinden.
Denn Hanson peilt nicht weniger als die Spitze an, sie hat sich ein großes Ziel gesetzt: “Ich will das Deutsche Boxen wieder groß machen.” Die Titel seien dabei eher Nebensache: „Es braucht ein Zugpferd. Boxen ist hier stehen geblieben. In England oder den USA entwickelt sich alles weiter – bei uns ist es gefühlt noch wie vor 100 Jahren.“
Und genau deshalb verlagert sie ihre Vorbereitung nach London. Dort trainiert sie unter Xavier Miller, umgeben von internationalen Profis, harten Sparringspartnern und echtem Wettkampfklima. „Das Niveau ist einfach krass. Da lernst du täglich so viel.“ Viele ihrer Sparrings seien mit Männern. „Die schlagen härter und gerade die Jungen haben richtig Ausdauer und Motivation. Wenn ich mich da gut schlage, habe ich ein gutes Gefühl für meine Kämpfe.“
Was sie antreibt, ist weniger ein Gürtel als das Gefühl, endlich wieder sie selbst zu sein. „Ich freue mich einfach, wieder im Ring zu stehen“, sagt sie. Die Verletzung hat sie ausgebremst, aber nicht gebrochen.

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